Wir traten unsere Reise am Samstag 07.02.2026 an. Eingeschifft wurden wir in Savona, Italien. Zu dieser Zeit lag ein schwaches Tief über dem Golf von Genua.

Hier die Situation am Mittag 13h.
Nach den üblichen Abläufen wie Informationsanlässe und einer Übung mit der Schwimmweste standen wir auf unserem Balkon mit Meersicht auf dem 10. Stockwerk der Costa Smeralda (weitere Informationen siehe Wikipedia), das entspricht etwa 8 Stockwerke oder ca. 25 Meter über dem Meeresspiegel. Hier erwartete uns aus der Sicht eines wetterinteressierten Menschen eine tolle Überraschung. Es wurde uns zwischen 17 und 18h ein beinahe hochsommerlich anmutendes Gewitter vor Savona angeboten. Ich konnte vier Blitze mit Video festhalten.

17:14 Uhr

17:19 Uhr

17:21 Uhr

17:23 Uhr
Hier nach ein Video dazu.
Das Temperaturprofil vor Ort war ca. -27° auf der 500 hPa-Ebene, +2° auf der 850 hPa-Ebene, das Wasser im Mittelmeer war 14° (Genua, Marseille) und die Luft schätzungsweise etwa 15°.
Mit dem Ende des Gewitters waren wir dann ausgelaufen.
Sonntag 08.02.2026 in Marseille
Heute zog ein Tief über das westliche Mittelmeer.

Hier die Situation am Mittag 13h.

Es hat den ganzen Tag geregnet.
Montag 09.02.2026, in Barcelona

Die Wettersituation morgens um 7h: Barcelona liegt in einem Zwischenbereich (Zwischenhoch?) eines Tiefs über dem Tyrrhenischen Meer und einer Tiefdruckrinne südwestlich von Irland und dem Golf von Biskaya.
Beim Einlaufen in Barcelona bot sich uns eine wunderschöne Morgenstimmung an.




Das Wetter in Barcelona war am Morgen zuerst stark bewölkt bis bedeckt mit Wolken im mittleren und Schleierwolken im höchsten Stockwerk. Über Mittag und nachmittags war es vorwiegend sonnig.

Gegen Abend zogen hohe Wolkenfelder einer nächsten Front, die zum Tief südlich von Irland gehört, auf.

Dienstag 10.02.2026 – auf hoher See
Auf der Fahrt nach Tunesien waren wir heute auf hoher See. Das Wetter war vorwiegend sonnig.

Vormittag bestand die Bewölkung aus Stratokumulus Wolken.

Gegen Abend zogen hohe Wolkenfelder auf die zu einer nächsten Warmfront gehörten.

Mittwoch 11.02.2026
In der Nacht zum Mittwoch hörten wir gegen Morgen an der Kabinenaussentür das Pfeifen des Windes.

Es hatte sich ein Randtief über dem westlichen Mittelmeer gebildet, das um 7h im Golf von Genua stand.
Beim Aufstehen wurden wir wie folgt informiert. Das Schiff konnte infolge starkem Wind mit Böen bis 30 Knoten nicht durch den Eingangskanal in den Hafen La Gouette fahren. Aus Sicherheitsgründen und die voraussichtliche Verschlechterung der Wetterbedingungen im Verlauf des Tages wurde die Führungscrew gezwungen einen Alternativplan anzuwenden. Wir fahren heute während des Tages schon nach Palermo.

Hier die Sicht auf die tunesische Küste morgens um 7:10 Uhr

Nach 8 Uhr holte uns die Kaltfront ein.

Wir sind nicht die einzigen, die auf hoher See unterwegs sind.

Am Nachmittag war es wieder sonnig. Hier mit Sicht auf Sizilien.

Kurz vor dem Anlegen in Palermo, es meldet sich schon wieder die nächste Front an.
Donnerstag 12.02.2026 – Palermo
In der Nacht ist ein Tief vom Atlantik her in die Nordsee gezogen. Es hat sich wieder ein neues Randtief im Golf von Genua gebildet.

Das dazugehörige Frontensystem lag morgens um 7h kurz vor Sizilien.

Hier der Wetteraufzug kurz nach halb acht morgens. In Palermo war das Wetter deshalb stürmisch. Bei einem Ausflug in die Stadt wurden wir um 9h von der Kaltfront eingeholt mit einigen kräftigen Böen und kurzen Regenschauern. Im Verlauf des Tages nahm der Wind eher noch etwas zu. Die Wolken zogen in einem ordentlichen Tempo dahin (45 Knoten auf der 850 hPa-Ebene). Am Nachmittag beobachtete ich vom Balkon aus das Wetter.

Draussen auf dem Meer gab es starke Böen, so dass sich oft ein Gischtteppich über die Wasseroberfläche legte. Sogar den einen oder anderen Wasserteufel war zu erkennen. Im Video sieht man sie besser.
Am späteren Nachmittag wurden wir wieder vom Kapitän des Schiffes informiert. Wir werden morgen Freitag erst um 13 Uhr statt um 8:30 Uhr in Civitavecchia ankommen. Grund sind schwierige Wetterbedingungen im ganzen Mittelmeerraum. Es werden Windböen bis 60 Knoten (110 km/h) und bis 6 Meter hohe Wellen erwartet.
Kurz vor 17h legten wir ab. Ich war gespannt auf diesen Sturm.

Hier die Situation auf der Wetterkarte um 19h. Das Sturmtief lag mit einem flachen Kern über der Adria. Der Druckgradient über dem westlichen Tyrrhenischen Meer war beachtlich hoch. Über dem westlichen Teil Siziliens beträgt die Distanz der 995 hPa bis zur 1000 hPa Isobare knapp etwas mehr als 100 km.
Die Wellen und der Sturm kamen aus West oder Westnordwest. Da wir gegen den Sturm fuhren konnte ich die Geschwindigkeit nicht gut schätzen. Auch die Wellenhöhe war aus mehr als 20m höhe schwer zu schätzen. Vermutlich bis 3m solange noch Tageslicht herrschte.

Das war um 17:30 Uhr. Das Schiff fuhr Richtung Westnordwest. Blickrichtung ist hier nach Nordosten.

Blickrichtung Nordnordwest. Erstaunlicherweise war das Wetter freundlich. Der blaue Himmel dominierte und wir konnten die von der untergehenden Sonne beleuchteten Wolken sehen.

18:00 Uhr
Die höchsten Wellen gab es zwischen 22 Uhr und Mitternacht. Es war schon erstaunlich dass ein über 300 m langes und 42 m breites Schiff dermassen schaukeln konnte. Beim Gehen mussten wir recht stark seitlich ausbalancieren. Oder es fühlte sich an als ob man über mehrere Schritte etwa 50% schwerer war, um dann über mehrere Schritte mit nur halben Gewicht dahinzuschweben.
Ab 23 Uhr waren meine Frau und ich in der Kabine. Es gab mehrmals heftige Schläge, die das Schiff erbeben liessen. Hin und wieder war ich auf dem Balkon um den Wellen zuzuschauen. Es waren die hellsten Sterne zu sehen (grosser Wagen und Polarstern). Wir waren immer noch Richtung Westnordwest unterwegs.

Die Situation auf der Wetterkarte um 1h morgens: Auf der 850 hPa Pseudopotentielle Temperatur sieht man die Luftdruckverhältnisse relativ gut. Rot ist das Sturmgebiet. Blau ist ein Gebiet mit stärkerem Druckgradient.

Ich gehe davon aus dass die Windverhältnisse auf der 500 hPa-Ebene die Wettersysteme steuern (die Fachleute im Sturmforum mögen mich korrigieren wenn das nicht stimmt, wahrscheinlich ist es komplexer als ich es hier beschreibe). Das Sturmgebiet zieht mit etwa 30-40 Knoten Richtung Südosten und das oben bezeichnete blaue Sturmgebiet somit (unter Abschwächung) über unseren Kurs. Denn die höchsten Windgeschwindigkeiten hatten wir zwischen 4 und 5:30 Uhr. Der Wind pfiff an der Balkontüre besonders laut. Kurz vor 5 Uhr schaute ich mal raus. Hinter dem Balkon war eine dichte Wand aus Gischt sichtbar.
Freitag 13.02.2026 - Civitavecchia

Die Situation auf der Wetterkarte um 7h morgens: das Tief liegt über dem südlichen Balkan. Das Sturmgebiet hat sich südöstlich von Sizilien auf das Mittelmeer verlagert und trifft dort bei Bengasi auf die Nordafrikanische Küste.
Bei uns beruhigte sich die Lage langsam. Trotzdem hatten wir immer noch wie gestern bei Tageslicht etwa bis zu 3m hohe Wellen und der Wind weht oft Wasser ab den Wellen. Das sieht beim Licht der Morgensonne besonders schön aus.

7:24 Uhr, die Sonne steht bereits schon über dem Horizont.



Hier eine besonders hohe Welle.

Unser Kurs war jetzt Richtung Nordnordost. Natürlich habe ich auch ein Video von diesem Sturm.
Hier noch der Überblick unserer Reise in der vergangen Nacht.

Quelle: Googlemap
Ich habe den Kurs der vergangen Nacht möglichst genau in Googlemap eingetragen. Die Angaben zu dem Sturm sind meine Einschätzungen und darum ohne Gewähr auf exakte Genauigkeit.

In Civitavecchia war das Wetter wieder sonnig und vor allem ruhig.
Beim Auslaufen in Civitavecchia am Abend hatten wir folgende Wettersituation:

Das Randtief, dass auf der 6UTC-Karte über der iberischen Halbinsel lag, war jetzt in der Bucht zwischen Barcelona und Marseille und hatte vorerst keine Auswirkungen auf unsere Reise nach Savona.
Samstag 14.02.2026
Irgendwann gegen morgen früh hörte ich im Halbschlaf wieder den Wind an der Türe zum Balkon pfeifen, aber nicht so heftig wie letzte Nacht.
Morgens beim Aufstehen hatten wir Regenwetter.

Das ist kurz vor dem Einlaufen in Savona.

Das Wetter auf der Karte von 7h morgens: Ein Tief mit Kerndruck 983 hPa lag westlich bei Korsika. In Savona gab es zeitweise leichten Regen, sonst ist es bedeckt. Dieses Tief zieht bis Sonntag 15.02.2026 wieder ins Tyrrhenische Meer und sorgt für weitere interessante Wetterereignisse vor Ort. Wir verabschieden uns hiermit von der Region westliches Mittelmeer.
Trotz den Einschränkungen während der Kreuzfahrt hatten meine Frau und ihre Kolleginnen sowie mein Kollege ihren Spass an der Kreuzfahrt. Für mich als Wetterinteressierter war es DIE Kreuzfahrt die es überhaupt geben kann.
Zu erwähnen ist noch dass alle Niederschlagsereignisse die ich während der Fahrt beobachtet hatte, moderat waren (Gewitter in Savona, Dauerregen in Marseille, Kaltfronten in Tunesien und Palermo, sowie der Regen heute in Savona). Keins der Ereignisse hatte überdurchschnittliche oder extrem intensive Niederschläge gebracht. Am ergiebigsten war der Dauerregen in Marseille.
Hiermit schliesse ich diesen Bericht ab.
Liebe Grüsse von Hans-Jörg
