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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

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Andreas -Winterthur-
 
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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

Beitragvon Andreas -Winterthur- » Di 23. Aug 2005, 17:53

Entschuldigt bitte den neuen Thread, aber ich denke das sollte nicht untergehen!

In einer provisorischen Auswertung des Ereignis mit Analyse der Niederschlagsmengen aus dem Messnetz von MeteoSchweiz sind vielerorts sowohl die 2-, wie auch die 4-tägigen Niederschlagssummen Rekordwerte. In beiden Fällen kann von einer Wiederkehrdauer von mehr als 300 Jahren ausgegangen werden!

Der Bericht von MeteoSchweiz
“Some people are weather wise, but most are otherwise” Benjamin Franklin

Christian Schlieren
 
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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

Beitragvon Christian Schlieren » Di 23. Aug 2005, 18:42

Naja also müssen Zukünftige Hochwasser nicht mehr am Jahre 99 sondern am Jahre 2005 Gemessen werden.
Also an den Voralpen war das Hochwasser aus dem Jahre 99 ein leichter Regen gegen dieses hier :O :O
Bis auf den Bodensee ;-)
Tut mir leid abber ich kann das ganze einfach noch nicht fassen :-( :-(

Grezz
Christian Schlieren bei Zürich 393 M.ü.M

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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

Beitragvon Ricco (Koblenz AG) » Di 23. Aug 2005, 18:52

Nun hier am Zusammenfluss von Aare und Rhein war das Hochwasser von 1999 doch deutlich gröber. Das hängt damit zusammen, dass der Rhein damals wesentlich mehr Wasser brachte. Dopch intressant ist doch folgendes: Am 19. Mai 1994 gabs hier schon ein Jahrhunderthochwasser, am 19. Mai 1999 sogar ein Jahrfünfhunderthochwasser, und jetzt dies..... In schön regelmässigem Abstand von 5 bis 6 Jahren gibt es hier Jahrhunderhochwässer und wir werden aus den Häusern geholt und das Mobiliar säuft ab. Irgend etas stimmt doch mit diesen Statistiken nicht. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass ich hier nicht 300 Jahre auf die nächste Züglete in den ersten Stock warten muss:-)

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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

Beitragvon Christian Schlieren » Di 23. Aug 2005, 18:56

Ich weiss ja nicht abber könnte da vieleicht nicht die gute alte Klimaerwärmung die finger im spiel haben???
Den genau die Gleichen Gedanken hab ich mir auch gemacht :(
Den die Limmat hatte auch im Juni 04 einen Wasserstand der etwa so hoch war wie dieses Jahr.

Grezz
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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

Beitragvon Sämi » Di 23. Aug 2005, 19:16

Ich kann mir ehrlichgesagt auch nicht vorstellen das dies nun DAS Hochwasser der nächsten 300 Jahre gewesen war.
Natürlich war es sehr schlimm und wird in dieser Art wohl, glücklicherweise, nicht mehr so schnell wieder erscheinen. Doch konnte man ja in den letzten Jahren feststellen wie die Hochwasser in Mitteleuropa zunahmen. (Ich denke jetzt nicht nur an '99 sondern auch an den August 02 in Osteuropa)
Diese Hochwasser werden in Zukunft sicher zunehemn. Nur trifft es nicht immer die Schweiz.
Und hier denke ich hatt die Klimaerwärmung sicher ihre Finger im Spiel.
:-/
Grüess Sämi
Heiden, Bischofsberg, 940 M.ü.M.

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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

Beitragvon Markus Pfister » Di 23. Aug 2005, 19:28

Hallo,

das finde ich einen wichtigen Aspekt. Statistische Berechnungen und deren
Ergebnisse, unter anderem eben die Wiederkehrperioden von Extremereignissen,
basieren meines Wissens zurzeit auf der Annahme, dass deren Häufigkeit
langfristig gleich hoch bleibt. Sollte dies nicht mehr der Fall sein, und
sollte statistisch eine Zunahme solcher Ereignisse bewiesen werden können,
müssen die Zahlen zu den Wiederkehrperioden revidiert werden. Und diese neuen
Zahlen könnten äusserst teuer respektive deprimierend erscheinen, wenn es zB.
darum geht, bauliche Massnahmen auf ein HQ100-Ereignis weiter aufrecht halten
zu müssen.

Gruss

Markus

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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

Beitragvon Alfred » Di 23. Aug 2005, 19:46

Sali zäme

Bild


Was meint ihr, wie es aussehen würde, wenn noch grössere Gebiete aufs mal diese Rekordmarken erreichten und das auch auf so gesättigte
Böden wie jetzt, fiele! Aber ich glaube, auch damit muss man irgendwie rechnen, dass das einmal eintreffen könnte.

@Ricco, wie schaut es in Koblenz momentan aus, weisst du ich kenne das Gebiet einwenig vom M-Dienst her (3 WK für die Brücke). Das ist
für mich gleich interessant wie Luzern, wo ich 6 Jahre wohnte und Engelberg, dort 1 ½ Jahre. Daher ist mir dein post, wo du dich, vor der
Stromausschaltung, verabschiedest hast gleich aufgefallen.

Viele Grüsse, Alfred
[hr]

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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

Beitragvon c2j2 » Di 23. Aug 2005, 20:03

Statistisch kann leider nichts bewiesen werden, das ist die Grundlage von Statistik ;-)

Es kann vielleicht gesagt werden, daß mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% die Ereignisse häufiger werden (die Zahl ist erfunden, nicht irgendwie realitätsnah!). Was aber nichts darüber aussagt, ob ein solcher Trend anhält, sich verstärkt, oder verringert.

Daß sich das Wetter verändern wird in den nächsten Jahrzehnten ist eigentlich allen klar, aber wie, weiß keiner.

Ich denke nur an den Link von cyba:
Das Klima ändert sich - auch in der Schweiz - bis jetzt haben sie aber nicht ganz recht:

Niederschläge werden wahrscheinlich in mittleren bis hohen nördlichen Breiten zunehmen. In den meisten Gebieten mit zunehmenden Niederschlägen werden Schwankungen im jährlichen Niederschlag sehr wahrscheinlich grösser. Für den Alpenraum zeigen die Modelle tendenziell eine Abnahme der Niederschläge im Sommer und eine Zunahme der Niederschläge im Winter. Es ist wahrscheinlich, dass die Häufigkeit von Starkniederschlägen, vor allem im Winter, in Europa zunimmt.


Statistiken über nichtlineare Vorgänge, deren Ursachen man nicht kennt, sind schwer (und werden nur vom Auftraggeber der Studie geglaubt).

Leichter ist es, Abweichungen von angenommenen linearen (am besten konstanten ;-)) Prognosen zu berechnen, bzw. deren Wahrscheinlichkeiten. Nur fehlen hierzu zumindest für diese "Jahrhundertereignisse" die Langzeitdaten, die ermöglichen, die Signifikanz von solchen Aussagen zu ermitteln. Oder?

Lassen wir uns also überraschen. Ich weiß schon, warum ich weder direkt am See, noch an einem steilen Hang wohnen möchte. :-/

Christian
Wieso Hagelraketen und andere Unwetter-Schadensverminderer... man kann auch mich buchen. Wo ich bin, sind keine Unwetter :roll:

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Beitragvon Markus Pfister » Di 23. Aug 2005, 20:15

@Christian, hast recht, "Beweis" im Sinne von hoher Signifikanz, dass es NICHT MEHR konstant ist.

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Jahrhundertereignis/Wiederkehrdauer über 300 Jahre

Beitragvon c2j2 » Di 23. Aug 2005, 21:00

@Markus,

der advocatus diabolus sagt nun:
- was ist "hoche Signifikanz"
- was ist "konstant"

Zum ersteren: Selbst 50% können hoch sein, wenn man möchte - eigentlich müßte man die vorhandenen Daten mal durch ein Statistikprogramm jagen, aber verhindert wird das durch ...

zum zweiten: reichen überhaupt die Datenbestände aus, um irgendeinen Erwartungswert zu rechtfertigen? Nur weil es in den letzten 3-500 Jahren, vielleicht sogar 1000 Jahren Aufzeichnungen gibt, sind Worte wie "Jahrhunderthochwasser" statistisch bei einer so kleinen Stichprobe von 2-5 Werten absolut überzogen. Statistikern sollte sich eigentlich die Glatze sträuben. Allein schon, weil in den letzten paar hundert Jahren es eine "kleine Eiszeit" gab (ca. 30-jähriger Krieg), also es auch schon so globale Schwankungen gab - und die sind ja angeblich für die heutigen Veränderungen mit schuld. Dann hätte es ja vielleicht auch damals auffallend weniger Hochwasser geben müssen (wenn es linear mir der Temperatur ist - wie gesagt bei Nichtlinearitäten streckt man am besten die Füße aus und schaut raus auf's Wetter).

Ich bin nicht sicher, ob es ohne Sensationsmedien "Jahrhunderthochwasser" gäbe.

Vielleicht im Sinne von "Maximum der letzten Jahre". Dann aber ist es doch recht normal, daß es so was immer wieder gibt, noch dazu regional und über die letzten Jahre verteilt. Zur Verdeutlichung ein Rechenbeispiel: für ein Jahrhundertmaximum gibt es "im Schnitt" alle zwei Jahre ein Hochwasser in einer Region, wenn man 50 Regionen hätte (50 Regionen à 2 Jahre gibt ...?)

Wenn man mal etwas nachdenkt, könnte sogar ein anderer Grund für die Steigerungsraten (wenn es denn welche gibt) sein: früher baute man nicht direkt am Fluß oder in gefährdeten Gebieten, also fielen Hochwasser nicht so auf und waren normal - die Bauern im Tal konnten damit leben, daß sie mal eine Woche nicht heraus kamen. Heutzutage werden immer mehr Häuser und Straßen in tendenzielle Überschwemmungsgebiete gebaut, und Überflutungsflächen eingedämmt, also _muß_ zwangsläufig die Zahl der schadenverursachenden Hochwasser steigen.

Christian
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