Chicken3gg hat geschrieben: Do 6. Aug 2026, 13:52
Die Serie dürfte aber morgen reissen, was zur Folge hat, dass es kommende Woche bereits die 5. Hitzewelle des Jahres gibt
Naja, dann halt keine 5. Hitzewelle, dafür die längste überhaupt seit Messbeginn mit 17+ Tagen wie es aussieht (sollte nicht irgendwas Unvorhergesehenes passieren, Gewitter So/Mo wohl am ehesten).
Das ist dann halt Statistik. In einer KI Abfrage könnte es später heissen: besonders hart wurde im 2026 Mühleberg mit 5 Hitzewellen getroffen. Etwas glimpflicher kam Basel mit nur 4 Hitzewellen davon.
Dumm auch für die Statistik, dass die Hitzewelle im Mai zum Frühling gehört. 2003 haben wie im Mai noch geschlottert.
Da freut man sich auf den ersten Blick auf den stark sinkenden Temperaturtrend ab übernächstem Wochenende und stellt dann fest, dass der Median immer noch am oberen Rand der Klimanorm-Bandbreite liegt. Und der Median beim Niederschlag liegt fast jeden Tag bei Null, maximal 1 mm an drei Tagen. Immerhin bestehen 50 % Chancen, dass es mal ein paar Millimeter mehr werden. Ganz hinten raus. Also in der Glaskugel. Das war in diesem Sommer bisher: nie.
Immerhin wird die Tageslänge Mitte August spürbar rasch kürzer und die Sonne brennt bereits jetzt um die Mittagszeit nicht mehr so extrem wie noch zur Hitzewelle Ende Juni. So weit das Wort zum Freitag von einem original Sommerkind.
Zuletzt geändert von Federwolke am Fr 7. Aug 2026, 00:02, insgesamt 1-mal geändert.
Ich will ja keinesfalls Alarmismus betreiben. Wenn ich die aktuellen Vorhersagen sehe, gibt es keine Anzeichen für Niederschläge. Meine Einschätzung ist, dass wir aktuell mit dem ganzen System am Anschlag sind. Sowohl was die Menge an verfügbarem Wasser als auch dessen Temperatur betrifft.
Die Frage die sich mir stellt ist dann eher, wird das linear schlimmer oder stehen wir schon an einem Kipppunkt.
Da wir daran sind auch 2003er Erfahrung zu pulverisieren, fehlt wohl jegliche historische Erfahrung dazu. Ist das jetzt noch spannend oder schon gefährlich?
Wie auch immer es weiter geht, es ist faszinierend spannend und gleichzeitig aus landwirtschaftlicher Sicht dramatisch.
So, das war jetzt keine Wissenschaft, dafür praktische Alltagsgedanken.
Fruss Martin
Gibt es denn Erklärungen, Mutmassungen etc., wodurch diese mehrmonatige, eingefahrene Trockenheitsperiode ausgelöst/begünstigt wurde? Hat konkret irgendwo etwas in der Grosswetterlage grundsätzlich geändert im Vergleich zu früher? Ohne Frage die Erwärmung, aber da müssen doch noch andere klimatische/meteorologische Faktoren irgendwo einwirken? Resp. was müsste nun wo theoretisch passieren, damit die Trockenheit resp. die diese begünstigende Wetterlage ein Ende finden könnte?
Die Klimaerwärmung spielt auf jeden Fall eine massgebliche Rolle bei diesem Extremsommer. Oder anders formuliert: Ohne die massive Erwärmung der letzten Jahre würde es so etwas in dieser extremen Form sicher nicht geben. Darauf wurde ja auch bereits vor diesem Sommer mehrfach und immer wieder in Studien hingewiesen.
Allerdings reicht die Erwärmung alleine für eine derartige Anomalie wie in diesem Sommer nicht aus. Dafür braucht es auch die entsprechenden Wetterlagen, resp. die entsprechende Wetterlage. Hierbei muss man wohl davon ausgehen, dass in den letzten Monaten auch eine Portion Zufall mit im Spiel war. Was bezüglich Muster der Grosswetterlage auffällig ist, dass wir ja eigentlich seit dem Frühling immer wieder ähnliche Abläufe in der Atmosphäre haben.
- Grundsätzliche Hochdruckdominanz über West- und Mitteleuropa (antizyklonale Muster)
- Zyklonale Phasen waren zwar immer wieder vorhanden, wegen des raschen neuerlichen Aufwölbens von Keilen über Westeuropa aber meist nur kurz und nicht verbunden mit ergiebigen Niederschlägen. Wirklich unterbrochen wurde dieser Teufelskreis eigentlich seit Januar nur wenige Male (am stärksten während der intensiven Niederschlagswoche im Februar).
Wie genau diese extreme Persistenz sich entwickeln konnte und was genau die Gründe dafür sind, wird man wohl noch genauer untersuchen müssen. Der Klimawandel spielt hier sicher eine grosse Rolle, ist aber vermutlich nicht der einzige Faktor.
Was sich meines Erachtens einmal mehr sehr gut zeigt ist, dass die Kombination aus einem sehr trockenen Frühjahr (was wir hatten) und einem blockierten Muster im Sommer fatale Konsequenzen haben kann. Das "Setup" für derartige Situationen gab es bereits in den letzten 20 Jahren einige Male, es wurde aber stets durch deutliche Abweichungen in einzelnen Monaten (Stichwort: Juli 2025) abgeschwächt und somit "verschleiert".
Was wir dieses Jahr erleben ist die volle Dröhnung von sämtlichen Faktoren und Gleisstellungen, die über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder schief laufen. Ich weiss, das klingt etwas komisch. Wir sind also eigentlich seit Januar auf einem Pfad, der immer in dieselbe (falsche) Richtung führt. 2003 war es nicht ganz unähnlich. Und derartige Extrem-Anomalien traten (bezogen auf das Wettermuster) mit hoher Sicherheit bereits in der Vergangenheit auf. Siehe beispielsweise die sehr interessanten Untersuchungen von C. Pfister zum Trockensommer 1540. Bei der Lektüre zeigen sich frappante Ähnlichkeiten zum aktuellen Jahr (wieder bezogen auf die Grosswetterkonstellation und die Aufsummierung der Trockenheit und deren Auswirkungen).
Letztlich stellt sich auch die Frage, ob und welche Rolle El Nino bei dem Ganzen spielt. Wir steuern auf den vermutlich stärksten El Nino aller Zeiten zu. Können wir wirklich sicher sein, dass dieses unglaublich starke Phänomen keinen Einfluss auf die uns betreffende Zirkulation hat? Wenn es nur 10 Prozent beigetragen hat, reicht das bereits, um die Folgen massiv zu verstärken?
Das alles wird man sicher gut untersuchen müssen. Ich denke die Formel "Es ist nur der Klimawandel" greift vermutlich zu kurz. Es ist wohl eher ein Zusammenspiel ganz verschiedener Faktoren und auch von Zufälligkeiten, die am Ende das Gesamtbild ergeben.
Zuletzt geändert von Tinu (Männedorf) am Fr 7. Aug 2026, 13:41, insgesamt 1-mal geändert.
Tinu (Männedorf ZH, 422 m ü. M)
Gewitter und Sturm = erhöhter Pulsschlag
Föhn-fasziniert
Persistente monatelange Kälteanomalie im Nordatlantik (schwächelnder Golfstrom?) wie 2015, als Tiefdruckproduzent, (schwächt sich jetzt aber ab). Regenerierung der Hochs durch die trockenen Böden erleichtert. Die Tiefs werden weggebraten. Die Kartenmodelle können dies gar nicht rechnen, deshalb verflüchtigen sich die Tiefs ab Mittelfrist immer wieder. Ein Blick über 7 Tage lohnt sich kaum mehr. Die Alpen sind wegen Abgas-Erwärmung nicht mehr Grenze zu Mittelmeerklima wie früher. Die Hitze hat den Weg um die Alpen gefunden. Nordafrika schickt uns nur trockene heisse Luft. Ob der Einfluss vom Niño zu uns reicht? Normale Jahren gehen nicht mehr, es sei denn 2021. Aber 2021 steht nun als verschiffter Ausreisser inmitten zu warmer Jahre. What next? 40+ uvm ab nächstem Jahr? Wir müssen beides: mit CO2 massiv runter (und nicht auf den Mars flüchten) und uns den neuen Bedingungen anpassen.
Auch die Meerwassertemperaturen haben auf das Hitzehoch reagiert. Im Mittelmeer, in der Biscaya, der Nord- und Ostsee ist es z.T. über 5 Grad zu warm. Wenn man an das Prinzip der positiven Rückkopplung glaubt, dann ist das nächste Hitzehoch nicht mehr weit. Nr. 1 war Ende Mai, Nr. 2 jetzt, Nr. 3, 4 und 5 noch diesen Sommer. Ich tippe mal darauf, dass die Abstände zwischen den Hochs immer kürzer werden, bin aber auch froh, wenn es nicht so kommt.
Und das Ganze bei einem strammen El Nino. Keine Ahnung, ob es auch da eine Rückkopplung gibt.
Ich komme nicht umhin, meine als Alptraum qualifizierte Einschätzung vom 28.6. zu zitieren. Der Alptraum wurde zur Realität. Wenn man auf die Ursachensuche geht, dann dürften wohl die Meerwassertemperaturen im Nordatlantik eine bedeutende Rolle gespielt haben. Allerdings hat sich die Wetterlage doch auch geändert. Mai/Juni waren geprägt von +- ortsfesten Hochdruckrücken, welche teils weit nach Norden reichten. In den letzten Wochen hingegen wurde die Strömung zonaler, wir verblieben jedoch weiterhin auf der antizyklonalen Seite dieser Strömung, meist aus SW bis West.
Diesen Artikel ( siehe den Super El Nino Thread im "Ausland") finde ich absolut spannend und lesenswert. Da ist, u.a., die Auswirkung des Super El Nino auf unser Winterwetter 2026/27 beschrieben. Das würde uns erwarten:
Die Ähnlichkeit dieser vorhergesagten Dezember-Wetterlage (Grafik links) mit der aktuellen Wetterlage ist ziemlich frappant. Wir haben ja schon aktuell El Nino, da könnte also schon ein Zusammenhang vorliegen. Reine Spekulation...
Zuletzt geändert von Willi am Fr 7. Aug 2026, 16:06, insgesamt 1-mal geändert.
Wobei der Autor dieses Blogs (Andrei Flis) wegen El Nino auch einen eher nassen Sommer in Westeuropa (inklusive Westschweiz) vorhersagte. Mal sehen, vielleicht behält er ja mit der Winterprognose recht (was vermutlich wahrscheinlicher ist, da das kaum nachweisbare Einflusssignal von El Nino für Europa im Winter etwas ausgeprägter ist).
Tinu (Männedorf ZH, 422 m ü. M)
Gewitter und Sturm = erhöhter Pulsschlag
Föhn-fasziniert
DomE hat geschrieben: Do 6. Aug 2026, 12:09
Dieser Temperatur Vorhersagequatsch ist nur noch mühsam.
Das ging heute noch besser mit "kein Hitzetag mehr auf der Alpennordseite, 26 Grad in Zürich" (heute Mittag gehört, vielleicht war ja Fluntern gemeint, aber selbst dort oben sind es knapp 28 Grad). Lernresistenz ist ja nichts Neues, in diesem Fall aber schon erstaunlich.
Bei mir kann man hingegen seit gestern Abend lesen: "Trotz dem mancherorts ausgerufenen Ende der Hitzewelle ist in den tiefsten Lagen der westlichen Regionen erneut mit Werten um 30 Grad zu rechnen". Ich zähle jetzt mal Schaffhausen und Kloten grosszügig zu den "westlichen Regionen"
Reichweite: ca. 100 zu 1 Million, Budget entsprechend.