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Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

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Uwe/Eschlikon
 
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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Uwe/Eschlikon » Sa 6. Jan 2018, 11:42

Die Lawinen-/Schneebrettsituation ist in den Alpen nach wie vor prekär. Hier 2 Bilder oberhalb vom Haus im Wallis wo wir über Neujahr waren:

Bild

Bild

Der nasse Schnee (etwa 70-100cm) rutschte gestern cm für cm nach unten. Ich wartete eigentlich nur darauf, dass das Schneebrett links neben dem Haus abrutschte, doch es stabilisierte sich.

Die Problem sind:
- Gras wird im Sommer/Herbst nicht (mehr) gemäht und liegt jetzt flach nach unten
- Die Schneeschicht ist von oben bis unten durchnässt vom Regen
- Der Boden unterm Schnee ist/war nie gefroren

Markus Pfister
 
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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Markus Pfister » Sa 6. Jan 2018, 14:50

Sehr schön, ich bin überzeugt, dass du hier eine Naturgewalt erlebt hast,
und ich bin in Gais aufgewachsen....da sind Winde normal. jedoch hast du hier ein starken ORKAN !
Du stehst in dem Moment voll im Windschattenseite, sonst hätte es dich weggeblasen...
jeder, der nicht dort war in dem moment, glaubt nicht die 180km/h-
live war es sicher krass...exponierte Stelle.


@Joe: Genau, zum schlimmsten Zeitpunkt des Sturms stand ich relativ geschützt durch das Gebäude des Restaurant Oberer Gäbris. Der Kampf direkt im Wind ist sehr geil, aber konnte natürlich nicht die vollen 3 Stunden geführt werden, zumal ich mit der sehr dick gefütterten russischen Ölarbeiterjacke grosse Angriffsfläche hatte. Die ist fast wie ein tragbarer Schlafsack und geht wirklich nur bei Orkan/Windchill oder <= -20 Grad.

Bild

Ruppige Böen ab etwa 150 km/h sind schwer zu Stehen und Messen von Hand, das kennen alle, die schon mal im Orkan standen. Das geht nur breitbeinig, mit sicherer Bodenhaftung und leicht geduckt. Hier ein solcher Versuch mit gleichzeitigem Filmen des Windmasters, schwierig und sehr unruhig:

https://youtu.be/Bpi_CUoW9xM

Sekundenwind (km/h) im Video:
105 - 95 - 113 - 106 - 117 - 142 - 137 - 135 - 110 - 104 - 132 - 120 - 111 - 115 - 108 - 141 - 138 - 118 - 84 - 83 - 75 - 91 - 103 - 93

Die restliche Zeit und erst recht bei einsetzendem Gewitter mit Graupel und rutschigem Untergrund hatte ich den Windmesser mit einem Stativ an den Gartenzaun des Restaurants geheftet. Er war ja zunächst auf der Eisenstange eines Wegweisers, siehe Foto oben. Diese "Lösung" wurde nach Blick auf "Blitzortung Live" zeitig verworfen...

Am Holzzaun konnte ihn von der geschützten Stelle aus noch gut ablesen:

Bild

Mein Abstand hat sich dann mit zunehmender Blitz-Aktivität vergrössert, es sind nicht so viele Kilo-Ampere im Winter, aber hey...

Bild

Diese Konstellation hat zu gewissen Kanalisierungs-Effekten am Windmesser geführt, hervorgerufen durch das Gebäude. Das könnte die 30km/h Differenz zu den Böen des Sonic Anemometers 200 Meter weiter hinten erklären. Wobei der Sonic etwas versetzt zum Kamm des Gäbris im Lee steht, und besonders bei Winddrehung auf Nordwest nicht mehr so exponiert ist, trotz der sehr guten Höhe des Turms, auf dem er steht.

Beste Grüsse

Markus
Zuletzt geändert von Markus Pfister am Sa 6. Jan 2018, 15:15, insgesamt 2-mal geändert.

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Slep
 
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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Slep » Sa 6. Jan 2018, 20:04

Hoi zäme. Nun ein kleiner Bericht von mir. Heute Nachmittag war ich mit dem Velo unterwegs vielerorts rundherum im Eschenbergwald - der grösste in Winterthur. Die Zahl der entwurzelten bzw. geknickten Bäumer hielt sich in Grenzen, und waren auch nicht überall. (Also nix mit "massive Waldschäden", die ich in einer sonst lokalen zuverlässigen `Quelle` las. ;) )

Dennoch fand ich zwei Stellen, wo eine Menge Bäumer flach gemacht wurden (vermutlich gab es auch andere wo ich nicht gegangen war). Eine ist hier oberhalb Seen:-
Bild

Die andere nahe der Töss in der Nähe der Bahnbrücke in Winti-Töss:-
Bild

Ich ging auch an die Töss, um zu sehen wie hoch sie angestiegen war angesichts Kennys Bericht und Foto. Gemäss der hintergebliebenen Spuren (die zu wenig spektakulär waren zu fotographieren) war die Töss doch recht hoch gewesen - sicher höher als ganz letztes Jahr - aber bei weitem nicht am höchstem, dass ich es je gesehen habe. (Ich wohnte neun Jahre lang nebenan in der Gegend).

Weil die Waldschäden geringer war als ich erwartete, gehe ich davon aus, das Winterthur glimpflich vom Burglind gekommen ist.

So mein Bericht. Hochnebliger Gruss, Simon.
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Willi
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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Willi » Sa 6. Jan 2018, 20:50

Die andere nahe der Töss in der Nähe der Bahnbrücke in Winti-Töss:

Hoi Simon, ich frage mich nur (letztes Bild), wo es das Wurzelbeet gelupft hat. Wohl kaum unter dem Weg, aber dann muss der Baum noch den Hang runtergerutscht sein. Aber der Baum müsste am Hang schräg gestanden sein, Baumrichtung und Wurzelbeet stehen ja im 90 Grad Winkel zueinander.
Gruss Willi
Zuletzt geändert von Willi am Sa 6. Jan 2018, 20:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Slep
 
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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Slep » Sa 6. Jan 2018, 21:16

Hoi Willi. Ich auch habe mich gefragt. Ich kenne allerdings diesen Weg seit Jahren. Ich vermute, dass der Baum nach unten rutschte, als der Wurzelstock vom Hang los gerissen wurde.
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Silas
 
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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Silas » Sa 6. Jan 2018, 22:39

@Uwe
Die Lawinen-/Schneebrettsituation ist in den Alpen nach wie vor prekär. Hier 2 Bilder oberhalb vom Haus im Wallis wo wir über Neujahr waren:

Dabei handelt es sich um Gleitschneerisse, auch bekannt als "Fischmäuler". Grundsätzlich haben diese nicht viel mit der eigentlichen Lawinensituation zu tun. Derzeit sieht man diese oft an Grashängen von nur 25-30 °. Bei 25 ° ist ein komplettes Abrutschen kaum möglich, viel mehr handelt es sich dort um eine langsame Gleitbewegung talwärts, die gefürchtig ausschaut und unterhalb zu teils meterhohen Stauchwülsten führt. Gleitschneerutsche können zu jeder Tages- und Nachtzeit abgehen, können jedoch kaum durch Sprengung und schon gar nicht durch die Zusatzbelastung einer Person ausgelöst werden. Dennoch ist der Aufenthalt unterhalb von Gleitschneerissen nicht ratsam.

Die Lawinensituation war mit den bis zu 100 cm Neuschnee in 24 h am Donnerstag und Freitag in der Tat sehr heikel, wie die zahlreichen Sperrungen von Hauptverkehrsstrassen und Bahnlinien belegen, hat sich dank der Wärme und abwesender Altschneeschicht jedoch sehr schnell stabilisiert, abgesehen vom Triebschnee, der oberhalb von 2200 m auch heute wieder umfangreich gebildet wurde.

Anbei zwei weitere Bilder vom Donnerstag aus Oberwald:
Bild

Bild

Gruss Silas
Zuletzt geändert von Silas am Sa 6. Jan 2018, 22:40, insgesamt 1-mal geändert.
Wetterstation Oberthal 850 m.ü.M.: http://silas.emmewetter.ch

Matt (8800 Thalwil)
 
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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Matt (8800 Thalwil) » Mo 8. Jan 2018, 19:15

Noch ein Nachtrag zur Spitzenböe von 150.8 km/h (41.9 m/s), welche in Wädenswil gemessen wurde. Ich habe eine ältere Studie zur Wiederkehrsperiode von Windspitzen gefunden (Quelle siehe unten). Hier zeigen sich ganz klar die Limiten der statistischen Methode, welche zur Anwendung kam (Details in der Studie). Knapp 42 m/s ergeben, wenn man sich die Kurve weiter denkt - eine unglaublich grosse Wiederkehrsperiode von mehrerern hundert Jahren. Klar ist das möglich, doch ist die Chance klein, dass wir dieses aussergewöhnliche Ereignis zufällig gerade in der kurzen Zeitperiode 1981-2017 erleben.

Bild

Quelle: P. Ceppi, P.M. Della-Marta, C. Appenzeller (2007): Extreme Value Analysis of Wind Speed Observations over Switzerland. Arbeitsbericht MeteoSchweiz Nr. 219. http://www.meteoschweiz.admin.ch/conten ... /ab219.pdf

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Federwolke
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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Federwolke » Mi 10. Jan 2018, 10:55

Gestern (09.01.) wurde an der DWD-Station Feldberg der defekte Router ausgewechselt. Damit konnten auch die fehlenden Daten seit 18.12.2017 nachgemeldet werden.

Somit liegen nun auch die Werte von Sturm "Burglind" vor: Die Maximalböe betrug 216 km/h zwischen 09 und 10 MEZ

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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Matt (8800 Thalwil) » Do 11. Jan 2018, 16:15

Visp ist unweit Kalifornien

Unlängst gingen in Kalifornien an mehreren Orten Schlammlawinen nieder. Ursache waren indirekt die Waldbrände von letztem Jahr.

Anstelle des verbrannten Waldes müssen nun neue Steinschlagnetze und andere Verbauungen die Schutzfunktion übernehmen. Zudem bindet die Asche das Regenwasser, wodurch dieses nicht versickern kann. Die Ersosionsgefahr steigt. Die Folgekosten dürften in die Millionen gehen.

http://www.planat.ch/de/bilder-detailan ... visp-2011/

Auch im Wallis scheint die Schlammlawine in Visp aus dem Waldbrandgebiet oberhalb Eyholz zu stammen.
Siehe Bild: https://www.nzz.ch/panorama/bildstrecke ... 1&slide=15

Gruess, Matt

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Kaiko (Döttingen)
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Re: Staulage mit Sturm/Schnee/Wasser, 02.-04.01.2018

Beitragvon Kaiko (Döttingen) » Fr 12. Jan 2018, 17:16

Hoi zäme

Gemäss Aussagen von Gabriel Rosetti (Leiter Personenverkehr MOB) im Bericht 10vor10 könnte es in Zukunft eine neue Windmessstation im Lenker Talboden geben.
Dann haben wir wie in Wasserauen genauere Messwerte dieser lokalen Böen :up:

https://www.srf.ch/play/tv/popupvideoplayer?id=6bd2ba7b-c032-4fba-885f-f8c896df3da9&startTime=4.718

Anbei noch der Sturmarchiveintrag zum Ereignis:
http://www.sturmarchiv.ch/index.php?title=20180103_03_Gust_Lenk_BE

Gruss Kaiko
Mitbetreiber des Sturmarchivs Schweiz und Wetterforscher aus Leidenschaft: http://www.sturmarchiv.ch/

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