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[FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
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Michi, Uster, 455 m
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Michi, Uster, 455 m » Mo 24. Jul 2017, 10:07

Auf der ersten Seite dieses Themas ging es um einen möglichen Analogfall vom 12. Aug. 2004, damals war Superzelle etwa 6 Stunden vorher unterwegs und brachte auch Hagel:
https://www.sturmforum.ch/viewtopic.php?f=2&t=9950
Damals gab es interessanterweise ebenfalls zwischen Egg und Uster Waldschäden durch einen Downburst (meine Aufnahmen von damals, Baumgruppe geköpft, angrenzend mehrere Obstbäume gefällt):
http://homepage.swissonline.ch/michaelk ... index.html
Ich könnte mir vorstellen, dass durch die Beschleunigung im Lee des Pfannenstiels umso stärkere Fallböen zustande kommen, während die Gegen bei Winterstürmen eher geschützt ist.

Seebueb
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Seebueb » Mo 24. Jul 2017, 10:54

Zum Festival-Thema von Kaiko, Federwolke und Michael:

Manchmal dünkt mich eher, dass die Veranstalter die Wetterwarnung schon mitbekommen. Was nutzt es aber, wenn sie dieselbe nicht ernst nehmen? Es wird mit der Gefahr spekuliert, man will doch die zugegeben immense Vorbereitungsarbeit nicht in Frage stellen und die Vorfreude der Teilnehmer nicht zerstören. Ich denke, das spielt im Unterbewussten der Veranstalter mindestens eine ebenso grosse Rolle. Man kann ja dann, wenn's wirklich kommt, immer noch "evakuieren" (wie gelesen)
Zuletzt geändert von Seebueb am Mo 24. Jul 2017, 10:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Sandro 8309
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Sandro 8309 » Mo 24. Jul 2017, 11:42

Michi, Uster, 455 m hat geschrieben:Ausbeute der gestrigen Vorläufer-Einzelzelle von Uster aus Richtung Süden aufgenommen:

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Die gleichen Blitze habe ich von deutlich weiter weg (Nürensdorf) auch erwischt! :-D
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So eine Lightshow direkt auf dem Balkon geniessen hat schon was.. :up:
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Federwolke
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Federwolke » Mo 24. Jul 2017, 11:46

Seebueb hat geschrieben:Man kann ja dann, wenn's wirklich kommt, immer noch "evakuieren" (wie gelesen)


Ja, kann man. Aber nicht erst, wenn das Festgelände in Trümmern liegt. Wenn man entscheidet, das Fest trotz Unwetterwarnung durchzuführen, dann muss zwingend eine Dauerüberwachung durch erfahrene Meteorologen erfolgen. Ein kleines Risiko, dass sich ein Gewitter direkt über oder kurz vor dem Festgelände bildet und die Vorwarnzeit für eine Evakuierung zu kurz ist, besteht dann zwar immer noch. Aber in der Regel sind dann die Auswirkungen noch nicht katastrophal, weil sich Sturmböen, Hagel etc. noch nicht voll entwickelt haben. Meist lassen sich die erforderlichen Massnahmen mit einer Vorlaufzeit von mindestens einer halben Stunde gut umsetzen - vorausgesetzt, der Veranstalter hat sich im Vorfeld mit solchen Szenarien befasst und weiss im Ernstfall was zu tun ist, ohne dass Panik ausbricht. In Thun haben wir das schon mehrmals erfolgreich durchgezogen, nach halbstündigem Unterbruch dann oft die Vorstellung noch zu Ende gebracht. Wenn aber bereits am Mittag klar ist, dass am Abend eine breite Gewitterfront mit den übelsten Begleiterscheinungen aufziehen wird, ist es wirklich besser, das Risiko gar nicht erst einzugehen. Und genau so war es am Samstag, das hat wirklich nichts mit "hinterher ist man schlauer" zu tun.

Seebueb
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Seebueb » Mo 24. Jul 2017, 14:24

@Federwolke:
Deine Ausführungen bestätigen die Meinen. Und: Man kann sicher nicht verallgemeinern.
Und der letzte Satz meinerseits war zynisch gemeint.
Vielleicht müsste man im Team der Veranstalter mindestens einen haben, der sich in Wetterfragen auskennt und den Ernst der Lage wirklich erkennt.
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Michi, Uster, 455 m
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Michi, Uster, 455 m » Mo 24. Jul 2017, 14:44

Schadensbericht von Downburst bei Egg/Pfannenstiel.
Grössere Waldschäden oberhalb Egg, recht eng begrenzt, viele Fichten und Obstbäume. In der Skizze ist die Hauptschadensspur mit dem roten Pfeil eingezeichnet. Rundherum nur einzelne Bäume gefällt. Nachfolgend ein paar Fotos dazu:

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Kaiko (Döttingen)
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Kaiko (Döttingen) » Mo 24. Jul 2017, 15:25

@Michi

Danke für die Bilder. Anhand der Waldschäden (gekappten Fichten) tippe ich auf lokal >120km/h.
Die max. Niederschlagsraten des Radarscreenshots (Feuerwehr Egg) decken sich genau mit dem Gebiet mit den grössten Schäden, also eindeutig ein heftiger Wet Microburst.
Bild

Anbei noch zwei Augenzeugenberichte (Video von Radio Top)
https://www.youtube.com/watch?v=iPaUXbx8NUA

Gruss Kaiko
Zuletzt geändert von Kaiko (Döttingen) am Mo 24. Jul 2017, 18:01, insgesamt 3-mal geändert.
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Michi, Uster, 455 m
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Michi, Uster, 455 m » Mo 24. Jul 2017, 18:05

@kaiko: woher sind die 93kmh am greifensee ?

@Michi

Datenquelle zu den Messwerten Greifensee:
http://www.greifenseewetter.ch/Wetter/start.html
http://www.greifenseewetter.ch/

Max. 22:59
93.3 km/h (10 Bft)

Stationsstandort gemäss Koordinaten ist Badi Niederuster.

Gruss Kaiko
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Badnerland
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Badnerland » Mo 24. Jul 2017, 19:22

Hey,

am vergangenen Samstag hatte ich eigentlich nicht wirklich die Zeit und den Nerv für ein Chasing, obwohl das Setup eigentlich wirklich spannend aussah. Als es gegen Mittag am Jura zündete, rechnete ich eigentlich mit der klassischen SW-Schiene den Jura entlang an den Hochrhein. Irgendetwas war an dem Tag aber nicht ganz klassisch und so entwickelte sich aus einem Zellsplit südlich des Puntrunter Zipfels gegen 14.15 Uhr ein dominanter Leftmover, der sich daran machte in den Rheingraben zu ziehen. Ich fuhr kurz auf den Batzenberg südwestlich von Freiburg, um mir die Zelle nicht entgehen zu lassen. Die Zelle kämpfte sich bis in den Rheingraben, schwächelte aber bereits recht deutlich als ich gegen 15.30 Uhr oben ankam.

Anbei mein Standort und das Radarbild von 15.40 Uhr (bei Interesse, Radar auf BW stellen und 14.15 - 15.50Uhr durch klicken):
Bild
https://kachelmannwetter.com/de/regenra ... 1340z.html

Nachfolgend ein paar Bilder der sich auflösenden Zelle...
15.30 Uhr:
Bild

Bild

15.40 Uhr:
Bild

15.50 Uhr ein Panorama...der Aufwind hatte sich bereits von unten her aufgelöst und trotzdem zuckten noch einzelne Blitze durch den Eisschirm, interessant fand ich wie deutlich sich noch der obere Bereich des Aufwindes abzeichnete:
Bild

Etwas enttäuscht aufgrund der sich vor meiner Nase auflösenden Zelle, aber auch glücklich über das Minichasing fuhr ich wieder nach Hause - eigentlich hatte ich ja wichtigeres zu tun ;)
Etwa zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits neue Zellen am Jura entwickelt und gegen 16.30 Uhr bemerkte ich, dass eine Zelle -südlich vom Puntrunter Zipfel- wieder anstalten machte nach links auszuscheren. Gegen 17 Uhr "kollidierte" diese Zelle mit einer Neuentwicklung, die sich kurz zuvor am Puntrunter Zipfel gebildet haben musste...und setzte sich durch. Um 17.15 Uhr war mir klar, dass sich ein weiterer Leftmover auf den Weg in Richtung Rheingraben gemacht hat. Diese Zelle schien noch etwas stärker als ihr Vorgänger zwei Stunden zuvor zu sein und ich machte mich wieder auf den Weg zum Batzenberg.

Radarbild und Standort 17.40 Uhr (auch hier gilt, bei Interesse auf BW stellen und 16.30 - 18 Uhr durchklicken):
Bild
https://kachelmannwetter.com/de/regenra ... 1540z.html

Als ich gegen 17.30 Uhr auf dem Batzenberg ankam, war ich aufgrund der Struktur der Zelle erstmal mehr oder weniger sprachlos. Eigentlich bin ich es auch heute noch, obwohl sich auch diese Zelle danach binnen 30 Minuten aufgelöst hatte. Die Zelle und vor allem die Aufwindstruktur war beeindruckend und wunderschön anzuschauen. Rotation war mit bloßem Auge zu erkennen und entsprechende Signaturen finden sich im Dopplerradar (bei der ersten Zelle im übrigen auch).
Kleine Notiz am Rande, die Zelle feuerte vereinzelte positive Erdblitze aus ihrem Eisschirm(!)...das konnte ich zuletzt bei der Basler HP-Superzelle vom 29.07.2005 eindeutig beobachten. Gut, ist vielleicht überhaupt nicht so selten und mir schlichtweg nie aufgefallen - trotzdem sehr beeindruckend und auch respekteinflößend!
Nachfolgend die Bilder der Zelle, wie sie nach und nach an Struktur verlor und sich schließlich vor meiner Nase auflöste...ohne Worte.

17.33 Uhr:
Bild

17.36 Uhr:
Bild

17.42 Uhr:
Bild

17.49 Uhr (Panorama):
Bild

17.50 Uhr:
Bild

17.54 Uhr:
Bild

Alles in allem ein genialer Gewittertag mit zwei halbstündigen Chasings, die sich gelohnt haben...auch wenn sich die Zellen nach kurzer Zeit aufgelöst hatten.

Grüße Benni
Zuletzt geändert von Badnerland am Mo 24. Jul 2017, 19:27, insgesamt 1-mal geändert.
meist zwischen Freiburg und Lörrach oder der Umgebung (Schwarzwald, Dreiländereck) unterwegs ;-)

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Kaiko (Döttingen)
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 22.07.2017

Beitragvon Kaiko (Döttingen) » Mo 24. Jul 2017, 19:57

Hoi Benni, Klasse Bilder :up:
Noch eine Animation von der Zelle, welche mit einem Ausläufer sogar im Aargau Regen brachte.
Bild
Auch in dieser Animation ist die Drehung im Gegenuhrzeigersinn gut zu erahnen.

Gruss Kaiko
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