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Krasser Temperaturunterschied

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Mike, 4055 Basel
 
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Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Mike, 4055 Basel » Sa 28. Jan 2017, 04:24

St. Chrischona um 4:00 Uhr 8.1 Grad, Basel-Binningen -4.6 Grad. Macht 12.7 K Unterschied auf engem Raum. Sehr krass! :shock:

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Re: Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Mike, 4055 Basel » Mo 13. Feb 2017, 17:28

Krasser Temperaturunterschied auch heute. Und zwar vom tatsächlichen Höchstwert zum prognostizierten Höchstwert. MeteoSchweiz hatte gestern für Basel, trotz angekündigter ganztägiger Bewölkung, 9 °C vorhergesagt. Geworden sind es trotz ein wenig Sonne nicht einmal 4 °C! :shock: Wie ist diese eklatante Fehlprognose zu erklären?

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Dani (Uster)
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Re: Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Dani (Uster) » Mo 13. Feb 2017, 19:36

Mike, 4055 Basel hat geschrieben:Krasser Temperaturunterschied auch heute. Und zwar vom tatsächlichen Höchstwert zum prognostizierten Höchstwert. MeteoSchweiz hatte gestern für Basel, trotz angekündigter ganztägiger Bewölkung, 9 °C vorhergesagt. Geworden sind es trotz ein wenig Sonne nicht einmal 4 °C! :shock: Wie ist diese eklatante Fehlprognose zu erklären?


Möhlinjet und dadurch einsickern der kühlen Luft aus dem Mittelland?
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Federwolke
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Re: Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Federwolke » Mo 13. Feb 2017, 21:11

Dani (Uster) hat geschrieben:Möhlinjet und dadurch einsickern der kühlen Luft aus dem Mittelland?


Das sollten sowohl Modelle als auch Meteorologen eigentlich im Griff haben. Was die Modelle aber möglicherweise unterschätzen, ist die Kaltluft im östlichen Mitteleuropa, die sich über eisgepanzertem Schnee hervorragend hält bzw. jede Nacht erneuert und nun mit der Bise zu uns gelangt. Sobald der Wind auf westliche Richtungen dreht, schnellt die Temperatur dann nach oben. Falls auch die Temperaturprognosen fürs Mittelland zu hoch waren (ich habe derzeit keinen Überblick über die Mitbewerber - Wetterlage schlicht zu langweilig ;) ), dann wäre der Fall klar.

Mike, 4055 Basel
 
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Re: Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Mike, 4055 Basel » Mo 13. Feb 2017, 21:54

SRF-Meteo hatte für Basel 8 °C und für Zürich, trotz ganztägigem Hochnebel, 5 °C drin. Also auch da ungefähr 4 Grad zu tief. Das ist schon eine Hausnummer. Ich denke, dass die Bise heute viel stärker war, als gestern noch gedacht.

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Re: Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Federwolke » Di 14. Feb 2017, 00:36

Mike, 4055 Basel hat geschrieben:SRF-Meteo hatte für Basel 8 °C und für Zürich, trotz ganztägigem Hochnebel, 5 °C drin.

Schlimm.

Mike, 4055 Basel hat geschrieben:Ich denke, dass die Bise heute viel stärker war, als gestern noch gedacht.

Das glaube ich nicht. Vielmehr ist man dem Model-Output bei den Temperaturen auf den Leim gegangen:

Bild

Der Homo smartphonicus glaubt eben alles, was ihm sein Hirnersatz anzeigt. Davor können sich auch viele Meteorologen nicht mehr retten. Da schafft sich eine Berufsgattung gerade selbst ab, mit immer erschreckenderer Beschleunigung (etwa die Hälfte der Kollegen, mit denen ich früher zusammengearbeitet habe, hat in den letzten zwei Jahren den Job verloren - das sollten sich jene, die sich so sehr in Sicherheit wiegen, mal verinnerlichen).

Zitat aus meiner Monatsprognose Februar:
Wir sind jedoch der Überzeugung, dass es die atlantische milde Luft nicht so einfach haben wird, den osteuropäischen Kälteblock zu beseitigen. Einige Modelle haben heute diese Problematik aufgenommen, CFS hinkt da aber jeweils etwas hinterher. So musste für die Februar-Prognose erstmals auf eine ältere Einzelrechnung zurückgegriffen werden, die unseren Vorstellungen entspricht. Der Wettbewerb Mensch gegen Maschine ist also eröffnet
...
Die Temperaturkarte zeigt den osteuropäischen Kälteblock und ein mildes Westeuropa im Einfluss der atlantischen Tiefdruckgebiete. Der West/Ost-Gradient dürfte wohl deutlich akzentuierter ausfallen als dargestellt. Oft verursachen solche Wetterlagen ein winterliches Osteuropa mit negativen Abweichungen und ein mildes Westeuropa mit vorfrühlingshaften Phasen, wobei die Grenze nicht selten recht scharf irgendwo über Mitteleuropa zu liegen kommt.

http://www.orniwetter.info/monatsprognose-februar-2017/

Fazit: Wer Erfahrung hat und die Schwächen der Modelle kennt, kann korrigierend eingreifen. Aber Wetterprognosen dürfen ja heute nichts mehr kosten und somit stirbt solides Handwerk eben aus. Der VerAPPelte Mensch tut dann seine Verwunderung hin und wieder im Sturmforum kund ;)

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Re: Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Mike, 4055 Basel » Mi 15. Feb 2017, 14:32

Heute sind es statt 8 oder 9 °C jetzt schon 13.2 °C. Ok, ich höre auf. Temperaturprognosen scheinen momentan richtig schwer zu sein. Obwohl heute klar war, dass es keinen Nebel geben würde.
Edit: Jetzt schon 14.5 °C :shock: 6 bzw. 7 Grad mehr als gestern oder vorgestern noch gedacht. Da war für Basel die ganze Woche 8 oder 9 °C als Tmax drin.
Zuletzt geändert von Mike, 4055 Basel am Mi 15. Feb 2017, 15:14, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Federwolke » Mi 15. Feb 2017, 15:39

Mike, 4055 Basel hat geschrieben:Temperaturprognosen scheinen momentan richtig schwer zu sein.

Nein, nur die allheiligen Modelle sind zu blöd. Die 4 Grad auf dem Chasseral entsprechen ganz gut den Modellen, GFS und WRF machen daraus für Basel 12 Grad. Bei vollem Sonnenschein und ohne Schneebedeckung kann man aber Mitte Februar schon nahezu trockenadiabatisch runterrechnen, zumal die Inversion heute früh erwartungsgemäss wirklich sehr seicht war. Macht 14-15 Grad für Basel (die 16-17 würde ich erst etwa ab Mitte März wagen).

Federwolke hat geschrieben:Sobald der Wind auf westliche Richtungen dreht, schnellt die Temperatur dann nach oben.

q.e.d.

Schickt die Automaten auf den Mond, dort können sie nichts falsch machen.

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Re: Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Marco (Hemishofen) » Fr 17. Feb 2017, 19:42

Schickt die Automaten auf den Mond, dort können sie nichts falsch machen.


Kontrapunkt: Berechtigt ist die Kritik und die Argumentation gegen die mangelnde Prognose und Automaten-Qualität :up:

Nur: Ebendieser Homo Smartphonicus personalisiert seine App. Die Beliebtheit von Postleitzahlen-Wetter ist ungebrochen,
nach dem Motto "Basel interessiert mich nicht, ich wohne in Grellingen!" Wetterbericht Lesen und Interpretieren ist zu umständlich,
lieber fixfertige Wettersymbole und scheinbar hochpräzise Zeitreihen für GPS-basierte Orts-Lokalisierung.

Dieser Anspruch ist natürlich legitim (er wird ja auch von allen Anbietern ständig geschürt durch entsprechende Angebote!) und
wird durch Extrapolation in den Raum auf der Basis eines kleinen Datensets erfüllt - sei die Basis nun NWP oder MOS oder
hervorragende Handprognosen, die technischen Probleme dabei sind stets dieselben.

Deine physikalisch-konzeptionell basierte Prognose mag noch so gut sein, wenn du Masse produzieren musst stösst du an Grenzen!
Ein gutes automatisches System produziert Masse bei akzeptabler Qualität (die bestmögliche Qualität wäre zwar wünschenswert,
ist aber in der Realität nicht bezahlbar). Fair wäre, wenn die Anbieter ihre Unsicherheit offen und ehrlich mit der Prognose liefern würden
(das macht eigentlich keiner so richtig konsequent).

Das Gejammer über die Automatisierung des Meteorologen-Jobs ist für die Katz, es führt kein Weg daran vorbei, das kommt sowieso.
Was nicht heisst, dass es in Zukunft keine Meteorologen mehr braucht, im Gegenteil: Je technischer das Ganze wird, desto weniger
verstehen selbst die Entwickler, was ihre Tools da eigentlich genau vorausberechnen. Interpretation des Daten-Wustes wird in Zukunft
mindestens so wichtig sein, wie aktuell ("was passiert da eigentlich genau in diesen bunten, bewegten Bildern und Zeitreihen?").
Genauso die Kommunikation über mündliche und schriftliche Kanäle. Die Entwicklung und Produktion der Tools bzw. Rohdaten
ist ein extrem anspruchsvolles Berufsfeld, wofür gute Qualifikationen gefragt sind.

Lasst euch nicht entmutigen, junge mitlesende Wetterfans, investiert in euren Rucksack und damit in eure spannende Zukunft!
Gruss Marco
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Tinu (Männedorf)
 
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Re: Krasser Temperaturunterschied

Beitragvon Tinu (Männedorf) » Fr 17. Feb 2017, 21:35

@Marco: Treffender kann man den digitalen Wandel, der offenbar auch die Meteorologie in starkem Masse betrifft, eigentlich nicht beschreiben. Respekt von meiner Seite. Und glaub mir, ich weiss ganz genau (verdammt genau), wovon du schreibst ;). Die Branche ist bei mir eine andere, das Setup aber genau dasselbe.
Tinu (Männedorf ZH, 422 m ü. M)
Gewitter und Sturm = erhöhter Pulsschlag
Föhn-fasziniert


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