Mein Geschreibsel zum Thema fürs Sturmforum freihaus:
https://www.tagesanzeiger.ch/wetterumsc ... 3285516764
Wer Schnee und Kälte bereits für überwunden geglaubt hatte, wird diese Woche eines Besseren belehrt. Die Wetterlage über Mitteleuropa stellt sich um. Mit kaltem Nordwind sinken die Temperaturen deutlich, am Donnerstag und Freitag gibt es sogar Minusgrade. Die Schneefallgrenze sinkt, weshalb auch in den tiefen Lagen des Mittellandes mit Schneeflocken gerechnet werden muss. In den Bergen, namentlich am Alpennordhang, schneit es ab Mittwoch durchgehend. «Bis Freitag sind 40 bis 60, stellenweise sogar bis 100 Zentimeter Neuschnee möglich», sagt Daniela Roth, Meteorologin bei Meteo Schweiz.
Ursache für diesen Wetterumschwung ist ein mächtiges Höhentief. Dabei handelt es sich um ein Druckgebilde, in dem bis in die oberen atmosphärischen Schichten tiefer Luftdruck herrscht. Am Dienstag befindet sich dieses Tief mit seinem Zentrum noch über der Nordsee. Im Verlauf des Mittwochs schwenkt es dann aber Richtung Kontinent und lenkt eine Kaltfront zur Schweiz. Diese dürfte das Land im Verlauf des Vormittages erreichen und dann mit zügigem Tempo von West nach Ost überqueren.
Am Mittwoch stürmisch, dann immer kälter
Mit dem Durchzug der Kaltfront macht sich zunächst der Wind bemerkbar. Oberhalb von etwa 1500 Meter nimmt der West- bis Nordwestwind bereits am Dienstag zu. Dieser Höhenwind kann aber wegen der stabilen atmosphärischen Schichtung zunächst nicht bis zum Boden herabstossen. Das ändert sich mit dem Durchzug der Kaltfront. Die Atmosphäre wird labilisiert, also durchlässig gemacht für den Wind.
So dürfte es auch im Flachland Böen von 60 bis 80 Kilometer pro Stunde (km/h) geben, vor allem in Schauernähe. Hinter der Kaltfront strömt immer kältere Luft heran. «Bereits am Mittwochabend sinkt die Schneefallgrenze auf 500 bis 700 Meter», sagt Daniela Roth.
Am Donnerstag und Freitag zieht das Höhentief dann mit seinem Kern weiter zur Adria. Über dem Alpenraum bildet sich eine kräftige nördliche Strömung. So stellt sich – etwas verfrüht – klassisches, wenn auch ausgesprochen kaltes Aprilwetter ein.
Unter der Glocke mit labiler Höhenkaltluft entwickeln sich Schauer und sogar Gewitter. Am Donnerstag liegt die Schneefallgrenze bei 400 bis 600 Meter, am Freitag dürfte sie noch tiefer sinken. Im Verlauf des Freitags erreicht die kälteste Luft die Schweiz. «In der Nacht und am frühen Morgen wird es frostig, die Temperaturen sinken auf Minus zwei bis Minus drei Grad», sagt Daniela Roth. Tagsüber gibt es maximal drei bis fünf Grad.
Nochmals viel Neuschnee in den Bergen
Einen markanten Wintereinbruch gibt es in den Bergen. Entlang des Alpennordhanges schneit es durchgehend in wechselnder Intensität. Vor allem in den Nordstaulagen – wozu beispielsweise das Hochybriggebiet im Kanton Schwyz zählt – wird die Feuchtigkeit gestaut und regelrecht ausgepresst. Die Neuschneemengen werden in diesen Regionen besonders gross sein.
Das Wochenende verspricht keine grosse Wetterbesserung. Die Prognosen sind zwar noch unsicher, weil nicht ganz klar ist, welche weitere Zugbahn das Höhentief einschlagen wird. Allerdings sorgt es am Samstag und Sonntag wohl für eine zügige und kühle Nordostströmung über der Schweiz. Es kommt also Bise auf.
Aussichten für Ostern: Eher kühl
Die Frage, die sich darüber hinaus stellt, ist: Wie geht es zu Ostern weiter? Zwar sind exakte Prognosen über einen Zeitraum von sieben bis zehn Tagen hinaus kaum möglich. Grobe Tendenzen lassen sich allerdings durchaus erkennen. Das bedeutet: Die Wettermodelle geben Hinweise darauf, ob es eher kühl und nass oder wieder milder und trockener weitergehen wird.
Derzeit sieht es eher trüb aus. Das auf Mittelfristprognosen spezialisierte europäische Wettermodell ECMWF zeigt, dass in der ersten Aprilwoche mit einer negativen Temperaturabweichung vom langjährigen Mittel gerechnet werden muss. Beim Niederschlag ist die Tendenz weniger klar – auf durchwegs trockenes Wetter sollte man aber keine Wetten abschliessen.
Völlig überraschend kommt dieser Kälteeinbruch übrigens nicht. Aufgrund der grossräumigen Wetterkonstellation hatte sich der Schwenk hin zu Kälte und Nässe bereits Anfang März abgezeichnet. Nur der exakte Zeitpunkt und die Ausprägung waren noch nicht klar.