Wertes Sturmforum
Leider bin ich mit der Sichtung und Bearbeitung meiner Aufnahmen weit ins Hintertreffen geraten. Nun aber kann ich Euch zumindest mal das am Freitag, 19. Juni 2026 gesammelte Material präsentieren.
Da ich an diesem Tag nicht arbeiten musste, hatte ich Zeit die Entwicklungen mit eigenen Augen zu verfolgen. Bereits am frühen Nachmittag waren über dem Schwarzwald die ersten Gewitter unterwegs, die sich aber nach Norden davon machten und so meinen Standort in Urdorf nicht tangierten:
Urdorf, 14.16h – Blickrichtung Nord
Wie üblich, wenn es die Zeit zulässt, machte ich auf dem Weg zu meinem Spotterplatz einen kurzen Stopp an der örtlichen Waldhütte und warf dort einen Blick auf das Thermometer an der Hütte. An diesem bis dahin heissesten Tag des Jahres kratzte die Messsäule um 16.43 Uhr auch hier an der 35°C-Marke. Ich kann mich nicht erinnern, dort jemals einen höheren Wert abgelesen zu haben:
Natürlich ist diese Messung nicht seriös mit den offiziellen Messungen vergleichbar. Aber auch gefühlt konnte keine Rede sein von einer kühlenden Wirkung durch den Wald. Bei ähnlichen Höchsttemperaturen in den letzten Jahren kam die Anzeige an der Waldhütte nie ganz an die offiziellen Messwerte heran. Das Thermometer zeigt üblicherweise eine um ca. 2-3 Grad kühlere Temperatur an, als die offiziellen Messstellen vermeldeten.
Ich fuhr weiter zum Spotterplatz. Bevor ich kurz vor 17.00 Uhr bei noch immer voller Sonneneinstrahlung meine Videokamera in Betrieb nahm, machte ich mit meiner Natelkamera noch einige Fotos.
Vor die Linse geriet mir unter anderem dieser Cumulonimbus über dem Südschwarzwald. Der hatte bereits die Höhe des Eisschirms erreicht, welcher sich von Südwesten her ausbreitete:
16.48h – Blickrichtung NNW
Auch in der entgegengesetzten Himmelsrichtung bildeten sich die ersten von hier aus gut sichtbaren Gewittertürme. Und auch direkt über mir gab es bereits die ersten Quellversuche:
16.51h - Blickrichtung SO
Die Zelle auf dem folgenden Foto sorgte etwa zum Zeitpunkt der Aufnahme für die erste Niederschlagsradar-Signatur in der Region Zürich (über Dübendorf). Die gleiche Zelle sollte ca. eine halbe Stunde später die ersten Blitze in der Region produzieren (gemäss Blitzradar über Opfikon / Kloten).
16.52h - Blickrichtung Ost
Dem Gewitter über dem Südschwarzwald ging nach der Kollision mit dem Eisschirm schnell der Saft aus. Und was ist das oben rechts im Bild? Eine Bärentatze?
16.54h – Blickrichtung NNW
Ab 17.10 Uhr verdeckte der Eisschirm die Sonne nach und nach und machte die Hitze so ein wenig erträglicher. Nach wie vor war es nahezu wildstill. Zusammen mit dem Verkehr bildeten die lärmenden Kinder im örtlichen Freibad die Geräuschkulisse.
17.30 Uhr: Die letzten sichtbaren Wolkenlücken schlossen sich. Leichter Wind aus Süden setzte ein. Am Himmel über dem Säuliamt bis zur Stadt Zürich waren wilde Quellungen zu beobachten.
17.48h - Blickrichtung ONO
Um ca. 17.55 Uhr war aus Richtung Üetliberg (Südost) erstes Leuchten und Gegrummel auszumachen. Gleichzeitig "verschmolzen" über dem Zugerberg die Luzerner und die Schwyzer Gewitter, wie ein Blick auf das Niederschlagsradar verriet. Die Gewitterzellenhochzeit (Zitat Kaiko

) war in vollem Gang.
Hier begann sich der Himmel von Süden her nun sehr rasch zu verdunkeln. Auch noch zu diesem Zeitpunkt machten sich Unbelehrbare auf für eine Jogging- oder "Gassi"-Runde im Wald. Im Osten erwischte ich um 18.04 Uhr einen ersten sichtbaren Blitz mit der Videokamera:
18.04h - Blickrichtung Ost
18.10 Uhr: Der Wind aus SO wurde nun stärker. An der Wolkenbasis hatten sich bedrohlich wirkende Wolkenstrukturen gebildet, die sich nun sehr schnell in meine Richtung bewegten. Der inzwischen deutlich sichtbare Niederschlagsbereich "verschluckte" den zuvor noch warnend blinkenden Uetliberg-Fernsehturm.
18.14h – Blickrichtung SO
(
Kennt jemand den Fachbegriff für diese Absenkungen an der Wolkenbasis? Ist das eine Wallcloud? Eine Art Shelfcloud? Fractus? Pannus?)
Um 18.28 Uhr kamen aus Richtung SO die ersten heftigen Sturmböen über die Felder gerauscht. Ich befestigte die Kamera sturmsicher und ging auf der windabgewandten Seite des Waldstücks in Deckung. Der Sturm schüttelte nun viel Laub, grüne Äste und Totholz aus den Bäumen.
Die Böen trieben Niederschlagsbänder vor sich her, meist aus Südosten, vereinzelt und kurzzeitig aus südlicher Richtung. Die Sichtweite variierte stark und auch die Farbe des Niederschlagsvorhangs veränderte sich immer wieder.
Manchmal erhellten Blitze die Umgebung und Donner vermischte sich mit dem Lärm des Sturms. Die heftigsten Böen kamen mit schätzungsweise 90 - 100 km/h übers Feld geflogen. Zweimal fielen während wenigen Sekunden kleine Hagelkörner (Ø höchstens 5mm) vom Himmel.
Um 18.58 Uhr läutete ein Erdblitz auf der gegenüberliegenden Talseite das Ende des Sturms ein. Zu diesem Zeitpunkt drehte die Windrichtung auf Süd.
18.58h - Blickrichtung West
Der Gewittersturm war hier in Urdorf nicht nur einer der stärksten der letzten Jahre, sondern dazu äusserst ausdauernd: Erst nach gut einer halben Stunde liess die Intensität allmählich nach. Nun waren auch wieder Blitze zu sehen, die in Richtung Nord/Nordwest vom und über den Himmel zuckten.
19.16h - Blickrichtung NNW
Ab ca. 19.20 Uhr trauten sich die Kühe aus ihrem Schutzwäldchen zurück auf die offene Weide. Und während Richtung Norden weiterhin Blitze zu sehen waren, leuchteten im Süden (unter dem sich noch immer ausregnenden Wolkenschirm) die Urner Alpen versöhnlich in der Abendsonne. Aus dem Tal waren immer wieder Sirenen zu hören und Blaulichter zu sehen.
19.38h – Blickrichtung NW
Um 19.40 Uhr kam der kalte Outflow aus Nordosten bei mir an. Es sollte für lange Zeit das letzte Mal sein, dass es mich ein wenig "fröstelte".
19.43h – Blickrichtung Süd
Um etwa Viertel nach acht packte ich meine sieben Sachen zusammen und fuhr nochmals den Weg zur Waldhütte ab um zu schauen, welche Schäden der Sturm im Wald verursacht hatte. Nicht weit von meinem Spotterplatz hatte der Sturm gleich zwei Föhren regelrecht geköpft (die folgenden drei Fotos entstanden einige Tage später. Die Schäden sind aber eindeutig dem Ereignis vom 19.06.2026 zuzuordnen):
Zudem wurde einer Buche ein Hauptast abgerissen:
Bei der Waldhütte angekommen, warf ich nochmals einen Blick auf das Thermometer: Es hatte von knapp 35 auf gerade noch 18 Grad abgekühlt:
20.33h
Ich fuhr zurück ins Dorf, wo der Sturm leider auch seine Spuren hinterlassen hatte. Die grosse Linde bei den Schrebergärten Zwischenbächen/Neumatt wurde arg in Mitleidenschaft gezogen:
So, das war mein Bericht zum Gewittersturm vom 19. Juni 2026 in Urdorf. Wer gerne noch die bewegten Bilder anschauen möchte: Hier ist der Link zum Video
https://youtu.be/gPiLzTV_HlM
En Gruess - Tobi
