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Stationsverlegung: Bern-Liebefeld

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
Philippe Zimmerwald
 
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Stationsverlegung: Bern-Liebefeld

Beitragvon Philippe Zimmerwald » Fr 26. Nov 2004, 11:09

Vor vollendeten Tatsachen:
Zeitungsartikel zur Stationsverlegung Bern-Liebefeld:
http://www.meteoradar.ch/forum/forum_up ... 105707.pdf

Hier ein Auszug:
Der Schluss des Artikels ist haarsträubend:

-------------

„Michael Begert, bei Meteo
Schweiz Experte auf dem Gebiet
der Homogenisierung, sagt, die
Fortführung der wichtigen Berner
Datenreihe sei «das absolute Ziel».

Er sei zuversichtlich, dass dies
auch gelinge – obwohl noch ein anderer
Faktor erschwerend hinzukommt:
Bei der Verlegung einer
Messstation werden nämlich normalerweise
während rund zwei
Jahren an beiden Standorten Messungen
gemacht, um die klimatischen
Unterschiede festzustellen.
Danach können mit Umrechnungsfaktoren
die beiden Messreihen
einander angepasst werden.

Doch diese Zeit hat Meteo
Schweiz nicht, da bereits im kommenden
Jahr mit den Bauarbeiten
auf dem Dreispitzareal begonnen
wird. «Das ist schlecht», sagt Begert,
«aber da werden wir immer
wieder vor vollendete Tatsachen
gestellt.» Nun werde versucht, mit
Stationen in der Umgebung, etwa
Payerne und Neuenburg, eine
räumliche Interpolation durchzuführen
und so die Homogenisierung
zu realisieren.“

-----------

Es sind also keine vernünftigen Parallelmessungen möglich, da. 1. der Standort Rütti „erst“ seit Jahren bekannt ist und 2. großflächige Wohnüberbauungen in der Schweiz plötzlich wohl innerhalb weniger Tage geplant und gebaut werden.

Hey Leute; diese Überbauung ist seit fast einem Jahrzehnt (!) ein Thema; Mehrere (!) Volksabstimmungen zur Umzonung und Bebauung waren nötig. Niemand darf und kann von dieser Überbauung überrascht sein! Und warum nimmt die neue Station Rütti erst im nächsten Jahr den Betrieb auf? Dauert die Planung (für eine Wetterstation) plötzlich länger als für eine ganze Siedlung?

Da ich die internen Abläufe (und Probleme) von MeteoSchweiz nicht kenne, sind meine Angriffe vielleicht unberechtigt, aber von außen erscheinen die Vorgänge doch sehr fragwürdig: nicht rechtzeitig und rasch handeln (für absehbare Veränderungen) und dann klagen: „vor vollendete Tatsachen gestellt“.

Wenn bei einer Stationsverschiebung ca. 40 km entfernte Stationen zur Homogenisierung herangezogen werden müssen, ist irgendwas falsch gelaufen.

Gruss Philippe
Philippe Zimmerwald 899m

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Federwolke
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Stationsverlegung: Bern-Liebefeld

Beitragvon Federwolke » Fr 26. Nov 2004, 12:30

Hoi Philippe

Nun ist mir auch klar, warum ich auf meine Anfrage zu diesem Problem bei MeteoSchweiz im Frühling nie eine Antwort erhalten habe. War möglicherweise "niemand" zuständig...

Und wie die räumliche Interpolation mit zwei Stationen, die ein teilweise völlig anderes Klima aufweisen, möglich sein soll - ja DAS würd mich brennend interessieren.

Gruss

Stephan
 
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Stationsverlegung: Bern-Liebefeld

Beitragvon Stephan » Fr 26. Nov 2004, 16:05

Ciao zusammen

Zur Ablösung von ANETZ-, ENET- und Klimastationen durch das SwissMetNet hier noch zwei interessante Links:

http://www.burkhalterag.ch/swissmetnet/ --> u.a. Stand der Arbeiten und ein paar Bilder von Stationen

http://journals.cambridge.org/article_S135048270300104X --> Auf Seite 315 gibts eine Karte des künftigen Stationsnetzes (leider nur klein und ohne Ortsbezeichnungen)

Gruss, Stephan

Philippe Zimmerwald
 
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Stationsverlegung: Bern-Liebefeld

Beitragvon Philippe Zimmerwald » Mi 1. Jun 2005, 12:33

Hallo Forumianer, hallo MeteoSchweiz!

Noch ist der neue Standort Zollikofen-Rütti noch nicht in Betrieb, aber ist das Ende schon absehbar?
Die 1. Ideen zur Überbauung "Rütti" bestehen. Auszug aus Bundartikel vom 01. 06. 2005:

---------------
Mögliche neue Siedlungsgebiete sind:

· Zollikofen: Meielen (Wohnen, 700–1000); RÜTTI (Wohnen, 600–900); Steinibachmatte (Wohnen/Arbeiten, 50–800); Steinibachgrube (Wohnen, 150).
· Ittigen: Grauholzstrasse (Wohnen, 200-300 Einwohner); Jurastrasse (Wohnen, 700–900).
· Moosseedorf: Moosbüel (Wohnen/Arbeiten, 200–300); Stägmatt (Wohnen/Arbeiten, 100–200).

Generell räumt Rupp diesem Szenario «grosse Realisierungschancen ein», die Studie sei breit abgestützt. Als nächstes geht der Bericht bei Gemeinden und Verbänden bis am 31. Oktober in die Mitwirkung.
---------------

Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass die MeteoSchweiz in Zürich in 10 Jahren nicht wieder völlig überrumpelt wird vom Berner Tempo bei Grossüberbauungen, à la:

«Das ist schlecht», sagt Begert,
«aber da werden wir immer
wieder vor vollendete Tatsachen
gestellt.» Nun werde versucht, mit
Stationen in der Umgebung, etwa
Payerne und Neuenburg, eine
räumliche Interpolation durchzuführen
und so die Homogenisierung
zu realisieren.“

Grüsse Philippe

Der gesamte Bundartikel vom 01.05.2005:

---------
Votum für Autobahnanschluss Grauholz

Im Bericht zur Korridorstudie Bern Nord wird ein Lösungsansatz zur Entlastung der Hauptverkehrsachsen präsentiert

Verdichtetes Bauen in gut erschlossenen Gebieten, Entlastung der Hauptverkehrsachsen mittels Autobahnanschluss im Grauholz – dies sind Massnahmen, die gemäss einer Studie die Verkehrsprobleme im Raum Bern Nord lösen sollen.

Im Korridor Bern Nord hat der Verkehr in den letzten Jahren stark zugenommen. Weshalb, ist schnell erzählt: Zum einen ist die Zahl der Arbeitsplätze in den Korridorgemeinden Ittigen, Zollikofen, Münchenbuchsee, Moosseedorf und Urtenen-Schönbühl stark gestiegen und damit auch die Anzahl Pendler. Zum anderen ist die Bevölkerung in ländlichen Gemeinden gewachsen. Und weil diese Gebiete oft nur ungenügend durch den öffentlichen Verkehr (öV) erschlossen sind, müssen die Korridorgemeinden den ganzen motorisierten Durchgangsverkehr von und nach Bern schlucken.

Die betroffenen Gemeinden, aber auch regionale Gremien und der Kanton sind sich einig: Werden gegen diese Entwicklung keine Massnahmen ergriffen, kommt es im Korridor Bern Nord in absehbarer Zeit zum Verkehrskollaps. So wurde dieses Gebiet von der Regionalen Verkehrskonferenz (RVK) Bern-Mittelland unter die Lupe genommen und geprüft, wie das Verkehrssystem für die nächsten 20 Jahre funktionstüchtig gemacht werden kann.
In der Studie, in die nebst den betroffenen Gemeinden auch der Kanton, öV-Anbieter, der Verein Region Bern und das Amt für Gemeinden und Raumordnung einbezogen waren, wurden zuerst zwei Extremszenarien skizziert. Im Szenario «Trend» wird von einer weiteren Zersiedelung im ländlichen Raum und einer Zunahme der Arbeitsplätze in den Korridorgemeinden ausgegangen. In diesem Fall würden aber nötige Aufwertungen im öV- und Strassennetz zu teuer werden. Mit dem Szenario «Konzentration» würde die bauliche Tätigkeit in ländlichen Gemeinden gestoppt und dafür im Gebiet Rütti zwischen Zollikofen und Ittigen ein neue städtische Siedlung für bis zu 5000 Personen geschaffen. Die Planer nennen das Gebiet «Zollikittigen». Wegen des zu erwartenden Widerstands und verschiedener Nutzungskonflikte wird aber auch diese Idee verworfen.

Bauen vor allem in Zollikofen

Als beste Lösung erachtet die RVK den Mittelweg: Die Ortsentwicklung soll in erster Linie in jenen Gebieten gefördert werden, die bereits gut durch den öffentlichen Verkehr erschlossen sind. «Wir wollen zurück in die Kerngemeinden und streben eine Reurbanisierung an», erklärt RVK-Geschäftsführer Marco Rupp. Mögliche neue Siedlungsgebiete sind:

· Zollikofen: Meielen (Wohnen, 700–1000); Rütti (Wohnen, 600–900); Steinibachmatte (Wohnen/Arbeiten, 50–800); Steinibachgrube (Wohnen, 150).
· Ittigen: Grauholzstrasse (Wohnen, 200-300 Einwohner); Jurastrasse (Wohnen, 700–900).
· Moosseedorf: Moosbüel (Wohnen/Arbeiten, 200–300); Stägmatt (Wohnen/Arbeiten, 100–200).

Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen bei Annahme einer hohen baulichen Dichte. Gleichzeitig soll die weitere Zersiedelung in Gemeinden, die schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden sind, eingedämmt werden. Zollikofens Gemeindepräsident Stefan Funk, Präsident der Projektkommission der Korridorstudie, weiss um die Brisanz dieser Siedlungsprojekte. «Einige Leute werden mich teeren und federn wollen. Aber so sieht die Zukunft aus.»
Die Siedlungen in den Korridorgemeinden sollen möglichst direkt über die Autobahnen erschlossen werden, die Wohnquartiere selber aber vom Verkehr frei gehalten werden. Die Lösung ist laut RVK der Bau eines neuen Autobahnanschlusses im Grauholz und der Ausbau der Zufahrten von Zollikofen respektive Moosseedorf und Urtenen-Schönbühl (siehe Karte). Kreisoberingenieur Fritz Kobi spricht bewusst nicht von Autobahnzubringern. «Die ausgebauten Strassen hätten mehrere Funktionen: Den Verkehr durchleiten, aber auch das Erschliessen der Wohngebiete.» Nur mit dieser Lösung könnten Ittigen, Zollikofen und das Gebiet Bern Wankdorf so entlastet werden, dass der öV nicht mehr behindert werde. Als Vorbild für die Zufahrtsstrassen – die Planer nennen sie «städtische Achsen» – dient die Seftigenstrasse in Wabern. Ähnlich wie in Bern Süd soll in Zollikofen und Ittigen der Verkehr am Ortseingang dosiert werden (Streifen 1 und 2 auf der Karte).

Mit bestehender Infrastruktur

Ein weiterer Vorteil ist gemäss Rupp, dass diese Mittelvariante keine überdimensionierten Ausbauprojekte enthält. «Es wird stark auf die bestehende Infrastruktur gesetzt.» So sind etwa im öV keine einschneidenden Massnahmen nötig. In der Studie wird von einem «haushälterischen Mitteleinsatz» geschrieben, ohne dass aber konkrete Zahlen genannt werden. Generell räumt Rupp diesem Szenario «grosse Realisierungschancen ein», die Studie sei breit abgestützt.
Als nächstes geht der Bericht bei Gemeinden und Verbänden bis am 31. Oktober in die Mitwirkung.
Philippe Zimmerwald 899m

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Beitragvon Balz BL » Mi 1. Jun 2005, 15:47

naja, und ausgerechnet in Bern bauen die so verd... schnell! ;-)
das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken...

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Beitragvon Chrigu Riggisberg » Mi 1. Jun 2005, 16:12

So etwas ist wohl nur bei der SMA möglich. Unglaublich!!!!

Gruss Chrigu
Riggisberg BE (800 m.ü.M.), zwischen Schwarzenburg und Thun am Fusse des Gurnigels gelegen

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Beitragvon Federwolke » Mi 1. Jun 2005, 17:27

Hoi zäme

Nun wollen wir doch nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, kommt die neue Wetterstation auf das Gelände der Landwirtschaftlichen Schule zu stehen. Die werden wohl eine Ecke zur Verfügung gestellt haben, die nicht gleich umgezont und überbaut wird. Sonst hamse Haue verdient, allesamt... Bleibt nur die Frage, wie lange die Landwirtschaftliche Schule noch existiert *hüstel* :(

Grüsslis

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Federwolke
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Beitragvon Federwolke » Sa 21. Jan 2006, 01:34

Kam mir gerade in den Sinn, dass ich im August mal die neue Station fotografiert hatte und noch etwas dazu schreiben wollte. Also höchste Zeit, das zu tun! ;-)

Hier die Gesamtansicht Blickrichtung Süd-->Nord:
Bild
Rechts verläuft die Bahnlinie Bern-Biel/Burgdorf (alte Strecke) und die RBS-Linie Bern-Solothurn. Die Stationshöhe ist 555 m (alte Station Bern-Liebefeld: 565 m). Die Überbauung im Hintergrund ist ca. 500 Meter entfernt, im Süden (also im Rücken) steht die Landwirtschaftliche Schule Rütti, die allerdings nur aus flachen Gebäuden besteht. Nach Westen hin ist das Land unbebaut, das Dorf liegt weiter unten in einem Tal.

Hier noch eine Detailansicht:
Bild

Die genaue Position der neuen Station (blauer Punkt) auf der 1:25000er Karte:

Bild

Die beiden Standorte im Überblick:
Bild

Die wichtigsten Unterschiede dürften aufgrund der unterschiedlichen Exponierung sein:

Alte Station in einem Tal, das im Südwesten durch den Könizerberg abgeschlossen ist. Dieser lenkt die milden Südwestwinde im Winter über die Station im Talboden hinweg, wo sich Kaltluft noch lange halten kann. Aufgrund der Tallage Nord-Süd direkte Bisenexponierung. Bei der neuen Station ist es gerade umgekehrt: Die Landschaft ist nach Südwesten hin offen, dafür steht ein bewaldeter Hügel im Nordosten. Die Bise wird an dieser Station wahrscheinlich als Nord- bis Nordwestwind eintreffen.
Interessant dürfte auch die unterschiedliche Tagesgang-Zirkulation im Sommer sein. Die abendlichen Talwinde kommen in Liebefeld aus den kühlen Hügeln des Schwarzenburgerlandes, am neuen Standort hingegen aus dem warmen Aaretal, wobei zunächst noch ein Schwall aufgeheizter Stadtluft die abendliche Abkühlung bremsen dürfte.

Insgesamt schätze ich daher den neuen Standort etwas wärmer ein als der alte.

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Stationsverlegung: Bern-Liebefeld

Beitragvon Philippe Zimmerwald » Do 9. Mär 2006, 18:35

Hallo!

Wieder mal ein Bundarikel zur Stationsverlegung von Bern-Liebefeld:
http://www.meteoradar.ch/forum/forum_up ... 181753.pdf

Hier der Artikel:
-----------------
In Zollikofen ist es etwas kühler

Inoffiziell ist die neue Wetterstation von Meteo Schweiz auf der Rütti bei Zollikofen schon in Betrieb
Noch wird Berns Wetter offiziell in Köniz Liebefeld gemessen. Bald übernimmt eine Wetterstation in Zollikofen diese Aufgabe. Sie ist bereits in Betrieb – und misst im Durchschnitt tiefere Temperaturen als die Anlage in Köniz.

Mehr zum Thema:
Originalseite als PDF
Mit der Überbauung des Dreispitzareals in Köniz wird die Wetterstation Bern-Liebefeld mehr und mehr von Gebäuden umzingelt – und darum für das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, kurz Meteo Schweiz, aus wissenschaftlicher Sicht schon bald unbrauchbar: Die Gebäude beeinflussen Windrichtung und Windgeschwindigkeit, sie werfen Schatten, und im Winter, wenn überall kräftig geheizt wird, hat die Siedlung gar Einfluss auf die Umgebungstemperatur. Noch bis im Sommer erfolgen die offiziellen Messungen zwar im Liebefeld – doch ungefähr ab Mitte Jahr wird auf der Rütti bei Zollikofen festgestellt, welches Wetter in Bern herrscht: in der neuen Wetterstation von Meteo Schweiz auf dem Land der landwirtschaftlichen Schule.


Mais und Hochstämmer verboten


Gemessen wird da schon heute, die Anlage ist komplett gebaut. Letzten Juni wurden die Geräte installiert: Der zehn Meter hohe Mast mit dem Windrädchen, das sowohl die Geschwindigkeit wie die Windrichtung misst. Daneben ein Panel mit Solarzellen, das bei Ausfall der Stromleitung als Notstromaggregat dient. Ein Regenmesser, der entfernt an einen Champagnerkübel erinnert. Ein Metallschrank, der als Gehäuse für das Datenerfassungssystem dient. Und das Wichtigste: die Instrumentenbrücke, die aussieht wie ein kleines Fussballtor. Daran sind Geräte zur Messung von Temperatur und Feuchtigkeit angebracht, ein Instrument misst die Solarstrahlung. In einem hermetisch geschlossenen Heliometer wirbelt ein Propellerchen: Damit wird die Sonnenscheindauer gemessen. Die gesamte Anlage wird von einem Drahtzaun eingefasst – und sie steht auf offenem Feld. Man habe lange nach einem Ersatzstandort in der Stadt gesucht, sagt Stephan Suter von Meteo Schweiz. Doch die Bedingungen, die ein Standort erfüllen müsse, habe man erst in der Rütti gefunden, wo das Inforama selbst Interesse gezeigt habe an der Messstation: In der Landwirtschaft ist die Meteorologie von grosser Bedeutung; und für die Landwirtschaftsschule ist es von Interesse, genau zu wissen, wie viel Regen gefallen ist, wie hoch die Bodentemperatur ist und wie lange die Sonne scheint. Da nimmt man auch in Kauf, rund um die Station keine hochwüchsigen Pflanzen wie Mais oder gar hochstämmige Obstbäume anpflanzen zu dürfen, weil diese die Messungen beeinflussen würden.


Alte Datenreihe wird fortgeführt


Seit letztem Juni wird sowohl im Liebefeld wie auf der Rütti gemessen; dabei hat sich gezeigt, dass es in Zollikofen im Durchschnitt leicht kühler ist als bei der Messstation in Köniz. Die Daten vom Herbst 2005 ergaben für die Rütti eine um durchschnittlich 0,3 bis 0,4 Grad tiefere Temperatur. Speziell in der Nacht sinken die Temperaturen bei der neuen Messstation etwas mehr ab als am alten Standort. Wobei dies laut Suter «noch nicht erhärtete Klimatologie» ist, es handle sich «nur um erste Hinweise». Für die Fachleute sind die Unterschiede jedoch alles andere als überraschend – solches ergibt sich immer, wenn eine Messstation verschoben wird.
Das ist mit der bernischen Messstation, die auf das Jahr 1864 zurückgeht, schon früher geschehen: So wurde zuerst bei der Universität auf der Grossen Schanze gemessen, später wurde die Anlage nach Köniz ins Liebefeld gezügelt. Um die Datenreihe dieser Messungen fortsetzen zu können, muss die neue Station auf der Rütti an die Messreihe aus dem Liebefeld angeschlossen werden. Hierfür ist Michael Begert bei Meteo Schweiz der Spezialist: «Man vergleicht die Unterschiede in den Monatsmitteln bei den beiden Stationen», erklärt er. Auf diese Weise lässt sich die mittlere Abweichung zwischen den Messstandorten feststellen. Um zu möglichst viel Datenmaterial zu kommen, will man im Liebefeld, bis effektiv alles überbaut ist, weiter messen, auch wenn ab Mitte Jahr die Rütti als offizielle Station gilt. Zusätzlich werden die Unterschiede zwischen Liebefeld und Zollikofen auch mit Hilfe von Nachbarstationen analysiert. Mit diesem Vorgehen versucht Meteo Schweiz die alte bernische Datenreihe möglichst fundiert fortzusetzen – ohne dass der Umzug von Köniz nach Zollikofen gleich zu einem vermeintlichen Klimasturz führt.

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1.) Interessant ist, dass Maiskulturen in der Nähe der Messstelle verboten sind. In Bern-Liebefeld war es in den letzten Sommern eher die Regel, dass Mais neben der Station gepflanzt wurde. Mit Sicherheit in den Sommern 2003 & 2005.

2.) Die Parallelmessperiode umfasst also nicht einmal ein Jahr - ohne bauliche Veränderung. Dies für eine der wichtigsten langen Messreihen der Schweiz - da wird eine Differenz der Standorte von 0.3 bis 0.4 Grad geschätzt, wo doch schon 0.1°C Veränderung in 100 Jahren interessieren: Bananenrepublik-Zustände!

3.) Fabiennes Vermutung, dass Zollikofen wärmer ist scheint sich nicht zu bestätigen.

Grüsse Philippe
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Stationsverlegung: Bern-Liebefeld

Beitragvon Federwolke » Do 9. Mär 2006, 22:18

Hoi Philippe

Merci für den Bericht - bin mit dem Zeitunglesen etwas im Verzug ;-)

Zu deinen Anmerkungen:

1.) Im Jahr 2004 stand der Mais sogar direkt am Zaun der Wetterstation:

Bild

2.) Unglaubliche Zustände. Aber passt.

3.) Nach einem halben Jahr Vergleichsmessung mit vielen windarmen Hochdrucklagen würd ich da noch nichts verwetten ;-)

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