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Mittelfrist / Langfrist Winter 2017/18

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
Stabe
 
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Re: Mittelfrist / Langfrist Winter 2017/18

Beitragvon Stabe » Do 22. Feb 2018, 18:15

Tadaa! Der erste Eistag des Winters ist da! Tmax -1.3°C, und ein Paar Schneegrieselkörner liegen ach noch rum... :-D

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Joachim
 
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Re: Mittelfrist / Langfrist Winter 2017/18

Beitragvon Joachim » Fr 23. Feb 2018, 00:31

jepp...ziemlich verbreitet Eistag:

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Grüsslis

Joachim

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Federwolke
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Re: Mittelfrist / Langfrist Winter 2017/18

Beitragvon Federwolke » So 25. Feb 2018, 11:13

Vier kalte Tage für die Winterstatistik - und dann?

Interessantes spielt sich derzeit in der Nordhemisphäre ab:

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Zu Beginn ist der Polarwirbelsplit und die Zonalwindumkehr sehr gut zu erkennen. Der kanadische Kältepool würde bei normalen Verhältnissen durch die Westdrift auf den Atlantik geschoben. Dort sitzt aber das durch die Stratosphärenerwärmung induzierte Hoch, also weicht die Kaltluft nach Norden aus und zieht über den Nordpol, um sich später mit dem Sibirischen Kaltluftkörper zu vereinen. Dieser wiederum hat starken Drang nach Westen, ein Teil spaltet sich ab und zieht in den nächsten drei Tagen über Europa hinweg auf den Atlantik. Und was passiert, wenn kalte Luft aus Osten auf den Atlantik zieht? Genau dasselbe, wie wenn sie aus Westen auf den Atlantik ziehen würde: Die grossen Temperaturunterschiede generieren starke Tiefdruckgebiete. Und schwupps... stellt sich die Kaltluft selbst ein Bein. Das blockierende Nordatlantikhoch geht mit wehenden Fahnen unter und die Westwindzirkulation kommt wieder in Gang. Das erkennt man gegen Schluss der Animation: Der Polarwirbel ist wieder kugelrund und vom Westwind gesteuert. Diese Wandlung erkennt man auch sehr gut auf der Jetstream-Karte:

Bild

Am Montag erreicht die Meridionalität ihren Höhepunkt. Der Jetstream mäandert extrem, wird vom Nordatlantik fast bis zum Nordpol hinauf gezwungen, dreht dort um das Hoch herum und zieht über Skandinavien südwestwärts zu den Britischen Inseln, um über dem Mittelmeer wieder in geordnete Bahnen zu finden und sich nach Russland zu vertschüssen. In den nächsten drei Tagen ist das Schicksal dieses extrem zerfledderten Jetstreams weit im Norden besiegelt: er löst sich nahezu vollständig auf. Was zur Folge hat, dass der (südlicher gelegene) Subtropenjet die Führung übernimmt:

Bild

Lange war nicht klar, ob es sich bei dem SSW um ein normales Major Warming oder ein frühes Final Warming handelt. Nun gehen die Modelle davon aus, dass sich die Verhältnisse in 10 hPa (=30 km Höhe) in den nächsten Tagen normalisieren:

Bild
Quelle: http://www.atmos.albany.edu/student/hat ... altime.php

Dadurch erholt sich die Westdrift über dem Atlantik, die Tiefs ziehen aber auf sehr südlicher Bahn in Richtung Europa. Und damit geht der Kampf zwischen Kaltluft im Norden und Warmluft im Süden erst richtig los: So lange die Tiefs vor den Küsten Westeuropas verharren, geraten wir in eine sehr milde Südströmung. Der Kaltluftkörper über Nordeuropa wird dadurch jedoch nicht verdrängt und lauert, bis sich so ein Tief den Weg über Mitteleuropa hinweg nach Osten bahnt. Dann kann die Kaltluft auf der Rückseite rasch nach Süden plumpsen. Sieht nach einem sehr spannenden März aus. Es bleiben noch drei Tage bis zur Monatsprognose - mal sehen ob wir bis dahin schlauer sind...
Zuletzt geändert von Federwolke am So 25. Feb 2018, 13:30, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Mittelfrist / Langfrist Winter 2017/18

Beitragvon Willi » So 25. Feb 2018, 14:54

Dort sitzt aber das durch die Stratosphärenerwärmung induzierte Hoch

Schöne Beschreibung, vielen Dank. Die zitierte Aussage kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Kann man dies irgendwie belegen? Ich habe Karten in der Stratosphäre (10 hPa, 50 hPa, 100 hPa) angeschaut, werde aber nicht schlau, wer wen induziert.

Gruss Willi

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Federwolke
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Re: Mittelfrist / Langfrist Winter 2017/18

Beitragvon Federwolke » So 25. Feb 2018, 16:21

Oben (10 hPa / 30 km) normalisiert es sich bereits wieder, da war das Warming um den 15.02. herum am stärksten über Kanada, aber auch mit einem zweiten Pol über Sibirien. Danach hat es sich allmählich unter geografischer Verlagerung nach unten durchgesetzt. Am besten ist die Koppelung Wärme / abgeschlossenes Hoch über dem Nordmeer jetzt noch in 50 hPa / 20 km zu sehen (gleicher Zeitpunkt gewählt wie die 300 hPa-Karte in meinem Beitrag oben):

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In 100 hpa / 16 km sieht man bereits die in 300 hPa vorhandene Struktur des Höhenrückens mit den beiden flankierenden Trögen in besagtem Gebiet:

Bild

Im 200-300 hpA-Niveau kehrt sich die Temperaturverteilung dann um, weil logischerweise im Hochdruckgebiet die Tropopause = Inversion viel höher liegt als im Tief:

Bild

Zur Veranschaulichung hier noch die heutigen Soundings von Thorshaven (Färöer, direkt im Hoch) und Moskau (im Tief) zum Vergleich:

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Fazit: Man darf sich nur von der Tropopause nicht verwirren lassen, denn das Stratosphären-Warming setzt sich nur oberhalb dieser durch. Die Zonalwindumkehr, welche Einfluss auf die Stellung der Hochs und Tiefs in der Troposphäre nimmt, wirkt hingegen bis nach unten und zerfleddert den Jetstream. Weshalb und wie genau das geschieht, und wie die umgekehrte (von unten nach oben) Einflussnahme geschieht, ist offenbar noch eines der letzten grossen Rätsel. Andernfalls hätten wir (bzw. die Modelle) nicht bei jedem SSW immer noch dieselben Probleme.

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Re: Mittelfrist / Langfrist Winter 2017/18

Beitragvon Federwolke » So 4. Mär 2018, 12:19

Zum Abschluss die (für mich erlösende) Februar-Analyse. Fazit: Die Grenzen von Langfristprognosen enden immer dort, wo zum Monatsende ein Kälteeinbruch seine Aufwartung macht.
http://www.fotometeo.ch/analyse-februar ... pf-stellt/

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