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26.12. ein denkwürdiges Datum

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
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Willi
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26.12. ein denkwürdiges Datum

Beitrag von Willi » Do 26. Dez 2019, 08:19

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Federwolke
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Re: 26.12. ein denkwürdiges Datum

Beitrag von Federwolke » Do 26. Dez 2019, 08:59

Merci Willi für das Hervorkramen des 15 Jahre alten Threads. Wenn ich mich da so durchlese, werde ich wehmütig. Das muss eine ganz andere Welt gewesen sein, damals. Da diskutierten doch tatsächlich zahlreiche Menschen verschiedensten Alters und Bildung gemeinsam wochenlang über ein Thema und brachten viel fachliches Wissen zusammen. Wer nicht so viel wusste wie andere, der stellte Fragen, statt mit "Meinung" zu brillieren. Da gibt es Beiträge, um die zu verfassen man teilweise über eine Stunde aufwenden musste. Tempi passati. Der rundum verAPPelte Mensch 2019 bringt höchstens noch 155 Zeichen zusammen, die aus mehr Häschtäggs als aus Text bestehen - wenn überhaupt. Und wer längere Texte schreibt, trifft hauptsächlich auf ein Publikum, dessen Aufmerksamkeitsspanne nicht über eben jene 155 Zeichen hinauskommt. Drum hör ich jetzt besser auf, habe ohnehin bereits überzogen ;)
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Re: 26.12. ein denkwürdiges Datum

Beitrag von Slep » Do 26. Dez 2019, 14:35

Ja, meine Frau und ich werden nie Lothar vergessen.
Wir waren damals bei ihrer Eltern in Saarland ganz knapp südlich des Zentrums des Sturms.
An jenem Tag hätten wir zurück mit dem Zug wieder nach Winterthur fahren sollen. Stattdessen blieben wir stecken im Bahnhof Karlsruhe drei Stunden lang! :-X
Als wir endlich in Zürich ankamen ca.Mitternacht, wurden wir von einem starken Graupelgewitter begrüsst! :!:

Die Waldschäden in und um Winterthur waren enorm - besonders in der Nähe von Mörsburg.

Hochnebliger Gruss, Simon.
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Re: 26.12. ein denkwürdiges Datum

Beitrag von Bernhard Oker » Do 26. Dez 2019, 14:38

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Re: 26.12. ein denkwürdiges Datum

Beitrag von Kaiko (Döttingen) » Do 26. Dez 2019, 17:50

Hoi zäme

Weiss jemand den effektiv richtigen Böenspitzenwert, welcher auf dem Jungfraujoch während Lothar gemessen wurde?

Auf den Karten der Meteoschweiz ist 'nur' ein Wert von 204km/h angegeben.
In diversen Quellen, so auch im Buch https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandor ... /wsl:17702
oder z.B. hier
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokum ... 30489.html
ist ein Böenspitze von 249km/h aufgeführt.

Gruss Kaiko
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Re: 26.12. ein denkwürdiges Datum

Beitrag von Linth » Do 26. Dez 2019, 21:33

Federwolke hat geschrieben:
Do 26. Dez 2019, 08:59
Merci Willi für das Hervorkramen des 15 Jahre alten Threads. Wenn ich mich da so durchlese, werde ich wehmütig. Das muss eine ganz andere Welt gewesen sein, damals. Da diskutierten doch tatsächlich zahlreiche Menschen verschiedensten Alters und Bildung gemeinsam wochenlang über ein Thema und brachten viel fachliches Wissen zusammen. Wer nicht so viel wusste wie andere, der stellte Fragen, statt mit "Meinung" zu brillieren. Da gibt es Beiträge, um die zu verfassen man teilweise über eine Stunde aufwenden musste. Tempi passati. Der rundum verAPPelte Mensch 2019 bringt höchstens noch 155 Zeichen zusammen, die aus mehr Häschtäggs als aus Text bestehen - wenn überhaupt. Und wer längere Texte schreibt, trifft hauptsächlich auf ein Publikum, dessen Aufmerksamkeitsspanne nicht über eben jene 155 Zeichen hinauskommt. Drum hör ich jetzt besser auf, habe ohnehin bereits überzogen ;)
Absolut, da kommt richtig Wehmut auf.
Im Jahr 1999 hatten wir zuerst den "Jahrhundertwinter" (die vielen Nordwestlagen) dann die Jahrhundertüberschwemmungen (Vb Lagen plus Schneeschmelze) und zum Schluss noch den "Jahrhundertsturm" Lothar. Obwohl Vivian 1990 im Osten viel schlimmer war als Lothar 1999 (Grenze in etwa die Reuss).
Es war ein aussergewöhnliches Jahr.

Heutzutage wären die Medien voll mit Liveticker aller Art und in gefühltem jedem Kommentar wäre der Klimawandel schuld an allem. Versteht mich bitte nicht falsch, der Klimawandel ist real und wir müssen dagegen ankämpfen!!
Aber man stelle sich mal die gleichen Grosswetterlagen vor 1999 und 2019. Das sind Welten. Für den normalen Journalisten wäre eine solche Anhäufung von Katastrophen ein klares Indiz, dass nur der Mensch dafür verantwortlich sein kann. Und für Otto Normalo auch.
1999 war ein Jahr der absoluten Extreme. Angefangen mit dem Azorenhoch, das ab Jan 99 weiter nach Norden ausdehnte und somit die ständigen NW-Lagen ermöglicht (und damals fiel auch noch massig Schnee bis in die Niederungen, heute würde es wohl einfach unterhalb von 800 Meter regnen statt schneien...), dann noch die 2-3 Adria-Tiefs (Vb-Lagen), die während der Schneeschmelze ergiebige Niederschläge auf der Alpennordseite bringen und je nach Schneefallgrenze verheerend sein können).

Lothar war dann so was wie der Überraschungsgast zum Schluss.
Zuletzt geändert von Linth am Do 26. Dez 2019, 21:34, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: 26.12. ein denkwürdiges Datum

Beitrag von Linth » Do 26. Dez 2019, 21:42

Kaiko (Döttingen) hat geschrieben:
Do 26. Dez 2019, 17:50
Hoi zäme

Weiss jemand den effektiv richtigen Böenspitzenwert, welcher auf dem Jungfraujoch während Lothar gemessen wurde?

Gruss Kaiko
Also der offizielle Rekord für die Schweiz liegt auf dem Gr. St. Bernhard mit 268 km/h von 1990 während Vivian. Lothar war stark, aber ich denke, die Angaben stimmen.

Hier in der Schweiz ist es sowieso extrem schwierig, Wind und Niederschlag exakt zu prophezeien. Beim Sturm Vivian starben glaube ich 5 mal mehr Förster bei den Aufräumarbeiten als während des Sturmes (wir sprechen da von über 100-150 Förster).
Bei Lothar hat man dazu gelernt, doch kamen immer noch viele Förster bei Aufräumarbeiten ums leben (Spannung im Stamm). Habe auch so einen Jungendfreund verloren nach Vivian (Bauersohn, umgestürzter Baum auseinander sagen, der steht noch unter Spannung, ade :cry: )

Man muss das relativieren. Es ist extrem schwierig, für die Behörden u d Wetterdienste, die genaue Zugbahn eines Sturmtiefs bis auf ein paar Stunden vorher zu bestimmen.
Es kommt immer mal wieder vor, dass ich hier von zuhause eine absolute Föhnnacht erlebte, mit Mittelwinden (wie in einem Windkanal!) von über 80-100km/h die ganze Nacht, da fuhr ich los Richtung Zürich, auf dem Zürichsee warn die Warnlampen aktiv für die Schiffe usw. Und dann kam der "Sturm", rot auf der Warnseite, aber eigentlich ein nix. Und da wo ich wohne, ich Reichenburg, da wo es tatsächlich massiv gestürmt hat, war grün. Ich fuhr also von Reichenburg (Mittelwind 80 kmh, Böen viel höher, siehe Bilten, 2.3 km entfernt) nach Wädenswil (rot, Sturmwarnung). Reichenburg 18 Grad Abfahrt am Morgen, 19 Grad. Ziel Wädenswil 4 Grad Null Wind,
Das sind Welten.
Ich empfehle allen Windliebhaber mal, bei Föhn nach Reichenburg zu kommen :warm: :-D
Zuletzt geändert von Linth am Do 26. Dez 2019, 22:00, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: 26.12. ein denkwürdiges Datum

Beitrag von Federwolke » Do 26. Dez 2019, 22:13

Linth hat geschrieben:
Do 26. Dez 2019, 21:33
1999 war ein Jahr der absoluten Extreme.
Unbestritten, nach 1987 für mich das extremste Jahr meiner Beobachtungszeit. Die Ereignisse 1999 waren für mich der Auslöser, die Begeisterung für die Meteorologie aus der Jugendzeit wieder neu zu entfachen. Das Internet und die neu gegründeten Wetterforen halfen kräftig mit, mich autodidaktisch weiterzubilden. Daraus fasste ich dann auch den Entschluss, meinen Jugend-Traumberuf Meteorologin doch noch in Angriff zu nehmen.

Was früher die Dynamik war, so ist es heute die Persistenz (wenn man böse sein will, kann man es auch Langeweile nennen) des Wetters, das die Extreme ausmacht. Nicht mehr kurzfristige Einzelereignisse stehen im Vordergrund, sondern wochenlang eingefahrene Wetterlagen, die den Regionen entweder Dauerschütte oder Dauerhitze und Trockenheit bescheren. An dieser Veränderung manifestiert sich in meinem Berufsalltag der Klimawandel am stärksten, das ist mich präsenter und greifbarer als der langsame, aber stetige Temperaturanstieg. Klima lässt sich eben nicht so bewusst spüren wie Wetter.

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Re: 26.12. ein denkwürdiges Datum

Beitrag von Severestorms » Do 26. Dez 2019, 23:10

Kaiko (Döttingen) hat geschrieben:
Do 26. Dez 2019, 17:50
Hoi zäme

Weiss jemand den effektiv richtigen Böenspitzenwert, welcher auf dem Jungfraujoch während Lothar gemessen wurde?

Auf den Karten der Meteoschweiz ist 'nur' ein Wert von 204km/h angegeben.
In diversen Quellen, so auch im Buch https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandor ... /wsl:17702
oder z.B. hier
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokum ... 30489.html
ist ein Böenspitze von 249km/h aufgeführt.

Gruss Kaiko
Dani Gerstgrasser beantwortet die Frage mit:
"Zur Frage wegen der Böenspitze auf dem Jungfraujoch während Lothar, habe nachgeschaut: Ist ziemlich "gemein", die 249 km/h auf dem Joch wurden am 25.12.99 um 21.20z gemessen. Sie gehören also streng genommen nicht zum Orkan Lothar, sondern wurden vermutlich durch die Kaltfront vom steuernden Zentraltief tags zuvor verursacht. Habe das aber nicht im Detail untersucht."

Gruss Chris
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Bernhard Oker (Fr 27. Dez 2019, 05:44) • Kaiko (Döttingen) (Fr 27. Dez 2019, 10:43)
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