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Wetterkarten-"FAQ"

Grundlagen und Expertenwissen.
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Federwolke
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Wetterkarten-"FAQ"

Beitragvon Federwolke » Mo 2. Jan 2006, 00:36

Hoi zäme

Häufig werden im Sturmforum Fragen gestellt, wie z.B. diese und jene Wetterkarte (meist Modell-Outputs) zu interpretieren sei, was sie zeigt und wofür sie verwendet wird. Um diese Fragen nicht immer wieder von neuem und meist in einer aktuellen, spannenden Wetterdiskussion beantworten zu müssen, möchte ich hier die gebräuchlichsten Wetterkarten erklären.

Dieser Thread soll interessierten Laien helfen, die in aktuellen Diskussionen gezeigten Karten lesen zu können. Was ich hier nicht bieten kann (denn das würde nicht nur den Rahmen, sondern auch meine weitgehend im Selbststudium erarbeiteten Kenntnisse sprengen), sind tiefer greifende Erklärungen physikalischer Vorgänge in der Atmosphäre. Ebenso wenig kann ich mit Erklärungen zu Karten aufwarten, für deren Verständnis höhere mathematische Kenntnisse erforderlich sind. Wer sich dafür interessiert, sei auf die einschlägige Fachliteratur verwiesen.

Es ist ebenfalls nicht mein Ziel, mit Fachwörtern zu glänzen, die dem Laien in der Regel nicht bekannt sind. In den seltenen Fällen, wo dies unumgänglich ist, versuche ich den Fachbegriff mit einer Seite zu verlinken, wo er ausführlich erklärt wird. Sollten trotzdem Verständnisprobleme auftreten, so darf gerne in diesem Thread gefragt werden - es findet sich hier im Forum bestimmt jemand, der weiterhelfen kann.

Damit die Übersicht über die verschiedenen Wetterkartentypen gewahrt bleibt, werde ich diese alle im selben Beitrag zusammenfassen. Da ich nicht alle Kartentypen in einem Arbeitsgang posten kann, besteht sonst die Gefahr, dass durch die nachfolgende Diskussion die Übersicht verloren geht. Es folgen immer wieder Aktualisierungen des Hauptbeitrags, sei es wegen nötiger Korrekturen von Fehlern (auf die ihr mich bitte aufmerksam machen möget), sei es weil einige Kartentypen erst im Sommer ihren Nutzen haben, oder weil neue Karten hinzukommen. Es lohnt sich also, hier immer wieder vorbeizuschauen, auch wenn der Thread keine "neuen Beiträge" aufweist. Die letzte Zeile des Beitrags zeigt, wann zum letzten Mal aktualisiert (editiert) wurde.

Ich hoffe, die Erklärungen sind verständlich und brauchbar. Für Hinweise, Ergänzungen und Korrekturen bin ich dankbar. Viel Spass bei der Lektüre!

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Wetterkarten-"FAQ"

Beitragvon Federwolke » Mo 2. Jan 2006, 01:32

Beginnen möchte ich mit den Modellkarten von GFS. Nicht weil ich dieses Modell wegen seiner Prognosegüte bevorzuge, sondern weil von diesem Modell die grösste Kartenvielfalt öffentlich zugänglich ist. Dabei verwende ich mal Karten von der Wetterzentrale, mal solche von wetter3. Die beiden Anbieter unterscheiden sich meist nur in der Gestaltung, bei einigen Karten ist jedoch die Kombination der Informationen verschieden. Ich entscheide mich jeweils für jene, die nach meinem Empfinden für Laien die wichtigsten Informationen am übersichtlichsten darstellt. Wiederum bieten sowohl die Wetterzentrale wie auch wetter3 Karten an, die der andere Anbieter nicht im Kartenpool hat.

Als Einleitung zunächst ein paar Worte zu den verschiedenen Druckflächen, von denen in der Folge immer wieder die Rede sein wird:

Man unterscheidet zwischen Bodendruckkarten und Höhendruckkarten. Manche Karten kombinieren Daten aus verschiedenen Druckflächen. Hier die wichtigsten Standarddruckflächen und ihre durchschnittliche Höhe über Meer:

- Standarddruckfläche 1013.25 hPa (auf Meereshöhe reduziert): Bodenkarte
- 850 hPa / 1457 m: Wichtig für Temperatur und Wind in der bodennahen Luftschicht, ist abseits von Gebirgen aber nur noch geringfügig vom Bodenrelief beeinflusst.
- 700 hPa / 3012 m: Abgesehen von höheren Gebirgen freie Atmosphäre, wichtiges Niveau für die Niederschlagsbildung und die Bestimmung von Gewitterzugbahnen
- 500 hPa / 5574 m: "Die" Höhendruckkarte, freie Atmosphäre
- 300 hPa / 9164 m: Höhe des Jetstreams

500 hPa, Bodendruck

Diese Karte gibt den ersten Überblick über die Grosswetterlage einer bestimmten Region. Zu sehen ist die Verteilung der wettersteuernden Druckgebiete am Boden und in der Höhe.

Bild

Weisse Linien: Isobaren des Bodendrucks.
Farbflächen: Höhe des 500 hPa-Geopotenzials in Dekameter (z.B. 552 x 10 = 5520 Meter)
Schwarze Linie (552 gpdm): Polarfront, sie trennt Gebiete hohen Geopotenzials (gelb-rot) von Gebieten mit tiefem Geopotenzial (grün-blau).
Grau gestrichtelt-punktierte Linie: Isothermen (Linien gleicher Temperatur) in 500 hPa (mit Temperaturangabe in weissen Kästchen)

Im gezeigten Beispiel vom 1. Januar 2006 sind folgende Druckgebilde zu erkennen:
1 Bodenhoch gekoppelt mit hohem Geopotenzial in der Höhe (Höhenhoch, -rücken oder -keil).
2 Zentrales Bodentief gekoppelt mit tiefem Geopotenzial in der Höhe (Höhentief).
3 Bodenhoch mit tiefem Geopotenzial in der Höhe: Winterliches "Kältehoch" geringer Mächtigkeit. Diese Hochdruckgebiete beruhen einzig auf der Auskühlung bodennaher Luftschichten und werden nicht durch ein Höhenhoch gestützt.
4 Höhentief mit hohem Luftdruck am Boden: Sogenannter Kaltlufttropfen, tritt wie hier typischerweise am Rand von Hochdruckgebieten auf.
5 Höhentrog gekoppelt mit Bodentrog.
6 Randtiefentwicklung, typischerweise an der Polarfront und auf der Trogvorderseite.
7 Bodentief unter hohem Geopotenzial: In diesem Fall ein Tropensturm (Zeta). Im Sommer treten Bodentiefs mit hohem Geopotenzial in der Höhe auch über dem Kontinent auf (z.B. iberische Halbinsel), sogenannte "Hitzetiefs" --> Gegenteil vom "Kältehoch".

300 hPa Stromlinien und Windgeschwindigkeit

Eine von Laien wahrscheinlich weniger beachtete Karte, die aber wichtige Informationen über die Höhenströmung und Tiefdruckbildung enthält.

Bild

Windgeschwindigkeit in Knoten (kt). Umrechnung in km/h: kt x 1.8 oder für Kopfrechner: kt x 2 -10%

Zu sehen ist der Jetstream, erkennbar an den hohen Windgeschwindigkeiten (gelb-rot) entlang der Polarfront (vergleiche 500 hPa-Karte oben). Divergenzen (auseinanderfliessende Stromlinien) entlang des Jetstreams - markiert mit einem "D" - deuten auf Tiefdruckbildung am Boden hin. Auseinanderfliessende Strömungen in der Höhe ziehen Luftmassen aus tieferen Schichten nach sich. Es entsteht Hebung --> Tiefdruckbildung, im Sommer Gebiete mit starker Gewitterentwicklung!

Dieselbe Karte gibt es auch für das 500 hPa-Niveau:

Bild

Der Jetstream ist weniger stark als in 300 hPa, aber immer noch zu erkennen. Diese Karte hilft u.a. zu erkennen, ob ein Vorhersagegebiet unter einem Starkwindband liegt. Bei guter Durchmischung können die Windgeschwindigkeiten aus 500 hPa bei Frontdurchgängen und in Gewittern als Böen bis in tiefe Lagen durchbrechen. Ebenfalls kann damit abgeklärt werden, ob Niederschlagsgebiete über höhere Gebirgskämme hinweg getragen oder nur gestaut werden. So ist auch mit Niederschlägen auf der Leeseite eines Gebirges zu rechnen, wenn der Jetstream direkt über das Gebirge weht (z.B. Starkregen in der Surselva und im Urnerland bei Südföhn, Schneefälle im Engadin bei Nordwestlagen etc.).

850 hPa Wind mit 850 hPa Geoptenzial

Diese Karte gibt einen Einblick auf die Windverhältnisse in 1300 bis 1600 Metern Höhe. Das 850-er Niveau befindet sich in einer Höhe, wo abseits von Gebirgen kaum Ablenkung durch das Relief ausgeübt wird. In Alpennähe sieht das natürlich anders aus, im folgenden Beispiel sehr gut zu erkennen:

Bild

Analyse-Karte zum selben Zeitpunkt wie oben gezeigt. Die Windfedern zeigen die Windrichtung und Windgeschwindigkeit an (1 halbe Feder = 5 kn, 1 ganze Feder = 10 kn, 1 Dreieck = 50 kn). Zusätzlich ist in feinem Grau das Geopotenzial in Dekametern eingezeichnet, man erkennt also Hochs und Tiefs im 850-er Niveau und weiss somit auch, auf welche Höhe sich die Winddaten beziehen (im Beispiel: Nordschweiz 138 x 10 = 1380 Meter).

Man erkennt die komplexe Lage, bedingt durch 3 Tiefdruckzentren rund um die Alpen (Nordfrankreich, Österreich-Tschechien und Adria), und den Umlenkungseffekt durch die Alpen selbst.

Die Windgeschwindigkeiten in 850 hPa werden gerne herangezogen, um die Böenstärke im Flachland vorherzusagen. Voraussetzung ist natürlich eine gute Durchmischung. Wird zum Beispiel ein Kaltluftsee im Mittelland nicht ausgeräumt, setzen sich die Böen nicht voll bis zum Boden durch.

850hPa äquivalent potentielle Temperatur (Theta E) + Bodendruck

Die Äquivalenttemperatur ist diejenige Temperatur, die man erhält, wenn man den gesamten in der Luft enthaltenen Wasserdampf auskondensieren lässt und die freiwerdende Kondensationswärme der Luft hinzufügt. Somit sagt diese Karte etwas aus über die in einer Luftmasse enthaltenen Energie. Dabei wird im Gegensatz zur normalen 850-hPa-Temperaturkarte auch die Feuchtigkeit berücksichtigt.

Diese Karte eignet sich besonders für die Bestimmung von Fronten, wie ich dies an folgendem Beispiel versucht habe (die komplizierten Frontenfriedhöfe in Nordrussland und über Südspanien habe ich mal ausser Acht gelassen ;-)).

Rot = Warmfront, blau = Kaltfront, violett = Okklusion:
Bild

Am einfachsten ist es dort, wo auf engem Raum starke Gegensätze herrschen, wie z.B. an den Tiefs über dem Atlantik. Das einzige, was man dabei noch beachten muss, ist die Tatsache, dass uns die Bodenfronten interessieren, dass die scharfen Luftmassengrenzen auf der Karte aber die Fronten in etwa 1400 Metern Höhe anzeigen. Da die Fronten geneigt sind (Warmluft gleitet auf Kaltluft auf, bzw. Kaltluft schiebt sich unter Warmluft), liegt die Bodenfront immer etwas in den Warmsektor hinein versetzt. Um die genaue Position zu bestimmen, hilft uns bei markanten Fronten meist die zyklonale Krümmung der (Boden-)Isobaren, die auf dieser Karte praktischerweise mit eingezeichnet sind.

Etwas schwieriger wird es dort, wo die Luftmassengrenzen nicht so deutlich erscheinen, einerseits weil die Unterschiede der Luftmassen gering sind (im Beispiel über Ägypten), oder weil die Fronten in einem alternden Tief okkludiert sind (Bsp. Skandinavien). Aber auch hier hilft uns in der Regel die Isobarenkrümmung bei der Positionierung der Front.

Modell-Wetterkarte

Wer gerne wissen möchte, wie das Wetter nach dem direkten Modell-Output (DMO) von GFS wird, schaut sich diese Karte an. Mit etwas Erfahrung und der Kenntnis der Tücken eines DMO lässt sich damit eine eigene Wetterprognose machen. Die Legende zu den verwendeten Symbolen findet man hier.

Bild

Dieses Beispiel habe ich herausgegriffen, um die Schwierigkeit der Interpretation beim Bewölkungsaufzug einer Warmfront zu demonstrieren. Man sieht, dass für das nordwestliche Drittel Deutschlands ein vollkommen bedeckter Himmel (8/8) gerechnet wird. Dabei handelt es sich aber um die Gesamtbedeckung, und es wird nicht berücksichtigt, ob es sich um hohe, durchscheinende Wolken handelt oder um tiefe, dunkle Wolken, die die Sonne völlig verdecken. Es ist also gut möglich, dass trotz 8/8 Bedeckung durch Cirrostratus die Sonne scheint. Daher ist es in einem solchen Fall nötig, sich über die Zusammensetzung der Bewölkung zu informieren. Dazu helfen uns die nachfolgenden Bewölkungskarten.

Bewölkungskarten (hohe, mittlere, tiefe Bewölkung, Grenzschichtbewölkung)

Um Fehlprognosen durch alleiniges Konsultieren des Modellwetters (DMO) zu verhindern, ist es nötig, die genaue Zusammensetzung der Bewölkung zu kennen. Dafür gibt es Bewölkungsprognosen für jedes Wolkenstockwerk. Grundlagen zur Wolkenklassifizierung bietet der Karlsruher Wolkenatlas.

Die folgenden Beispiele dienen zum Vergleich mit der obigen Modell-Wetterkarte.

Hohe Wolken

Bild

Mittelhohe Wolken

Bild

Tiefe Wolken

Bild

Grenzschichtbewölkung

Bild

In den Gebieten, wo nur hohe Bewölkung vorhanden ist, scheint die Sonne nur schwach gedämpft. Für den Normalbürger beginnt Bewölkung erst dort, wo mittelhohe und tiefe Wolken die Sonne verdecken. In unserem Beispiel ist dies nur im äussersten Nordwesten Deutschlands und über Holland der Fall. Ein breiter Streifen bis nach Hessen ist hingegen nur mit hoher Bewölkung versehen. Trotz der 8/8 Prognose im Modellwetter kann man dort von einem vorwiegend sonnigen Tag ausgehen.

Bestimmung der Schneefallgrenze

Eine oft und auch bei der aktuellen Lage diskutierte Angelegenheit ist die Prognose der Schneefallgrenze (in der Folge abgekürzt SFG genannt). Es gibt verschiedene, mehr oder weniger zuverlässige Methoden. Die einfachste für den Laien ist die Konsultation der SFG-Karte von GFS:

Bild

Eingezeichnet sind einerseits die Höhenlinien der Schneefallgrenze, andererseits die in 6 Stunden zu erwartende Neuschneemenge in kg/m2. Da ein kg Wasser einem Liter entspricht, ist dies auch das uns geläufige Mass für die Niederschlagsmenge in l/m2 oder eben mm. Da 1 mm Niederschlag ungefähr 1 cm lockeren Neuschnee ergibt, kann die in den Karten angegebene Neuschneemenge grob in cm umgerechnet werden. Aber Vorsicht! Wegen der schlechten Auflösung des GFS-Modells stimmt häufig die Geländehöhe nicht, so wird zum Beispiel das Schweizer Mittelland als Fläche auf ca. 700 Meter gerechnet. Es kann also gut sein, dass bei einer Schneefallgrenze von 700 Metern für das Mittelland Neuschnee eingezeichnet wird, der aber in Tat und Wahrheit die tiefsten Lagen in flüssiger Form erreicht.

Eine recht zuverlässige Methode für die SFG Prognose bietet die Theta-E-Karte, die wir schon weiter oben für die Bestimmung der Fronten verwendet haben:

Bild

Eine recht einfache Faustregel besagt, dass bei einer aequivalent-potentiellen Temperatur von 12° die Schneefallgrenze bei 0 Metern, bei 24° bei 1000 Metern, bei 36° bei 2000 Metern liegt etc. Der Vergleich mit der SFG-Karte zeigt, dass diese Regel recht gut übereinstimmt (z.B. am Jura und Schwarzwald). Bei beiden Karten muss aber beachtet werden, dass die Auflösung eine Bestimmung der SFG im inneralpinen Bereich nicht zulässt. Man sieht zwar anhand dieser Karten, dass der Luftmassenaustausch in diesem Bereich verzögert erfolgt und die SFG noch längere Zeit tiefer liegt als in den exponierten Regionen. Für Details müssten aber höher aufgelöste Lokalmodelle herbeigezogen werden. Für den Jura, das Mittelland und die Voralpen und erst recht für die nördlicheren Mittelgebirge sind die GFS-Karten hingegen eine zuverlässige Hilfe.

Eine eher grobe Einschätzung der SFG kann auch mithilfe der relativen Topographie (500er Fläche minus 1000er Fläche in Dekametern, gerne als Reltop abgekürzt) vorgenommen werden. Die Reltop ist in folgender Karte als Farbfläche eingezeichnet (WZ-Karten haben diese nicht drin, bzw. dort zeigt die Farbfläche das 500 hPa Geopotenzial, also bitte nicht verwechseln):

Bild

Faustregel Reltop = SFG:
524 = 0000 m
528 = 0300 m
532 = 0600 m
536 = 0900 m
540 = 1200 m
usw.

Erwähnt sollte hier noch werden, dass die Bestimmung der Schneefallgrenze anhand von 850-er Temperaturkarten unter Laien zwar beliebt, aber keinesfalls genau ist, weil dort die Feuchtigkeit (Taupunkte!) der Luft nicht berücksichtigt wird. Dies ist bei der Theta-E-Karte hingegen der Fall. Die äusserst vereinfachte Formel, dass der Schnee ungefähr 300 Meter unter die Nullgradgrenze fällt, sollte deshalb nur angewendet werden, wenn die oben erwähnten Karten nicht zur Verfügung stehen.
- Editiert von Federwolke am 03.03.2006, 01:10 -

Sämi
 
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Beitragvon Sämi » Mo 2. Jan 2006, 01:58

Merci Fabienne für die ausführlichen Erklärungen.
Hast du dir das aufs neue Jahr vorgenommen. ;-)
Ich finds auf alle Fälle sehr hilfreich es auch an aktuellen Beispielen nocheinmal erklärt zu bekommen.
Warte schon gespannt auf weitere Modelle.

Grüess Sämi
Heiden, Bischofsberg, 940 M.ü.M.

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Beitragvon Daniela » Mo 2. Jan 2006, 14:28

Salut Fabienne, (guets Nois!)

vielen Dank für deine Ausführungen! =)

Beim Durchlesen sind bei mir spontan nur wenige Fragen aufgekommen:

6 Randtiefentwicklung, typischerweise an der Polarfront und auf der Trogvorderseite.

Wo ist die Trogvorderseite? Im Osten des Tiefs, weil es nach Osten wandern sollte? Oder von welchem Trog ist hier die Rede?

Das Geopotenzial wird vor allem in der Meteorologie für die Beschreibung der potenziellen Energie der Luft in einer bestimmten Höhe verwendet.
(wikipedia.org)

Hängt das Geopotential mit der Bewegungsfreiheit der Moleküle zusammen? (Volumenverkleinerung = höheres Geopotential?)

Ebenfalls kann damit abgeklärt werden, ob Niederschlagsgebiete über höhere Gebirgskämme hinweg getragen oder nur gestaut werden.

Würde in diesem Falle eine allfällige Front an den Alpen im Norden gestaut werden?

Das wärs dann auch schon. =)

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Beitragvon cyba » Mo 2. Jan 2006, 14:53

Hoi Daniela

Ich bin zwar nicht Federwolke (und auch kein Meteorologe), ich erlaube mir aber, die Frage

Hängt das Geopotential mit der Bewegungsfreiheit der Moleküle zusammen? (Volumenverkleinerung = höheres Geopotential?)


zu beantworten.

Für die potentielle Energie (das ist die Lageenergie) einer Masse m im Schwerefeld der Erde in Bezug auf Meeresniveau ergibt sich

E=mgz (1)

E ist die potentielle Energie, m die Masse, g die Erdbeschleunigung (in der Atmosphärenphysik sagt man, sie sei konstant bei 9.80665 m/qs und z die Höhe über Meer.

Das Geopotential G ist die potentielle Energie, die man auf eine Einheitsmasse von me=1 Kg bezieht. Man hat dann

G=E/me (2)

Wenn man jetzt (1) mit me in (2) einsetzt, erhält man

G=gz

mit Dimension: Energie pro Masseneinheit

mit Einheiten: qm/qs

Zu Deiner Frage: Das Geopotential ist nur von der Höhe abhängig (in der Meteorologie gilt g = konstant). Siehe dazu: geopotentielles Meter.

Ich denke, dies könnte eine passende Antwort auf Deine Frage sein und hoffe, Dir damit geholfen zu haben.

Grüsse

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Beitragvon Daniela » Mo 2. Jan 2006, 16:47

Salut cyba,

herzlichen Dank für deine logische Erklärung! =)

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Beitragvon Federwolke » Mo 2. Jan 2006, 17:55

Merci Cyba, besser hätt ich das auch nicht erklären können ;-);-):-D

An Daniela:

Der Trog (in der Karte mit Nr. 5 gekennzeichnet) umfasst die ganze grüne Ausstülpung (oder eben Austrogung) nach Süden. Da sich die Tröge und Keile in der Regel nach Osten bewegen, ist die Trogvorderseite im Osten, wie du richtig gefolgert hast. Es ist wichtig, die richtigen Bezeichnungen zu verwenden. Ein Trog kann mehrere Tiefs enthalten (wie in obigem Beispiel schön zu sehen ist).

Würde in diesem Falle eine allfällige Front an den Alpen im Norden gestaut werden?


Kannst du die Frage präzisieren? Ich weiss nicht, was du mit "in diesem Falle" meinst.

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Beitragvon Daniela » Mo 2. Jan 2006, 18:46

Salut Fabienne,

Ich hab da was Falsches gesehen. Gemeint hatte ich aber die Situation im Flachland am 01.01.06.
So wie ich das jetzt sehe, weht dort oben ein Westwind, d.h. Niederschlag wandert nach Osten?

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Beitragvon Federwolke » Mo 2. Jan 2006, 19:32

Hoi Daniela

Der oben gezeigte Fall ist etwas knifflig, weil die Schweiz genau in der Trogachse liegt. Würde in dieser Situation ein Niederschlagsgebiet durchziehen, könntest du wahrscheinlich auf dem Radarloop eine zyklonale Bewegung feststellen (Niederschlag zieht von WNW in die Schweiz und verlässt sie nach ENE). Mit der 500-er Karte kannst du aber nur ungefähr die Zugrichtung der Niederschläge ablesen und musst dabei bedenken, dass die Alpen eine stauende, bzw. ablenkende Wirkung ausüben. Meist ziehen die tiefen Wolken von SW nach NE, auch wenn in der Höhe ein strammer Westwind weht. Für die Zugrichtung des Niederschlags ist daher auch der Wind in 700 hPa und 850 hPa massgebend. Werde das entsprechende Beispiel noch oben anfügen, dann wird es sofort klarer :-)

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Beitragvon crosley » Di 3. Jan 2006, 12:01

@Federwolke und alle die sich daran beteiligen!

:-) Einfach GENIAL!! :-)

Vielen herzlichen Dank für Deine/Eure Erklährungen!

*sichtiefverbeugtundDANKEsagt*


Grüsse Crosley

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