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Sturm/Schnee 11.-13. November 2017

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Silas
 
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Re: Sturm/Schnee 11.-13. November 2017

Beitragvon Silas » So 12. Nov 2017, 21:25

Hallo zämä

Eine selten gesehene Kaltfront, wunderschön :unschuldig: ! Lehrbuchmässiger Druckverlauf:

Bild
Quelle: Wetterstation Oberthal

Was massiv unterschätzt wurde ist die bemerkenswerte Geschwindigkeit des Temperatursturzes, sodass im voralpinen Raum trotz Nachmittagstemperaturen bis 15 °C (z.B. Thun) bereits beim Einsetzen der Niederschläge mit Kaltfrontdurchgang Schnee dabei war!
Im Oberthal sank die Temperatur von 16:04 Uhr bis 16:14 Uhr innert 10 min von 8,0 auf 2,6 °C, wenig später wurde es frostig, währenddem 10 cm Schnee fielen.

Wie viele Blitze wohl mit dem Frontdurchgang registriert wurden? Ich habe bestimmt ein Dutzend mitbekommen.

Liebe Grüsse Silas
Zuletzt geändert von Silas am So 12. Nov 2017, 21:26, insgesamt 2-mal geändert.
Wetterstation Oberthal 850 m.ü.M.: http://silas.emmewetter.ch

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Willi
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Re: Sturm/Schnee 11.-13. November 2017

Beitragvon Willi » So 12. Nov 2017, 22:49

Wie viele Blitze wohl mit dem Frontdurchgang registriert wurden?

Hoi Silas, ich schätze knapp 3'000 Entladungen im Radarbereich 710x640 km. Davon nicht wenige im stratiformen Teil des Niederschlagsbandes, auf der Rückseite der stark konvektiven Frontlinie.

Quelle: http://www.metradar.ch/2009/tgn/blitzverlauf.php (3D-Radar, kostenpflichtig)
Bild

Anbei noch der Link zum schönen Radarloop der Front.
https://www.meteoschmid.ch/downloads/20 ... dradar.gif

Auffallend die schnelle Abschwächung der Frontlinie nach Erreichen des Mittellandes. Aber kollabieren tut die Linie nicht, sie bleibt bis weit in die Alpen hinein erhalten.

Gruss Willi

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Severestorms
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Re: Sturm/Schnee 11.-13. November 2017

Beitragvon Severestorms » So 12. Nov 2017, 23:42

Hier noch ein kleines Video vom Eintreffen der Front in Horgen ZH:
https://twitter.com/SturmarchivCH/statu ... 2262679553

Schwere Sturmböen oder gar Orkanböen waren es an meinem Standort zwar nicht und doch wurde es Schlag auf Schlag ziemlich ungemütlich, besonders für die Junioren-Fussballer.. :-D

Gruss Chris
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Federwolke
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Re: Sturm/Schnee 11.-13. November 2017

Beitragvon Federwolke » Mo 13. Nov 2017, 00:09

Willi hat geschrieben:Auffallend die schnelle Abschwächung der Frontlinie nach Erreichen des Mittellandes. Aber kollabieren tut die Linie nicht, sie bleibt bis weit in die Alpen hinein erhalten.


Mir fiel auf, dass diese "Abschwächung" genau zu dem Zeitpunkt auftrat, als der stärkste Niederschlag über das Albis-Radar zog. Wohl eher kein Zufall? Im Westen blieb die Front aktiver. Kann man auch damit erklären, dass die kälteste Luft in der Höhe über Frankreich und den Jura nach Süden vorstiess und dort die Labilität am stärksten war. Zollikofen mit 5.5, Wynau mit 5.3 und Koppigen mit 5.1 mm übrigens mit den höchsten 10min-Raten in der Deutschschweiz, nur im westlichen Jura, in Genf und Lausanne wurde noch intensiverer Niederschlag gemessen.

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Willi
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Re: Sturm/Schnee 11.-13. November 2017

Beitragvon Willi » Mo 13. Nov 2017, 07:42

Mir fiel auf, dass diese "Abschwächung" genau zu dem Zeitpunkt auftrat, als der stärkste Niederschlag über das Albis-Radar zog.

Das kann eine Erklärung sein, eine andere ist die reduzierte Sichtbarkeit in niederen Höhen. Gegen Westen ist das Gelände offen, und der Radar kann den schmelzenden Niederschlag auf Höhen um 1'000müM erfassen. In Richtung Süd wird das schwieriger resp. unmöglich aufgrund der Abschattung durch die Berge.

In Sellenbüren war der Durchzug der Frontlinie zahm. Eindrucksvoll hingegen die wiederholten Böller danach ("Blitzableiter" Uetlibergturm?).

Gruss Willi

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Re: Sturm/Schnee 11.-13. November 2017

Beitragvon Kaiko (Döttingen) » So 19. Nov 2017, 17:24

Bernhard Oker hat geschrieben:Gustnado auf dem Genfersee:
https://twitter.com/Meteos_/status/929759968710021120

Max. Mittelwind/Böen:
Bild

Gruss
Bernhard


Hoi zäme

Im Twittervideo ist der Wirbel an die Böenfront gekoppelt.

Andererseits treten Wasserteufel auch an Böenfronten auf wie hier beim Sturm Andrea auf dem Zürichsee:
http://www.sturmarchiv.ch/index.php?title=20120105_01_Wasserteufel_Z%C3%BCrichsee

Gustnado oder einfach nur Wasserteufel? Wo sind noch die Unterschiede?

Anbei noch 2 Webcambilder von 16:30Uhr von Chexbres und Vevey, welche den Wasserteufel oder den Gustnado erfasst haben:
Bild
https://chexbres.roundshot.com/
Bild
https://msap.roundshot.com/

Gruss Kaiko
Mitbetreiber des Sturmarchivs Schweiz und Wetterforscher aus Leidenschaft: http://www.sturmarchiv.ch/

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Severestorms
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Re: Sturm/Schnee 11.-13. November 2017

Beitragvon Severestorms » Do 1. Feb 2018, 16:24

Kaiko (Döttingen) hat geschrieben:
Bernhard Oker hat geschrieben:Gustnado auf dem Genfersee:
https://twitter.com/Meteos_/status/929759968710021120


Hoi zäme

Im Twittervideo ist der Wirbel an die Böenfront gekoppelt.

Andererseits treten Wasserteufel auch an Böenfronten auf wie hier beim Sturm Andrea auf dem Zürichsee:
http://www.sturmarchiv.ch/index.php?title=20120105_01_Wasserteufel_Z%C3%BCrichsee

Gustnado oder einfach nur Wasserteufel? Wo sind noch die Unterschiede?

Gruss Kaiko


Gute Frage. Ein Gustnado ist eigentlich eine Sonderform einer Kleintrombe. In der Regel entstehen Kleintromben in Folge bodennaher Überhitzung und einem initialen oder persistentem Drehimpuls (Staubteufel, Feuerteufel, Nebelteufel). Kleintromben können sich aber auch im Zuge einer Windkonvergenz entwickeln (v.a. Wasserteufel, Schneeteufel). Eine Böenfront ist ja im Prinzip auch nichts anderes als eine Windkonvergenz – eine die sich halt bewegt. Gustnadoes an Böenfronten beobachten wir hier in der Schweiz vor allem über Seen. Ich vermute, dass die Gustnado-Wirbel hierzulande zu schwach sind, um auch über Land sichtbar zu werden (wir haben keine Texas Panhandle Bodenbeschaffenheit).
Den dokumentierten Wirbel über dem Genfersee würde ich aufgrund der nahenden Böenfront als „Gustnado“ bezeichnen, man kann ihn aber auch einfach Wasserteufel nennen. Auf alle Fälle ist es eine Kleintrombe. Ein Gustnado ist von allen Kleintromben-Arten vermutlich die einzige, welche unter günstigen Umständen in eine Grosstrombe mutieren kann. Dann nämlich, wenn sich der Oberflächenwirbel unter einen starken Aufwind gerät und sich mit ihm verbindet.

Wenn ich die neuste Tornado-Theorie (http://www.wzforum.de/forum2/read.php?7 ... sg-3219079) zur Hand nehme, müsste es kurz vor der Geburt eines Tornados eigentlich auch eine (unsichtbare) Kleintrombe geben, welche bei der Bildung der Grosstrombe ihre Finger im Spiel hat.

Am 12. November 2017 waren es übrigens mind. zwei Gustnadoes, wie folgende Bilder belegen:
https://www.lematin.ch/news/Impressionn ... y/14869607

Gruss Chris
Zuletzt geändert von Severestorms am Do 1. Feb 2018, 18:52, insgesamt 2-mal geändert.
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