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Blitzforschung: Blitztypen (pos./neg./Sekundenblitz/etc.)

Grundlagen und Expertenwissen.
Matthias_BL
 
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Blitzforschung: Blitztypen (pos./neg./Sekundenblitz/etc.)

Beitragvon Matthias_BL » Do 28. Mai 2009, 08:46

Hello zäme,

Was haltet ihr davon ? Ist das "kalter Kaffee" und schon längt bekannt ? ...und gibt es irgendwelche vergleichbaren Daten/Untersuchungen hier im mitteleuropäischen Raum ? ("Blitzforschung" ?)

viele Grüsse
Matthias
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(Artikel von MSN: http://wissen.de.msn.com/article.aspx?c ... ageindex=1 Link verfällt vermutlich, deshalb hab ich hier kopiert.)

Jedes Jahr sterben in Brasilien zwischen 80 und 120 Menschen an Blitzschlag. In den USA sind es zwischen 60 und 80 Menschen. Forscher sind nun der zerstörerischen Kraft auf die Spur gekommen. Eine neue Art von Blitzen ist zerstörerischer als herkömmliche Entladungen, obwohl ihre Stromstärke schwächer ist.
Der Nachmittag auf dem Fußballplatz in Belo Oriente endete für vier junge Spieler tödlich. Als das Gewitter über der Kleinstadt heraufzog, verließen sie nicht wie angeordnet das Feld, sondern wollten unbedingt noch weiterspielen. Dann schlug der Blitz in eine nahe gelegene Starkstromleitung ein, und der mehrere Tausend Ampere starke Schlag erreichte den 16-jährigen Otávio und seine 14-jährigen Spielkameraden Cosme, Edson und Romário.

Die meisten Blitze weltweit
Jedes Jahr sterben in Brasilien zwischen 80 und 120 Menschen an Blitzschlag. In den USA sind es zwischen 60 und 80 Menschen. Die hohe Todesrate hängt zum einen damit zusammen, dass im flächenmäßig größten Land Südamerikas eben wegen seiner Größe und seiner Lage im tropischen Gürtel die meisten Blitze weltweit einschlagen: zwischen 50 und 60 Millionen zählt die brasilianische Statistik jedes Jahr. Zum anderen jedoch sind die Blitze hier stärker geladen und schlagen immer wieder an den gleichen Orten ein, die unglücklicherweise zu den am stärksten besiedelten Gebieten des Landes gehören. Die jährlichen Schäden durch Blitzschlag belaufen sich auf umgerechnet cirka 180 bis 360 Millionen Euro.

Starkblitz oder Sekundenblitz?
Forscher das Nationalen Instituts für Raumforschung (Inpe) im Bundesstaat São Paulo sind nun der zerstörerischen Kraft auf die Spur gekommen. "Wir erleben in Brasilien eine Kombination aus zwei Blitzsorten – dem Starkblitz, der zwischen 20 000 und sogar bis zu 100 000 Ampere Ladung erreichen kann und etwa eine Millisekunde dauert, und einem "corrente contínua", der zwar mit nur etwa 100 bis 200 Ampere Ladung sehr schwach ist, dafür aber bis zu einer halben Sekunde dauern kann", erklärt Osmar Pinto Júnior, Leiter der Studie, die das Phänomen des "Sekundenblitzes" beschreibt. Seit zwei Jahren sind die Forscher dem Sekundenblitz auf der Spur. Aber erst seit Jahresbeginn 2009, im brasilianischen Hochsommer zwischen Januar und März, setzen die Forscher ein dreistufiges System zur Erforschung der Blitze ein.

Den Blitzen auf der Spur
Zusätzlich zu den Messungen mit Hochgeschwindigkeitskameras, die etwa 1000 Bilder in der Sekunde vom Blitz schießen und der nationalen Blitzdatenbank, die die Einschläge verzeichnet, nutzen die Forscher nun niedrigfrequente Elektronensensoren zur Blitzmessung. "Wir konnten anhand der Datenbank feststellen, dass in Brasilien Blitze häufig immer wieder an der gleichen Stelle einschlagen", sagt Pinto Júnior. "An manchen dieser Orte setzen wir jetzt die Elektronensensoren ein." Vor allem im Süden des Landes sind Blitzeinschläge häufig. "Woran die Konzentration auf diese Orte liegt, können wir noch nicht genau sagen. Fest steht aber, dass es sich im Vergleich zu anderen Landesteilen vermehrt um Sekundenblitze handelt."

Stromnetze lahmgelegt
Da der Süden des Landes mit den Bundesstaaten São Paulo und Rio de Janeiro der dichtest besiedelte Teil des Landes ist, verursachen hier die Blitze auch die größten Schäden, zumal zahlreiche Leitungen oberirdisch verlaufen. "Ein Sekundenblitz kann, trotz seiner geringen Einzelleistung, ganze Telekommunikationsnetzwerke und Stromnetze zerstören", berichtet Wissenschaftler Pinto, der sich seit 30 Jahren mit der Blitzforschung beschäftigt. "Ein Baum kann den Einschlag eines Starkblitzes überstehen, ohne in Flammen aufzugehen. Wenn er jedoch von einem Sekundenblitz getroffen wird, ist hinterher nichts mehr von ihm übrig."

Phänomen weiterhin ungeklärt
Die ersten Ergebnisse zu den Dauerblitzen stammen aus Beobachtungen aus dem Bundesstaat São Paulo. Bis zum Jahresende sollen aber auch Messstationen in den südlichen, besonders stark betroffenen Bundesstaaten aufgebaut werden. "Wir wissen aus den bisherigen Daten, dass die Intensität der Einschläge bis zu zweimal stärker ist als in den USA. Aber wir brauchen eine größere Datenbasis, um Erklärungen für das Phänomen zu finden."

Die Inpe-Forscher vermuten, dass klimatische Veränderungen, die Erderwärmung, für das Phänomen verantwortlich sein könnten. "Aber das ist bislang nur eine Hypothese", erklärt Pinto. Sobald mehr Daten aus anderen Gebieten Brasiliens vorliegen, will sich Inpe der Entwicklung von Schutzschildern für die Telekommunikations- und Stromleitungen widmen, um die enormen wirtschaftlichen Schäden zu begrenzen.
Zuletzt geändert von Severestorms am Mo 4. Jun 2012, 11:38, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel angepasst (ursprünglicher Titel war "Neue Art von zerstörerischen Blitzen entdeckt")

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Re: Neue Art von zerstörerischen Blitzen entdeckt

Beitragvon Slep » Do 28. Mai 2009, 18:53

Ein interessanter Artikel.
In diesem Zusammenhang habe ich etwas interessantes festgestellt von meiner jahrelangen Beobachtungen von Gewittern:-
Ich habe bemerkt, dass manchmal ein sehr schneller Erdblitz extrem laut sein kann - auch in der Ferne. Hingegen sind manche "Sekundenblitze" (wie oben beschrieben) nicht ganz so laut sind als man erwartet.
Ein Beispiel von beiden: letztes Jahr (Ich weiss nicht mehr genau wann) sah ich einen schnellen Erdblitz weit weg im Süden. Ich war in Winterthur und dachte, es müsste bei Hörnli sein. Aber nein, erst anderthalb Minuten später kam ein noch ziemlich lauter Rumpler. Laut blids kam das aus der Linthebene! d.h. ca.30km weg!
Und dann im Gegenteil, im Monstergewitter vom 8.Mai 03 sah ich wie ein `lang andauernder`Blitz den Wald bei Brütten traf, etwa anderthalb km von mir. Ich erwartete einen Riesenknall, aber es kam tatsächlich nur zu einem mässigen Donner.

Vielleicht haben andere ähnliches festgestellt?
You don`t have to be a total nutter of a weather freak to be on this forum - but it helps.

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Re: Neue Art von zerstörerischen Blitzen entdeckt

Beitragvon Cyrill » Sa 6. Jun 2009, 23:58

Hallo
Ein sehr interessanter Artikel in Bezug auf die Forschungen in Brasilien. Ich glaube eher nicht, dass die Intensität mit der Erderwärmung usw. zu tun hat, sondern hege den Verdacht auf etwas anderes...
Vorerst ist dabei zu vergegenwärtigen, dass es grundsätzlich zwei Blitzarten gibt: negative und positive. Die meist verästelten negativen Entladungen erfolgen durch die Selektion einiger (von mehreren) Fangladungen, während positive Blitze meist aus nur einem Kanal bestehen und aus einer positiv geladenen Wolkenregion stammen. Die Forschung ist sich inzwischen relativ einig, dass negative Blitze rd. 20-50'000 Ampère erreichen, positive aber das 8-10-fache, d.h. rd. 250'000 Ampère. Nun gibt es Beobachtungen und eine Studie eines Wissenschaftlers über Extrementladungen. Er nennt sie Megablitze und vermutet Stromstärken von rd. 500'000 Ampère. Die dabei erzeugten Donner sind über rd. 40 km zu hören und muten einem so laut an, als wäre es in der Nähe. In meinen 11 Chasingjahrenund tausenden beobachteten Blitze, sah ich bisher höchsten 8-10 solche furchteinflössenden Knaller. Der letzte erlebte ich am 01.08.08 um ca. 08 15 Uhr auf dem Bözberg. Gem. BLIDS war er ca. 1,5 km - 2 km weit weg und im Restaurant zitterte alles wie bei einem Erdbeben. Flaschen und Gläser klirrten in der Bar, sowie die Fensterscheiben...ich glaubte auch der ganze Fussboden.
Da ist dieser von mir gefilmte Naheinschlag von knapp 100 Metern Distanz ein "Pfupf" dagegen: http://www.youtube.com/watch?v=Zkz_fzHY ... re=channel

Letztes Jahr beobachtete ich einen positiven Blitz östlich von Karlsruhe, als ich mit Ralph am Telefon war. Er sah ihn simultan über hunderte von Kilometern, mehr noch, ein bläulicher Schimmer eines Blue Jets glaubte er dabei gesehen zu haben. Meine Überzeugung in Bezug auf Megablitze geht je länger je mehr in die Richtung, dass Red-Sprites und Blue Jets ihren Einfluss haben und enorme Energien aus der Ionosphäre transportieren. Dieses noch unerforschte Phänomen wurde von der NASA aus dem Weltraum beobachtet.

Gruss Cyrill
Zuletzt geändert von Cyrill am Mo 8. Jun 2009, 02:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Neue Art von zerstörerischen Blitzen entdeckt

Beitragvon Hammer » Di 9. Jun 2009, 11:42

Hmm.. Also ich würde sagen in diesem Artikel von Matthias ist bloss die Rede von Positiv- und Negativblitz. Denn dies würde die Dauer und Intensität eines sogenannten "Sekundeblitzes" erklären. Oder liege ich da falsch?

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Re: Neue Art von zerstörerischen Blitzen entdeckt

Beitragvon Amboss » Sa 4. Jul 2009, 19:37

In der Tat sehr eine interessante Sache!
Ich arbeite in einem Hochspannungslabor bei einem grossen Elektrotechnikkonzern. Wir stellen Überspannungsableiter her, welche Leitungen, Transformatoren, Schaltanlagen etc. vor Blitzüberspannungen schützen sollen. Meine Aufgabe ist es, Versuche mit Blitzstössen zu machen.
Lange Rede kurzer Sinn: Wir erzeugen bei uns Blitze von bis zu 1'000'000Volt und 200'000Ampere. Und auch dies ist nur ein "Pfupf" im Vergleich zu einem echten Blitz.
Ganz wichtig ist die Impulsform: Jeder Blitz, egal ob langsam oder schnell, beschreibt einen Impuls. Nach einer bestimmten Zeit ist der grösste Strom erreicht, danach geht die Stromstärke zurück. Nach langen Beobachtungen hat sich gezeigt, dass der 0815- Ottonormalverbraucher Blitz eine Impulsform von 8/20 (8 Mikrosekunden bis zur Spitze, 20 Mikrosekunden bis zum Halbwert) bei 20'000Ampere aufweist. Ein sogenannter "Jahrhundertblitz" bringt es auf 4/10 bei 100'000Ampere und mehr. Dies sind aber wie gesagt, nur Mittelwerte.
Um die elektrische Leistung zu ermitteln, rechnet man P=UxI Spannung mal Strom ergibt die Leistung in W oder kW. In der Tat ist es ja so, dass "Sekundenblitze" oft als Brandstifter verantwortlich sind. Die Ströme sind zwar eher niedrig, aber die Einwirkdauer auf ein Objekt ist lang. Im Volksmund wird oft zwischen "warmem und kaltem Blitz" unterschieden. Ein kalter Blitz führt zwar sehr viel mehr Strom, jedoch ist die Einwirkdauer oft zu kurz um grossen Schaden anzurichten. Oft werden sogar nur ein paar Ziegel vom Dach gewischt.

Ich könnte mir nun vorstellen, dass es sich bei diesen "neuen" Blitzen um solche mit sehr grossem Strom UND langer Einwirkdauer handelt. Oder: es handelt sich um einen kurzen, schnellen Blitz mit bis jetzt selten beobachteter extrem grosser Stromstärke.

Sehr spannendes Thema! ;)

Gruess
Denis
Buchs AG bei Aarau 383müM, Naheinschläge machen taub aber glücklich! ;-)

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Re: Blitzforschung: Blitztypen (pos./neg./Sekundenblitz/etc.

Beitragvon Cyrill » Di 30. Jul 2013, 23:34

Stormchaser in space!

Der Astronautin Karen L. Nyberg gelangen am 21.07.2013 (?) aus der ISS, beim Überfliegen der USA, spektakuläre Bilder, die im Tages Anzeiger gestern veröffentlicht wurden.

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natu ... y/29611686

Bild

Aus meiner Sicht ist dies das schönste Bild eines red sprite, welches ich bisher zu Gesicht bekam.

Gruss Cyrill
Zuletzt geändert von Cyrill am Di 30. Jul 2013, 23:37, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Blitzforschung: Blitztypen (pos./neg./Sekundenblitz/etc.

Beitragvon flowi » Sa 3. Aug 2013, 09:25

Ein Blitzschlagopfer mit "gegarter Brustmuskulatur unter intakter Haut" auf dem Obduktionstisch veranlasst einen Rechtsmediziner dazu, nachzuforschen, "auf welche Art und Weise ein Blitz Menschen schädigen kann" ...

http://www.badische-zeitung.de/bildung- ... in-deckung

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Re: Blitzforschung: Blitztypen (pos./neg./Sekundenblitz/etc.

Beitragvon Cedric » So 4. Aug 2013, 20:27

"Zwei Millionen Blitze

Alljährlich entladen sich über Deutschland rund zwei Millionen Blitze meist in den Sommermonaten, von denen nur etwa jeder Zehnte die Erde erreicht. Der Rest zuckt zwischen den Wolken hin und her oder von ihnen nach oben in höhere Atmosphärenschichten."

Beim 3D Radar (kostenpflichtig) erscheinen aber meist mehrheitlich CGs, im Laufe des Nachmittags entwickeln sich dann sehr oft zunehmend CCs, die dann auch die Mehrheit bilden.
So z.B. auch heute. Wieso eigentlich?
Bild
http://www.metradar.ch/2009/tgn/blitzverlauf.php
Allschwil

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Re: Blitzforschung: Blitztypen (pos./neg./Sekundenblitz/etc.

Beitragvon Federwolke » Di 6. Aug 2013, 01:20

Das Verhältnis von CC zu CG-Blitzen hängt nicht primär von der Tageszeit ab, sondern vom Entwicklungsstadium der Gewitter. Ein Übergewicht an CGs ist typisch für kurzlebige Einzelzellen. Je älter ein Gewittersystem wird, umso mehr nehmen die CC-Blitze überhand. Ist eine logische Folge der Verclusterung: Je mehr Zellen involviert sind, umso heftiger ist der Energieaustausch zwischen diesen. Da die Clusterbildung eine gewisse Zeit benötigt ist es klar, dass am Abend und in der Nacht mehr CC-Blitze auftreten als am Nachmittag, wo die Systeme häufiger noch in der Entwicklungsphase sind.
Zuletzt geändert von Federwolke am Di 6. Aug 2013, 01:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Blitzforschung: Blitztypen (pos./neg./Sekundenblitz/etc.

Beitragvon Federwolke » Sa 30. Apr 2016, 21:49

Letzten Mittwoch schlug bei Essen ein Blitz mit rund 400 kA ein. Warum man es bei extrem starken Blitzen wie diesen nicht ganz genau weiss, erklärt dieser Artikel:
http://www.derwesten.de/staedte/essen/m ... 78676.html

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