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Blitzforschung: Ursache der Blitzauslösung

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Blitzfotograf
 
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Blitzforschung: Ursache der Blitzauslösung

Beitragvon Blitzfotograf » Do 25. Sep 2008, 11:02

[Edit: Ursprünglicher Titel: "Warum war das Gewitter vom 31.08. auf den 01.09.2008 so Blitzintensiv??"]

Ich frage und wundere mich auch noch heute, was waren die Gründe für diese extreme Blitzintensität! Das war eines der Blitzintensivsten Gewitter das ich bis jetzt erleben durfte. Für mich als Blitzjäger war das natürlich eine ganz spannende Nacht!!

Eine Vermutung könnte sein, dass eventuell diese Kosmischen Teilchen daran schuld waren. Willi hatte am 27.07.2005 einen sehr interessanten aus der NZZ ins Forum gestellt:
http://www.nzz.ch/2005/07/27/ft/articleCZH2F.html (verfällt)

Bekanntlich haben ja die Sonnenwinde auch einen sehr grossen Einfluss auf die Nordlichter. Diese Kosmischen Teilchen sollen diese schönen Nordlichter auslösen. Das heisst je aktiver die Sonnenwinde sind, desto mehr Nordlichter treten auf der Erde auf. Man könnte ja da gewisse Parallelen zwischen den Nordlichter und den Blitzen ziehen.

Jetzt habe ich aber gerade in einen Bericht aus dem Bluewin gelesen, dass die Sonnenwinde die niedrigsten Werte seit Beginn der wissenschaftlichen Auswertung in den 1960er Jahren erreicht haben!
Bericht: http://www.bluewin.ch/de/index.php/26,8 ... schrumpft/ (verfällt)

Moment, das würde jetzt bedeuten dass im Moment weniger Polarlichter und Blitze erzeugt würden?! Da ja weniger von diesen Kosmischen Teilchen auf unsere Erde treffen. Mich verwundert jetzt das ganze wirklich dass jetzt trotzdem in dieser Nacht vom 31.08. auf den 01.09.2008 so viele Blitze gegeben hat! Weis jemand mehr darüber Bescheid?? Gibt es irgendwo Erklärungen darüber?? Vielen Dank für eure Antworten!

Schöni Grüess
Chris
Blitzfotos:
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/524926

- Editiert von Christian Matthys am 25.09.2008, 13:18 -
Zuletzt geändert von Severestorms am Di 17. Feb 2009, 01:17, insgesamt 1-mal geändert.

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Severestorms
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Warum war das Gewitter vom 31.08. auf den 01.09.2008 so Blitzintensiv??

Beitragvon Severestorms » Do 25. Sep 2008, 13:13

Hallo Namensvetter

Diese Frage habe ich mir auch gestellt.

Kosmische Strahlenschauer haben ihren Ursprung nicht nur in den Sonnenwinden: Kosmische Strahlung

Galaktische kosmische Strahlung kann z.B. auch von einer Schockfront eines schwarzen Lochs ausgehen. Hmm.. der Teilchenbeschleuniger im CERN wurde aber erst am 10. September in Betrieb genommen.. ;-)

Physikalisch betrachtet scheint letztendlich ein sogenannter Runaway Electron Breakdown für die Blitzauslösung verantwortlich zu sein. Auch wenn in den letzten Jahren dank intensiver Forschungen einige Fragen gelöst werden konnten, so bleibt Einiges im Zusammenhang mit der Blitzauslösung in Gewitterwolken rätselhaft.

Hier eine sehr interessante Seite die ich gefunden habe über ein Forschungsprojekt, welches sich genau mit diesem Thema befasst:
MARIACHI (Kurzinfo)

Und der Springer Verlag in New York hat vor drei Jahren ein Buch herausgebracht mit dem Titel
High-Frequency Radio Emission of the Lightning Discharge (Vorschau)

Gruss Chrigi
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crosley
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Warum war das Gewitter vom 31.08. auf den 01.09.2008 so Blitzintensiv??

Beitragvon crosley » Do 25. Sep 2008, 13:35

Hoi Chris

Schwierige Frage. Ich kann nur von meinen persönlichen Erfahrungen bei der Beobachtung von Gewittern sprechen. Bei den Beobachtungen von Superzellen ist meine Erfahrung aber sehr klein. Die Angaben sind also sicher nicht representativ, aber ich muss mich auf das was ich bis jetzt erlebt habe stützen.

Abgesehen von dem was auch immer zur Auslösung von Blitzen führt (siehe Links im Obigen Post), kann ich nur zur Intensität der Blitzrate etwas sagen.
Superzellen (erst gerade 3 beobachtet): Diese waren alle im Vergleich zu anderen Gewittern, eher Bescheiden mit der Blitzrate.
Einzellzellen: mittlere Blitzrate
Multizellen: mittlere bis hohe Blitzrate
Dies nur eine festgestellte grobe Tendenz, entspricht sicher nicht für jeden einzelnen Gewittertyp, welcher von mir beobachtet wurde (Ausnhamen gibt es ja immer). Und einen Messwert für die Blitzrate haben wir ja auch nicht.

Zudem habe ich in den letzten Jahren beoachtet, dass insbesondere im Wachstumsstadion einer Gewitterzelle (sie ist aber bereits Blitzaktiv) am meisten Blitze nieder gehen. Wenn die Zelle das Reifestadium erreicht hat, nimmt die Blitzrate eher wieder etwas ab, hält sich dann in etwa auf dem Niveau und Endet schlussendlich bei der Auflösung der Zelle.

Wenn ich nun an den 31.8./01.09.2008 zurück denke, so hatten wir zuerst zwischen Solothurn und Olten eine einzelne Zelle, welche sich dann aber zur Multizelle entwickelte. Über der Grossregion Olten/Aarau kamm es dann während etwa 3-4 Stunden immer wieder zu Neubildungen. Insofern deckt sich die hohe Blitzrate mit meinen Beobachtungen (Multizellen und Neubildung) im Bezug zur Blitzintenstät.... Es ist oder kann aber wohl nicht der einzige Faktor gewesen sein. Es ist für mich ebenfalls ein (erfreuliches) Rätsel, wieso es in dieser Nacht so ein wirklich überdurchschnittliches Feuerwerk gab.

Des weiteren habe ich auch bei Multizellen beobachtet, dass im Bezug zur Blitzintensität zwischen den einzellnen Zellen, eine Art "Verbindung" besteht. Hatte eine Zelle in einem Verband von mehreren Zellen, die "Zündung" ausgelöst, so übertrug sich dies auf die anderen Zellen. So auch mit der Blitzrate, war eine Zelle Blitzaktiv, übertrug es dies auch auf andere Zellen. Die Blitze gingen dann mehrheitlich auch abwechslungsweise in den einzellnen Zellen nieder. Also ein Blitz in der einen, anschliessend ein Blitz in der anderen Zelle und so weiter. Sie wechselten sich regelrecht ab.

Nochmals, dies sind nur persönliche Erfahrungen und beruhen zum Teil auch auf noch nicht oft beobachtete Gewitterarten. Diese Angaben sind also nur bedingt zu werten und wiederspiegeln keine representative Vergleichstudie!

Grüsse Crosley
- Editiert von Crosley am 25.09.2008, 13:40 -

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Blitzauslösung (Ursachenforschung)

Beitragvon Severestorms » Fr 26. Sep 2008, 00:42

Für diejenigen, welche Datenvergleiche anstellen möchten/können..

Nicht nur die Nacht vom 31.08. auf den 01.09.2008 war besonders blitzreich, sondern z.B. auch die Nacht vom 21. auf den 22.07.2004 (in zwei Fronten) und die Nacht vom 23. auf den 24.07.2004. Zumindest hier im Zürcher Unterland. In allen drei Fällen kamen die Blitze aus einer Multizellenlinie (im Fall vor 3 1/2 Wochen eher aus einem Multizellenbogen).

Bild
Quelle: http://www.meteocom.ch/new/Fr/9_Fr_Situ ... -tout.html


Am Morgen des 24.07.2004 kam es auf der Alpensüdseite ebenfalls zu einem sehr blitzintensiven Gewittercluster (MCS):

Bild
Quelle: http://www.meteocom.ch/new/Fr/9_Fr_Situ ... -tout.html

Gruss Chrigi
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Blitzauslösung (Ursachenforschung)

Beitragvon Christian Schlieren » Fr 26. Sep 2008, 16:56

@Chrigi

An diese Blitzgewitter kann ich mich noch sehr gut Erinnern den Besonders die Erste Zelle hatte eine Blitzfrequenz von bis zu 2-3 Blitze/sec das wahr das Blitzintensivste Gewitter das ich je Erlebt habe.
Aber sonst wahr es zumindest bei uns ein Harmloses Gewitter.
Ich wünschte mir noch mehr von diser sorte :-O

Gruss
Christian Schlieren bei Zürich 393 M.ü.M

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Blitzauslösung (Ursachenforschung)

Beitragvon Blitzfotograf » Sa 27. Sep 2008, 19:30

@Chrigi (Namensvetter) Besten Dank für diese interessanten Forschungsberichte in Deinem ersten Post! Es war sehr spannend diese zu lesen, obwohl ich nicht ganz alles verstanden habe:-) Ich bin sehr gespannt auf weitere Forschungsergebnisse! Für weiter solche Berichte wäre ich natürlich sehr dankbar!

@Crosley Besten Dank für Deine ausführlichen Schilderungen Deiner Beobachtungen. Frage, was war damals der genaue Grund, der zur Bildung dieser Multizellen geführt hat? Es war ja an diem Abend gar nicht mehr soviel Energie vorhanden oder etwa doch?
Ich vermute dieses Zünden von der einten Zelle zu der nächstgelegenen könnte durch den Ladungsträgertausch ausgelöst werden. Durch die Blitze werden ja Ladungsträger (Elektronen verschoben) in einem sehr kurzen Moment werden Teile der Wolke umgepolt. (Plus und Minus getauscht) Plötzlich liegt dann ein Teil in der umgepolten Position zur nächstgelegenen Zelle. Wenn dann der Abstand zum Zünden des Vorblitzes stimmt, genügt das vermutlich zur Auslösung einer ganzen Kettenreaktion von Blitzen.
Das sind jetzt natürlich reine Spekulationen und Vermutungen zu diesen Vorgängen, das ich jetzt nicht Belegen kann.

Hat jemand in diesen beiden Blitzintensiven Gewitter die Feldstärken gemessen? Mit einer Feldmühle könnte man dies ja messen. Das wäre aus meiner sicher auch noch ein Faktor den man unbedingt anschauen müsste.

Für mich wäre es für die Zukunft sehr interessant zu wissen, wann mit einer grossen Blitzaktivität zu rechnen ist. Und das zwar schon sehr Frühzeitig Voraus! Eine sogenannte Vorwarnung für Gewitter mit grosser Blitzintensität, das wäre für mich als Blitzjäger eine ganz tolle Sache!

Schöne Grüsse aus Trimbach
Chris

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Re: Blitzauslösung (Ursachenforschung)

Beitragvon Cyrill » Do 5. Mär 2009, 14:08

Christian Schlieren hat geschrieben:@Chrigi

An diese Blitzgewitter kann ich mich noch sehr gut Erinnern den Besonders die Erste Zelle hatte eine Blitzfrequenz von bis zu 2-3 Blitze/sec das wahr das Blitzintensivste Gewitter das ich je Erlebt habe.


Hallo Christian
Ich pflichte Dir bei: Es war einfach DAS Hammergewitter :-D Einfach unvergesslich! Wohl war die Blitzfrequenz am 11.05.2000 ähnlich hoch, sowie am 29.05.2008. Doch letztere Zelle erhöhte die Frequenz erst über dem Schwarzwald auf ihrem Weg nach NW - und rd. 90% waren CC's. Die Blitze in der Nacht vom 21. - 22.07.2004 kommentierte erstaunt mein Chasingbegleiter mit offenem Mund wie folgt. "Strobo, eehhh! Wie in der Disco!"
Aber was sollen viele Worte; hier poste ich den Video von diesem Tag, den ich auf YouTube stellte. Die Bilder sprechen für sich:
Der westliche Ausläufer der ersten Front erreichte uns noch vor Mitternacht, bei meinem Spotterplatz "Hohentengen". Im Video Timecode 0:27 - 0:40 (mit dem schönen CG).
Mein zweiter, sogar trockener Standort war nahe der deutschen Grenze vor Schaffhausen, als die zweite Welle kam (Video Timecode 0:55 - 3:06)
Danach versuchte ich eine nördlich vorbeiziehende Zelle vor Stuttgart abzufangen, mit Erfolg, wie die beiden Naheinschläge TC 0:04 und 0:17 zeigen.
http://www.youtube.com/watch?v=9t7mcLfdmbI&feature=user

@ Christian Matthys
Hoi Chrigi. Danke für die Flashes-Karten.

Grüsse, Cyrill

Markus (Horw)
 
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Forschung: Gewitter produzieren Gammastrahlenblitze (TGF)

Beitragvon Markus (Horw) » Mi 12. Jan 2011, 22:51

Habe vorhin auf Spaceweather.com folgende Schlagzeile gefunden:

Gewitter produzieren Antimaterie


http://science.nasa.gov/science-news/sc ... ntimatter/

Was haltet Ihr davon.
Zuletzt geändert von Severestorms am Do 13. Jan 2011, 18:01, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Anpassung des Titels und in passenden Thread verschoben
Markus Burch

Urbi
 

Re: Nasa Meldung: Gewitter produzieren Antimaterie

Beitragvon Urbi » Do 13. Jan 2011, 08:51

.

Gewitterwolken erzeugen Antimaterie
Fermi-Observatorium der NASA belegt Quelle von Positronen in Gewitterstürmen

scinexx.de


Satellit entdeckt Antimaterie über Gewitterwolken
Spiegel Online


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Nachtrag 23. Jan.

Den NZZ Artikel unten Online
http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergru ... 43239.html


Potzblitz und Donnerwetter
Gewitter - Geheimnisvolle Mächte des Himmels

http://www.scinexx.de/dossier-77-1.html


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Nachtrag 23. Jan.

Der NZZ Artikel Online
http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergru ... 43239.html
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Grüsse
Urbi
Zuletzt geändert von Urbi am So 23. Jan 2011, 09:26, insgesamt 3-mal geändert.

Damaro, Bern
 

Interessanter Artikel über Antimaterie aus Gewitterwolken

Beitragvon Damaro, Bern » Mi 19. Jan 2011, 17:47

Habe schon lange nichts mehr gepostet ;) Heute sieht dies jedoch anders aus :)
Diesen Artikel habe ich heute in der NZZ gelesen.
Ich habe ein Abo bei der NZZ, deshalb stehen mir die Screenshots der Zeitung zur Verfügung.

Bild
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Liebe Grüsse

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