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Estofex Surface Observations

Grundlagen und Expertenwissen.
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Cyrill
 
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Re: Estofex Surface Observations

Beitragvon Cyrill » Di 7. Jun 2016, 01:37

Hoi Fabienne

Klar.. Shake hands..! Ich will mich hier im Forum (auch sonst nirgends) mit niemandem streiten - und wenn man die Stelle mit den SRF-Meteorologen im Konjuktiv versteht (statt "sind" > "wären"), dann macht Deine Aussage und Erklärung durchaus Sinn.
Natürlich bin ich schon einige Zeit im Forum dabei und meine Dich auch zu kennen. Jedenfalls erinnere ich mich an ein sehr erbauliches Gespräch mit Dir beim Forumtreffen bei Meteo Blue in Basel (muss 2010 oder 2011 gewesen sein), wo ich Dir meine Theorie und Vermutungen über die Verteilung von Blitzen innerhalb einer Gewitterwolke erläuterte (Verhältnis zwischen positiven und negativen Blitzen, Schluss-CGs usw.), was Du interessant fandest - (und ich kürzlich hier im Forum über den inzwischen etwas fortgeschritteneren Erkenntisstand schrieb). Unvergesslich Deine Hammerarbeit über den Joran (2013). Zudem schätze ich die Offenheit, mit der Du inzwischen auch eigene Fehleinschätzungen zugibst, was eine Form von Selbstachtung und Gelassenheit bedeutet. Wenn ich Dir handkehrum gewisse, aus meiner Sicht völlig unnötige, spitze Bemerkungen aus Deiner Perspektive andichte, dann will ich mich hier (deshalb öffentlich) entschuldigen und mich darum bemühen Deine Formulierungen nicht so zu interpretieren, wie es beim mir ankommt, sondern mir vorzustellen, wie es Du gemeint haben magst. Sonst frage ich einfach.....
Weisst Du, als gelernter Werbefotograf war ich in den frühen 80er-Jahren nahezu genötigt, mich mit einem Publikum an Vernissagen abzugeben, die in schwülstigen, distinguierten Endlosmonologen herausstrichen, was sie als ADs und CDs (damals ganz neue Begriffe für Art Directors und Creativ Directors) so besonders macht und man fühlte sich direkt in einen Woody Allen-Film versetzt, in denen dieses Gehabe oft persifliert wird. Es war geschäftlich (ich war selbständiger Fotograf und freier Journalist) vonnöten; aber wenn ich konnte, blieb ich fern. Besonders an solchen Anlässen sprach man über aktuelle Themen, auch über den Klimawandel - vor 30 Jahren ! - ; und in diesem Zusammenhang erzähle ich gerne die nette, kleine Anekdote, als an einer Vernissage eine Teilnehmerin voll ins Fettnäpfchen trat, indem sie eben so distinguiert sagte: "Jaja, das mit dieser gravierenden Veränderung des Klimakteriums ist schon beachtlich!" :lol: :help:

Ich wage aber nicht darüber zu urteilen, ob dies ebenso peinlich ist, wenn ein ausgebildeter Meteorologe den Unterschied zwischen Theta e und Theta w nicht kennt. Dank Lukas' Link gewann ich nun etwas mehr Einblick in die Unterschiede und mit Deinem Vergleich der Temperatur des Niederschlags (Regen) kann ich im Moment (um ehrlich zu sein) nicht viel anfangen, weil es neue Fragen aufwirft.... (z.B. ist die Art der Meteore - z.B. Hagel - folgerichtig aus der Theta w Berechnung ableitbar; allenfalls sogar die Korngrösse, oder die zu erwartende Menge? Usw.)
Aus meiner Sicht ist das schönste Beispiel wie ein Forum funktionieren kann und Fachwissen verteilt und vermehrt mit dem Fachbegriff "V-Shape" verbunden. Andreas - Winterthur - griff es in einem Zusammenhang am 03.09.2008 (nach langer "Winterpause" im Forum; zuletzt ca. 2004 erwähnt) wieder auf: " Aktuell auf dem Satbild eine klassische V-Shape Struktur: ..."
viewtopic.php?p=92306#p92306
....., setzte für weitere Infos einen Link.....
http://www.theweatherprediction.com/habyhints2/361/
...den sich u.a. Chris zu Gemüte führte (damals noch aktiver Stormchaser und Laie) und sein Wissen erweitern konnte (s. "quasistationäre Front...." etc.
viewtopic.php?p=92315#p92315

Andreas - Winterthur - hat am 04.09.2008 in einem Umzugskarton nach Fachliteratur gegraben, wurde fündig und eröffnete zu diesem spannenden Thema einen eigenen Thread:
viewtopic.php?p=92337#p92337

...der von den Moderatoren später in "Cold Ring-Shape, Cold U/V-Shape, Enhanced V with strong storm" umbenannt wurde.

Es entstand eine angeregte und spannende Diskussion über dieses Thema, an dem ich mich am 04.09.2018 als Laie auch beteiligte und viel in Erfahrung brachte, auch viel Theorie, um sie in der Praxis zu erproben.

5-Tages-Summe, Starkniederschlag im Tessin, 06.-07.09.2008: 653 mm (Info von Andreas - Winterthur -)
viewtopic.php?p=92561#p92561

Dies entstand u.a. durch ein quasistationäres System südlich der Alpen, mit einer deutlichen V-Struktur. Ich versuchte am 07.09.2008 aufgrund der gelesenen und studierten Theorie praktische Erfahrungen zu sammeln und machte (Zitat) "eine Probe auf Exempel" und fuhr nach Norditalien. Hier meine aufschlussreiche Analyse über mein Chasing:
viewtopic.php?p=92626#p92626

Natürlich könnte man hier wieder bemängeln, wir hätten mit Fachbegriffen um uns geschmissen; aber wie sich später nach meinen Recherchen herausstellen sollte, können V-Shape-Entwicklungen sogar aus den Wetterkarten heraus interpretiert werden, mit einer etwas unüblichen Methode vielleicht, aber sehr effizient. Jedenfalls ist die Ermittlung eines Cold-Ring-, oder V-/U-Shape-Systems für einen Stormchaser von enormer Bedeutung, wenn er seine Jagdstrategie in der Vorbereitungsphase aufgrund der Kartenlage ermittelt. Die Erfolge anfangs November 2011 mit Andreas - Winterthur - und Dr. Funnel in Südfrankreich und mit Philippe, Christian und Roland in Norditalien (2013) gehen auf ein akribisches Studium von Wetterdaten zurück - und ich nenne dies eine "Kunst", einige hundert Kilometer von zuhause weg eine Gewitterlinie so genau im Vorfeld zu berechnen, dass von Novara bis in die Cinque Terre wir praktisch 11 1/2 Stunden lang nonstop (!) an dieser Linie (übrigens im Genueser Becken mit V-Struktur) dran waren, so exakt, dass um ca. 03 30 Uhr, als Philippe ins Hotel ging, um nach freien Zimmern zu fragen, nur gerade rd. 100 Meter neben uns, die wir im Auto warteten ein gewaltiger CG in den Boden einschlug.
Es lohnt sich wirklich, als Laie und Chaser sich mit Fachliteratur einzudecken und die für eine Gewitterjagd wirklich relevanten Daten und Parameter zu lernen, um mit ihnen "jonglieren" zu können. Dies geschieht (bei mir zumindest) oft im Stillen; heute umso mehr, nachdem im Januar 2014 nach einer Art Hirninfarkt mein gesamtes Kurzzeitgedächtnis und einen Teil des Langzeitgedächtnisses vollständig gelöscht war. Alles was ich bis dato gelernt hatte, war innerhalb weniger Sekunden einfach weg; und es ist mir dank eines eigens entwickelten Trainings gelungen, nach nun rd. 2 1/4 Jahren wieder einen wesentlichen Teil meiner Kapazität des Gehirns wieder zu verwenden. Es ist nicht mehr so, wie vor dem 13. Januar 2014 und ich muss damit rechnen, dass es nie mehr so sein wird wie früher. Aber ich habe zumindest wieder die Kraft kleine Chasings durchzuführen, kann Wetterkarten und -modelle wieder verstehen, gewann zumindest die deutsche Schriftsprache wieder zurück und einen Teil der Englischkenntnisse von früher.
Wenn man so etwas überlebt hat, ist es bereits ein kleines Wunder und ich freue mich jedes Mal, wenn mir ein Text wie dieser überhaupt gelingt und ich meine Lähmungen in den Armen und Händen soweit in den Griff bekomme, dass ich die Maus und Tastatur benutzen kann, was mir eine Selbständigkeit und Unabhängigkeit verleiht. Gestern gab ich seit über 2 1/2 Jahren wieder mein erstes Interview, auf eine Anfrage vom "Blick" (wird heute publiziert).
Liebe Fabienne. Das ist das erste Mal, wo ich hier im Forum (einige wissen dies schon seit Anbeginn) dies öffentlich mache. Falls ich Dich falsch verstanden haben sollte, dann tut es mir wirklich leid. Falls nicht, dan verbirgt sich unmissverständlich in meinem kleinen "Apell" an alle Forumianer hier die Bitte um einen kleinen Moment der Aufmerksamkeit: Wenn man so selbstverständlich im Leben steht und aus purer Gewohnheit morgens schnell einen Espresso aus der Maschine lässt, auf den nächsten Bus hüpft und sonst so gewohnte Alltäglichkeiten verrichtet, dann vergisst man allzu gerne, dass das Leben, Dein / mein Leben, innert einer Sekunde vorbei sein kann, unvermittelt! Nicht, dass einem dies dauernd und überall und ständig bewusst sein soll, weil einem ja die Angst beschleichen könnte. Man kann aber dieses Bewusstsein auch darauf ausrichten, indem man die Dinge, die man tut (oder in meinem Fall, die Dinge, zu denen ich inzwischen noch fähig bin) wirklich in vollen Zügen geniesst und versucht weniger egoistisch zu sein - denn man kann wirklich nichts, gar nichts mitnehmen, auch ich nicht, kein Blitz, kein noch so schönes Bild.... Aber etwas braucht man im Übergang: ein innerer Friede und ein Gefühl von Liebe; sonst kann man sich von dieser Welt nicht verabschieden. Dazu benötigt man Menschen, die einem unterstützen, die echt und aufrichtig sind. Was macht das Leben lebenswert: komplizierte Karten, mit denen man auftrumpfen kann und sich dann über andere erhebt, um sich besser zu fühlen (für einen Moment)? Nein! Eine Cummunity, die sich als Gemeinschaft versteht und nicht als Gruppe sich gegenseitig konkurierender Mitglieder. Was auf WhatsApp funktioniert, sollte doch auch im Forum möglich sein.
Dies ist viel Off topic und mein persönliches Statement (musste halt wieder einmal sein... ;-) ), passt aber irgendwie doch zum Thema, denn wie in diesem Thread sollen alle einander Fragen stellen können, um sich weiterzubilden und noch mehr Freude an der Sache zu gewinnen. Alles andere ist kontraproduktiv.

Allen eine schöne Woche....
Gruss Cyrill
Zuletzt geändert von Cyrill am Di 7. Jun 2016, 03:15, insgesamt 1-mal geändert.

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