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Gewitter/Hagel/Sturmschäden 01.08.2017/02.08.2017 frühmorgen

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
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Bernhard Oker
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon Bernhard Oker » Do 3. Aug 2017, 15:29

@Willi
Wenn ich die Hook Radarbilder sehe, ist ein Tornado durchaus in Betracht zu ziehen.

Gruss
Bernhard
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grafur Rifferswil
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon grafur Rifferswil » Do 3. Aug 2017, 17:26

Willi hat geschrieben:
aber sie zeigen irgendwie verdächtig ein Hook Echo:

Spannend. Wie persistent ist die Hook Signatur?

Der Albis ist bestimmt besser positioniert als Feldberg, welcher von "hinten" reinschauen muss und so viel Abschwächung hat.

Wäre es möglich, noch mehr Bilder zu sehen, Z und Doppler, auf niederen und mittleren Höhen, zu verschiedenen Zeiten?

Gruss Willi


Ich habe mal zwei Loops gemacht (einmal mit 2.5° und einmal mit 3.5° Elevation, weiter unten sowie weiter oben ist nichts zu sehen, wie mir scheint). Man kann Hook Signaturen zwischen ca. 00:00 und 00:20 UTC sehen. Eine deutlichere Hook-Signatur (mit der Elevation 4.5°, siehe mein Post weiter oben) passt übrigens mehr oder weniger mit der Region zusammen von Wutöschingen (D), wo flowi die Bilder einer 150m breiten Schneise im Wald gezeigt hat (siehe hier: http://www.sturmforum.ch/viewtopic.php?f=2&t=9962&start=143).

PPI 2.5°:
forum_uploads/incoming/20170803_172020_grafur_Rifferswil_frei.gif
Quelle: MeteoSchweiz

PPI 3.5°:
forum_uploads/incoming/20170803_172126_grafur_Rifferswil_frei.gif
Quelle: MeteoSchweiz

Gruss Urs

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Cyrill
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon Cyrill » Do 3. Aug 2017, 18:17

@ Grafur
Hoi Urs

Könntest Du bitte auch noch Dopplerradarbilder / -Animationen hier ins Forum stellen, welche den Zeitabschnitt betreffen, als die Zelle über Mammern hinweg zog?

Vielen Dank.

@ TTS-Mitglieder and all

ich habe etwas unerwartet eine Mail von der Familie Weber aus Mammern erhalten, welches ich hier auszugsweise (mit Wunsch und Genehmigung) und zusammenfassend wiedergebe:
Viele Kunden und Kundinnen erzählen von ihrem Schrecken, der Angst, als der Sturm vorüberzog, der vor Ihnen, als sie nach draussen schauten rotierte und sie von einem Tornado sprechen. "Warum wird dies in den Medien verschwiegen....? Viele Personen hier in Mammern stehen noch unter Schock, oder sind auch zum Teil traumatisiert. Zeugen gibt es mehrere und man sieht die Schneise ganz deutlich, wenn man das Gebiet mit dem Heli überfliegen würde...." Es sei auch gefährlich im Wald spazieren zu gehen, weil viele Wander- und Velowege noch nicht sicher seien (einige Personen wurden bereits von herunterfallenden Ästen getroffen).
Natürlich habe ich die Familie beruhigt und mitgeteilt, dass durchaus Untersuchungen in Fachkreisen angelaufen seien (Sturmforum, dieser Thread) und die Ergebnisse noch nicht fest stünden. Dennoch wird es morgen dazu Facebook-Einträge geben und deshalb rege ich hier an, dass die Tornado Taskforce Schweiz in Betracht ziehen könnte, ein vorläufiges, da ja noch nicht endgültiges Ergebnis zu publizieren, bevor es zu einem Selbstläufer wird. Ich persönlich war vor Ort und habe natürlich Ähnliches schon gesehen. Aber ich verstehe den Standpunkt und den Wunsch auf Information seitens der Bevölkerung, insbesondere der betroffenen Gebiete. Ich sah ja in der Nacht noch nicht viel. Als die Morgendämmerung eintrat, konnte ich allmählich erkennen, wie gravierend zum Teil die Zerstörungen sind.
Ich hoffe, dass hier meine Anregung positiv aufgenommen wird.

Vielen Dank
Gruss Cyrill

Lukas Eisenberger
 
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon Lukas Eisenberger » Do 3. Aug 2017, 22:10

Cyrill hat geschrieben:@ Grafur
Hoi Urs

Könntest Du bitte auch noch Dopplerradarbilder / -Animationen hier ins Forum stellen, welche den Zeitabschnitt betreffen, als die Zelle über Mammern hinweg zog?


Hallo Urs. Wäre schön, wenn die Bilderserie ebenfalls noch Guntalingen / Stammheim beinhalten würde. Ich bin aus Guntalingen und deswegen würde mich das interessieren.

Danke und Grüsse

Lukas

PS: Hier noch ein paar Eindrücke aus Guntalingen. Ich seh übrigens um Guntalingen in der Schneise der Verwüstung (ca. 1km breit) alles in eine Richtung liegen. Ein Nachbar im Dorf hat anscheinend mit seinem Wetterstation Windgeschwindigkeiten von 190km/h gemessen und das war im Dorf drin...

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Severestorms
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon Severestorms » Do 3. Aug 2017, 22:31

Hallo zusammen

Erst einmal ein grosses Dankeschön an alle, welche zur Aufklärung dieses Falles ihren Beitrag leisten, sei es anhand von Schadensfotos, von Radarscans, von Augenzeugenberichten oder von Meinungen und Analysen. Es ist wirklich wieder ein spannender Fall, nicht allein die Frage ob Tornado ja/nein, sondern die Entwicklung und das Verhalten der Superzelle im Allgemeinen. Das hier ist Anschauungsmaterial bzw. Lernobjekt vom Feinsten. Gerade auch, weil mittlerweile viele Daten zur Analyse zur Verfügung stehen.

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Federwolke hat geschrieben:Das bringt mich nun aber angesichts der Lage um 23:00 Uhr schon etwas ins Grübeln. Das war genau der Zeitpunkt, an dem ich mich entschied die laufende Unwetterwarnung noch nicht durch den Wetterbericht für den nächsten Tag zu ersetzen:

Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart zufolge gab es allerdings eine großflächige Unwetterwarnung für Baden-Württemberg für die Nacht zum Mittwoch. Diese Warnung sei gegen 23.00 Uhr vorübergehend aufgehoben und dann nach Mitternacht wieder scharf geschaltet worden. Gegen 1.45 Uhr galt Alarmstufe 4 von 5, später sei die Warnung auf Stufe 5 hochgestuft worden, wie ein DWD-Mitarbeiter sagte.

Quelle: http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedw ... 25502.html

Ob es etwas daran geändert hätte, dass die Gruppe in den Zelten übernachtet, sei mal dahingestellt. Es ist einfach ein weiteres trauriges Beispiel dafür, wie wenig Wetterbildung und Bewusstsein für die Gefahren in der Bevölkerung vorhanden ist.


Ich verstehe das auch nicht. Einen Grund zur Aufhebung der Warnung gab es unter den gegebenen Umständen nicht.

Im Übrigen kam die Aufhebung für den Kreis Waldshut nicht schon um 23 Uhr, sondern um 00.46 Uhr. Also zu dem Zeitpunkt, als die Gewitterfront (mit eingebetteter bzw. späterer Superzelle) vor den Toren Basels stand!

WPSU40 WTXX 012246

AUFHEBUNG der VORABINFORMATION UNWETTER
vor SCHWEREM GEWITTER

für Kreis Waldshut

Die Vorabinformation Unwetter vor schwerem Gewitter, ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am Dienstag, 01.08.2017 19:53 Uhr, gültig von Dienstag, 01.08.2017 19:53 Uhr bis Mittwoch, 02.08.2017 04:00 Uhr, wird am Mittwoch, 02.08.2017 00:46 Uhr, aufgehoben.

DWD / RWB Stuttgart


Radaranimation Mitternacht bis 01.00 Uhr MESZ:

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Die Akutwarnung vor der Superzelle kam dann genau eine Stunde später, um 01.47 Uhr, als das Unwetter schon über dem Gebiet wütete:

WUSU92 WTXX 012347

Amtliche UNWETTERWARNUNG vor SCHWEREM GEWITTER

für Kreis Waldshut

gültig von: Mittwoch, 02.08.2017 01:47 Uhr
voraussichtlich bis: Mittwoch, 02.08.2017 03:30 Uhr

ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am: Mittwoch, 02.08.2017 01:47 Uhr

Es besteht die Gefahr des Auftretens von schweren Gewittern (Stufe 3 von 4).


Wie bereits erwähnt, können wir im konkreten Fall nicht beurteilen, ob es einen Unterschied gemacht hätte, wenn die Vorabinformation nicht aufgehoben worden wäre. Und auch, dass es mittlerweile gute Beispiele gibt, wo das Warnmanagement im Vergleich zu früher besser geworden ist, möchte ich nicht bezweifeln. Aber es ist auch meiner Meinung nach immer noch viel zu wenig Sensibilität für das Thema vorhanden. Angesichts der gemessenen Windgeschwindigkeiten und der grossräumig aufgetretenen schweren Sturmschäden ist es ein Wunder, dass nicht mehr Menschen zu Schaden gekommen sind!

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Michael (Untersee) hat geschrieben:Microbursts und Tornados können gemeinsam auftreten, wie schon Arbeiten von Ted Fujita gezeigt haben. Es wird aber recht schwierig sein, dies anhand des Schadenmusters zu erkennen. Auch Microbursts können schneisenartige Schäden verursachen. Typischerweise verursachen diese ein divergentes, manchmal aber auch ein geradliniges Fallmuster. Ein eindeutiger Hinweis auf einen Tornado wäre ein konvergentes Fallmuster, aber bei schwachen Tornados (kleiner als F2), welche in eine schnell ziehende Superzelle eingebettet sind, ist das kaum zu erkennen und das Fallmuster eher geradlinig, womit das Ereignis schwierig von einem Downburst zu unterscheiden ist.


Danke Michael für diese wichtigen Hinweise! Richtig, wir dürfen bei aller Diskussion nicht vergessen, dass das eine das andere nicht ausschliessen muss. Und beim Hook muss man aufpassen, dass man es nicht überbewertet. Es sollte schon etwas dauerhaft sein, um aussagekräftig zu sein. Sonst wohl eher zufällig. Daher gute Frage Willi bezüglich der Persistenz.

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Michael (Untersee) hat geschrieben:@Willi: Danke für deine Interpretation zur Superzelle. Spannend! Ich habe versucht, mich an vergleichbare Ereignisse in der Vergangenheit zu erinnern, also Superzellen, welche über längere Distanzen Windschäden verursacht haben. Spontan fallen mir da der 13.7.2011 (http://www.sturmarchiv.ch/index.php?tit ... Mittelland) und der 24.6.2002 (http://www.sturmarchiv.ch/index.php?tit ... ton_Aargau) ein. Gibt wahrscheinlich noch weitere Ereignisse. Interessant finde ich, dass alle Fälle in der Nacht aufgetreten sind. Gibt es ähnliche Fälle von Superzellen, welche tagsüber aufgetreten sind? Mir fallen nur solche ein, die vor allem grossen Hagel und nur lokale Downbursts produziert haben.

Gruss, Michael


Diese beiden Fälle sind mir auch in den Sinn gekommen. Vor allem der Fall von 2002 erinnert mich stark an die aktuelle Situation. Damals sah auch die Radaranimation ähnlich aus.
Eine tagsüber aufgetretene Superzelle mit verbreiteten Downburstschäden war zum Beispiel diejenige vom 6. August 2013.

Auch mir ist gestern in den Sinn gekommen, dass nächtliche Superzellen (zumindest hier bei uns) oft langlebiger, stärker und damit gefährlicher sind/waren als solche am Tag. Warum dies so ist, ist eine interessante Frage und versuche ich ebenfalls herauszufinden. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass die Superzellen von einem mehr oder minder ungestörten Low Level Jet profitieren können. Ausserdem kann ich mir vorstellen, dass Störfaktoren wie vorübergehend abnehmende Low Level Scherung oder Trocken»löcher» in der Nacht weniger ausgeprägt sind als am Tag. Gewitterzellen in der Nacht sind in der Regel von der Grundschicht entkoppelt (elevated) und gleiten quasi oben drüber. Dass langlebige Superzellen mehrere Downbursts in mehreren Zyklen produzieren, ist wiederum nicht aussergewöhnlich.
Ob nächtliche Superzellen generell stärker sind als solche am Tag, weiss ich nicht. Vielleicht ist es hier wegen des Rhonetal-LLJ speziell. Dieser Frage müsste man unbedingt nachgehen.

Eine andere nächtliche Superzelle, welche in Europa zu verheerenden Schäden geführt hat, war diejenige vom 24./25. Mai 2009 in Belgien:
https://en.wikipedia.org/wiki/Supercell#Europe

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Cyrill hat geschrieben:... deshalb rege ich hier an, dass die Tornado Taskforce Schweiz in Betracht ziehen könnte, ein vorläufiges, da ja noch nicht endgültiges Ergebnis zu publizieren, bevor es zu einem Selbstläufer wird. Ich persönlich war vor Ort und habe natürlich Ähnliches schon gesehen. Aber ich verstehe den Standpunkt und den Wunsch auf Information seitens der Bevölkerung, insbesondere der betroffenen Gebiete. Ich sah ja in der Nacht noch nicht viel. Als die Morgendämmerung eintrat, konnte ich allmählich erkennen, wie gravierend zum Teil die Zerstörungen sind.
Ich hoffe, dass hier meine Anregung positiv aufgenommen wird.


Hallo Cyrill, danke für das Veröffentlichen des Emails der Familie Weber aus Mammern. Ich denke, wir sind doch noch Einiges von einem (auch vorläufigen) Ergebnis entfernt. Das Einzige,was man sagen kann, ist, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere Down- oder Microbursts gegeben hat und dass ein Tornado bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann. Ich kann verstehen, dass Einwohner der betroffenen Region von der rohen Naturgewalt, welche sie erleben mussten und angesichts des einhergehenden materiellen Verlusts, geschockt und teilweise fassungslos sind. Ich möchte dich bitten, der Familie Weber die Emailadresse des Sturmarchivs (meldung@sturmarchiv.ch) durchzugeben mit dem Hinweis, dass persönliche Erlebnisberichte und Foto-/Videomaterial gerne entgegengenommen und ausgewertet werden. Danke!

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Hier noch meine Kurzeinschätzung zu den Schäden nach allen bislang vorhandenen bzw. publizierten Informationen:

Mehrere heftige Downbursts sind für mich aufgrund der Schadenbilder und -verteilung und vor allem auch aufgrund der verbreitet gemessenen Orkanböen so gut wie gesichert. Die Frage ist mehr, ob sich zusätzlich noch ein Tornado entwickeln konnte.

Zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass sich die Superzelle nach 2.15 Uhr MESZ (erneut) massiv verstärkte und ihren mutmasslichen Höhepunkt erlangte:

• Aufleben der Blitztätigkeit deutlich beobachtbar (> 1 Blitz / Sekunde)
• Stärkste gemessene Orkanböe um 02.30 Uhr (170 km/h)
• Deutliches V-Shape im Radarbild
• Konzentration des Hagels und stärksten Niederschlags auf den südlichen Bereich
• Um 02.15 Uhr war die vertikale Erstreckung des Hagelschlotes (bis 10 km) am ausgeprägtesten
• Verstärkter Rechtsdrall ab 02.15 Uhr

Wenn, dann würde ich also östlich von Lottstetten am ehesten eine Tornadospur erwarten. Mindestens die stärksten Downburstböen dürften dort aufgetreten sein (vgl. Windmessungen, welche dies bestätigen).

Gruss Chris

PS: @Nadine: Kannst du die Bilder bitte irgendwo öffentlich stellen für alle diejenigen, welche kein Facebook haben? Danke!
Zuletzt geändert von Severestorms am Fr 4. Aug 2017, 00:42, insgesamt 6-mal geändert.
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon Bernhard Oker » Do 3. Aug 2017, 22:42

Video vom Aufzug der Winterthur Superzelle bei Urdorf, sowie Blitze der nachfolgenden Gewitterfront. Am Schluss zwei relativ nahe Einschläge. Der erste als ich gerade mit Kamera und Stativ zum Unterstand gelaufen bin, weil der Regen einsetzte.
Blitz 1: https://kachelmannwetter.com/ch/blitze/ ... 08740.html
Blitz 2: https://kachelmannwetter.com/ch/blitze/ ... 85315.html
Mein Unterstand: https://www.google.ch/maps/dir/47.37909 ... !1e3?hl=de
https://www.youtube.com/watch?v=C7BMG9mNj8s

Auf der Rückseite blieb eine rotierende Wolke zurück:
https://www.youtube.com/watch?v=N3xeGbzVYRk

Fotos des Tages, der schon einiges an USA Feeling aufkommen liess. :-D
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Gruss
Bernhard
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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon Joachim » Do 3. Aug 2017, 23:37


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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon flowi » Fr 4. Aug 2017, 00:27

Joachim hat geschrieben:DWD hat (automatisiert) eine Mesocyclone um 00:5 UTC hier:
https://www.google.ch/maps/place/47%C2% ... 4d8.400534

Cool, das sind gerade mal 700 m. Luftlinie, .... und zwar bis zu meinem Haus.
Wenn das Teil tagsüber hier durchgezogen wäre, ui ui ui .... :roll:

Werde dann mal versuchen, übers Wochenende noch weitere Schäden im näheren Umkreis zu lokalisieren und zu dokumentieren.
Wenn da tatsächlich bodennahe Rotation im Spiel war, müssten entsprechende Indizien zu finden sein.

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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon Cyrill » Fr 4. Aug 2017, 02:09

Severestorms hat geschrieben:
Hallo Cyrill, danke für das Veröffentlichen des Emails der Familie Weber aus Mammern. Ich denke, wir sind doch noch Einiges von einem (auch vorläufigen) Ergebnis entfernt. Das Einzige,was man sagen kann, ist, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere Down- oder Microbursts gegeben hat und dass ein Tornado bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann. Ich kann verstehen, dass Einwohner der betroffenen Region von der rohen Naturgewalt, welche sie erleben mussten und angesichts des einhergehenden materiellen Verlusts, geschockt und teilweise fassungslos sind. Ich möchte dich bitten, der Familie Weber die Emailadresse des Sturmarchivs (meldung@sturmarchiv.ch) durchzugeben mit dem Hinweis, dass persönliche Erlebnisberichte und Foto-/Videomaterial gerne entgegengenommen und ausgewertet werden. Danke!


Hallo Chris
wird gemacht.
Übrigens habe ich noch mehr Material, was der Analyse dienlich sein könnte.... Kommt, sobald ich mal alles sichten und auswerten konnte.

@ Bernhard Oker

Boaah :shock: Krass der Wirbel. Solche Wirbel habe ich schon viele gesehen, aber ausschliesslich in der Anflugschneise von Piste 28, wenn die Jets am Wohnzimmerfenster meines alten Schulkollegen so nahe vorbei fliegen, dass man beinahe die Gesichter der Passagiere erkennen kann und wenn im Herbst etwas Nebel in den Vorgärten liegt, der in den Wirbelschleppen der Flugzeuge zu rotieren beginnt. Klasse Aufnahme!
Gruss Cyrill

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Re: [FCST/NCST] Gewitter 01.08.2017

Beitragvon Cyrill » Fr 4. Aug 2017, 03:40

Im Anschluss an Bernhards Bericht der Winterthurer-Superzelle mit den tollen Fotos, füge ich hier zu diesem Thema noch meine Informationen zu diesem Event an.

Seit Jahren bin ich öfters auf meinem Hausberg Sonnenbühl (od. Sunnebühl), von dem man bei föhniger Fernsicht sogar 173 km weit bis ins Wallis sehen kann (Bergspitzen von den Les Diablerets). Dann ist auch die Wetterstation auf dem Feldberg (D) fast zum Greifen nah. Ein Spotterplatz, der sich "gewaschen" hat; ideal natürlich auch für eine Gruppe junger Leute, die dort seit Jahren am 1. August ein Fest veranstalten. Nun ging es heuer ins zweite Jahr, dass die Gemeinde Oberembrach mit im Boot ist und so stand auf dem dreitägigen Programm am Nationalfeiertag nicht nur der Jodel- und Gesangsverein auf dem Programm, sondern auch eine Ansprache der Gemeindepräsidentin mit Schwergewicht in ihrer Rede zur geplanten Wiedereröffnung der umstrittenen Strassenverbindung im Eigental. Daniel, ein Landwirt aus der Umgebung und ich kennen uns seit einigen Jahren. Er ist im OK-Team der Festaktivitäten ein wichtiges Mitglied in Bezug auf das Sicherheitsdispositiv. Für mich eine Selbstverständlichkeit, ihm bei Fragen in Bezug auf die Wettersituation zur Verfügung zu stehen; und als häufiger Nutzer des Donnerradars, ist er bestens mt diesem Tool vertraut.
Mit seinem Kollegen besprach ich rd. 2 1/2 Tage vorher die hohe Gewitterwahrscheinlichkeit gegen Abend in dieser Region und begab mich am 01. August gegen 15 00 Uhr auf das Festgelände, um kurz mit Daniel über allfällige Massnahmen bei Eintreten von Starkwindereignissen zu sprechen (Leute nach drinnen evakuieren, Sonnensegel und Militärplachen ganz entfernen und ausser dem Osteingang sämtliche Zeltöffnungen und Zugänge auf der Westseite winddicht abschliessen).
Ich muss zugeben: meine Nerven waren ziemlich angespannt, als ich die im Mittelland entstandene, blitzaktive Zelle auf dem Donnerradar sah und den groben Zelltrack berechnete, der genau über den Sonnenbühl in gerader Linie führte und ich zu Daniel sagte, der Countdown beginne nun und bis zum Eintreffen der Zelle gehe es nun noch rd. 50 Minuten.
Ich begab mich auf die Aussichtsplattform und begann mit dem Fotografieren.

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17:11 MESZ. Blick nach Westen ins Limmattal; am Horizont die Lägern (Hügelzug). Noch keine Blitze sichtbar.

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17:11 MESZ. Blick nach Nordosten in Richtung Winterthur. Immer dichter werdende Ac-Felder zeigen das hohe Gewitterrisiko an. Noch sind die Sonnensegel gespannt und die Besucher sitzen noch gemütlich draussen auf den Bänken. Erste Vorbereitungen werden getroffen.

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17:16 MESZ. Die Gewitterlinie kommt rasch näher und baut sich zur Superzelle auf.

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17:19 MESZ. Erste Blitze (CG's) am Horizont wurden sichtbar. Daniel und einige Festbesucher kamen auf die Plattform, um dieses Spektakel mit zu verfolgen. Im Vordergrund der legendäre Baum in dieser Region, den vor rd. 23 Jahren ein Blitz spaltete (verkohlte Spalte auf der NO-Seite) und ein zweiter Blitz im Sommer 2015 ihm die gesamte Krone wegpustete.... und er lebt!

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17:19 MESZ. Die Superzelle gibt Gas.... und gibt die ersten Anzeichen etwas nach rechts (im Bild natürlich nachlinks) auszuscheren, was ich Daniel als gutes Zeichen für den Verlauf des Festaktes deutete.

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17:31 MESZ. Gewaltige CG's zuckten vor dem Niederschlagsbereich, der die Lägern bereits einhüllte in einer Distanz von wenigen Kilometern nieder. Im oberen Bereich der Superzelle verriet die grünliche Farbe der Wolke die angelaufene Hagelproduktion. Daniel sah mich an, ich nickte, er nickte und die besprochene Evakuierung lief ruhig und geordnet an. Sonnensegel wurden abmontiert. Emsige Helfer waren innert Minuten mit den Vorbereitungen fertig.

Dann zog gegen 17:45 MESZ ganz knapp der Hauptcore der Superzelle an uns vorbei. Hagelkörner bis ca. 3,5 cm fielen, Sturmböen peitschten die Wassermassen ums Zelt, grelle Blitze zuckten und innerhalb weniger Minuten war der Spuk vorbei. Das nur wenige Kilometer entfernte Brütten hatte es schwer getroffen, wie auch Dättnau und Winterthur-Töss. Die nach rechts ausscherende Superzelle verfehlte uns nur knapp.

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Blick auf den nordwestlichen Teil der Superzellen-Rückseite von Brütten aus.

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Blick auf den nordöstlichen Teil der Superzellen-Rückseite von Brütten aus. Sehr schön und deutlich zu sehen, der Hagelcore über der Region Dättnau /Winterthur-Töss.

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Hier noch der 30-Minuten Loop vom Donnerradar von 17:25 MESZ bis 17:55 MESZ. Am Ende des Loops, im rechten Teil, sieht man im Niederschlagsbereich eine rosa gefärbte Region, in der der Hagelcore angezeigt ist.

Video und Hagelfotos (auf dem Handy) folgen.

Gruss Cyrill
Zuletzt geändert von Cyrill am Fr 4. Aug 2017, 04:44, insgesamt 3-mal geändert.

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