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20.-21.04.2017: Starker Frost

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
zti
 
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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon zti » Fr 21. Apr 2017, 19:08

Zum Teil extreme Taupunkte im Moment (18.50): Wädenswil -13.1 oder Payern -14.2. Hoffentlich kommt etwas Bewölkung von Norden herein.


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Tinu (Männedorf)
 
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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon Tinu (Männedorf) » Fr 21. Apr 2017, 19:23

Soweit bisher überblickbar haben die beiden zurückliegenden Frostnächte massive, wohl in manchen Fällen existenzbedrohliche Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen angerichtet. Auf dem weitherum bekannten Bächlihof in Jona sind zum Beispiel rund 80 Prozent (!) der Apfelblüten erforen: http://www.zsz.ch/obersee/frost-zerstoe ... y/11427957

Die Bauern machen zwar auf (Zweck)Optimismus. Dennoch wird in persönlichen Gesprächen klar, dass hier teils grosses Ungemach droht. Auch interessant: Als problematisch wird nicht unbedingt der aktuelle Frost, sondern die viel zu warme Vorperiode bezeichnet. Nur deshalb waren überhaupt so viele Triebe vorhanden, die dann vom Frost vernichtet werden konnten. Das vielleicht als Denkzettel an die Adresse all jener, die sich in den letzten Wochen über Wärme und Sonnenschein gefreut haben. Die Kehrseite der Medaille ist oft düster. Vor allem, wenns um Natur und Klima geht.
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Uwe/Eschlikon
 
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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon Uwe/Eschlikon » Fr 21. Apr 2017, 20:30

Das vielleicht als Denkzettel an die Adresse all jener, die sich in den letzten Wochen über Wärme und Sonnenschein gefreut haben. Die Kehrseite der Medaille ist oft düster. Vor allem, wenns um Natur und Klima geht.


Ich bin zwar nur Hobbygärtner und existenziell nicht von der Ernte abhängig, aber warum soll ich mich deswegen nicht über die (zu) frühe Wärme freuen dürfen? Das verstehe ich jetzt nicht. Denn, ob ich mich freue oder nicht, deswegen ändert sich nichts an der Sache...es kommt wie es kommt...und zum Glück können wir es nicht (noch nicht) direkt beeinflussen.
Wer in der Landwirtschaft arbeitet und seine Existenz darauf aufbaut, hat das Risiko von Verlusten zur jeder Vegetationszeit, ob im Gemüse-, Acker-, Obst-, Wein- oder Getreideanbau. Es gibt wohl kaum ein Jahr, wo es nicht irgend einen Agrarzweig mit Verlusten trifft. Vielleicht sollte man nicht zu viel auf eine Karte setzen...

Mathias Uster
 
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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon Mathias Uster » Fr 21. Apr 2017, 23:06

Uwe/Eschlikon hat geschrieben:Ich bin zwar nur Hobbygärtner und existenziell nicht von der Ernte abhängig, aber warum soll ich mich deswegen nicht über die (zu) frühe Wärme freuen dürfen?

Gerade als Hobbygärtner gilt mein Mitgefühl und mein grosser Respekt denen, die ihre Existenz darauf aufbauen - ich kann ihre Sorgen nämlich zumindest emotional nachvollziehen. Die Freude über frühe Wärme oder ein spektakuläres Hagelgewitter ist als Gärtner immer ambivalent...

Stephan
 
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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon Stephan » Fr 21. Apr 2017, 23:47

Aus aktuellem Anlass habe ich heute morgen einen kleinen Abstecher in den westlichen Alpstein gemacht. Angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit war frühes Aufstehen angesagt - aber es hat sich gelohnt...

Den Abstieg in den Kaltluftsee von Hintergräppelen habe ich mit der Kamera festgehalten:

Den Oscar für die beste Kameraführung wird's wohl nicht geben, dennoch lässt sich halbwegs erahnen, wie bleischwer die Kälte in dieser Senke sitzt.

Die Handmessung ergab oben einen Wert von ca. -8 °C, unten war bei -21.4 °C fertig lustig. An der fest installierten Station wurde ein Minimum von -21.8 °C registriert. Bemerkenswert sind ist das Minimum von -27.2 °C, welches am Donnerstag morgen aufgetreten ist. Die Erfahrung besagt, dass die tiefesten Werte in der ersten klaren und windstillen Nacht nach einem Neuschneeereignis auftreten - ich war mir allerdings nicht sicher, ob das mit dem Aufklaren rechtzeitig klappen würde und habe prompt falsch gepokert...

Bild

Dem Temperaturverlauf nach zu schliessen hat es gegen 1 Uhr Lokalzeit am Donnerstag (Achtung: Zeiten in der Graphik sind in UTC) aufgerissen und innerhalb von 6 Stunden ist die Temperatur dann um 20 K in die Tiefe gerauscht.

Hier noch Bild vom Boden der Senke in die aufgehende Sonne:
Bild

Die Sonne hat bereits enorm Kraft und das Nebelchen verzog sich in relativ kurzer Zeit in die letzten schattigen Winkel der Senke zurück.

Im Video gut zu erkennen ist der Bruchharsch. Zwar blieb die Temperatur am Donnerstag ganztags knapp im Frostbereich, die sonnenexponierten Hänge weisen allerdings die typischen Schmelzrinnen auf:

Bild

Die Setzung der Schneedecke und das Wiedergefrieren der Oberfläche schwächten die Isolationswirkung gegen den Bodenwärmestrom wohl ziemlich. Zusammen mit der etwas wärmeren Luft in der Höhe (Tmin Hörnli am Do: -6.0 °C und -3.5 °C heute morgen) dürfte dies wohl das mehr als 5 Grad höhere Minimum heute morgen erklären.
Zuletzt geändert von Stephan am Fr 21. Apr 2017, 23:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Tinu (Männedorf)
 
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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon Tinu (Männedorf) » Sa 22. Apr 2017, 10:29

@Stephan

Wie immer super, deine Ausflüge in die Kaltluft-Welt! Frage: Wie wird die Station da unten eigentlich mit Strom versorgt? Über Sonnenkollektoren? Oder hats eine Stromleitung?
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Stephan
 
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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon Stephan » Sa 22. Apr 2017, 11:03

Tinu (Männedorf) hat geschrieben:@Stephan

Wie immer super, deine Ausflüge in die Kaltluft-Welt! Frage: Wie wird die Station da unten eigentlich mit Strom versorgt? Über Sonnenkollektoren? Oder hats eine Stromleitung?


Der Datenlogger enthält eine eingebaute Litium-Batterie, die sollte für ein gutes Jahr reichen. Das Solarmodul, welches an der Station angebracht ist, dient der Speisung des aktiv ventilierten Strahlungsschutzes. Hier findet keine Speicherung statt: Wenn Strahlung (auch reflektierte!) auf das Solarmodul fällt, dann beginnt der Ventilator zu drehen.


Noch ein kleiner Nachtrag zu gestern: Auf dem untenstehenden Bild habe ich einen Riss in der Schneedecke markiert. Es war nicht der Einzige, die gesamte Senke war durch ein weitmaschiges Netz (Abstand manchmal 20m, eher mehr) solcher Risse durchzogen. Wahrscheinlich handelt es sich um Spannungsrisse, welche beim Wiedergefrieren der Schneedecke und der nachfolgenden starken Abkühlung entstanden sind. Gibt's andere Interpretationen?

Bild

Gruss, Stephan

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Tinu (Männedorf)
 
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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon Tinu (Männedorf) » Sa 22. Apr 2017, 11:20

Spannungsrisse tönt für mich plausibel. Eine andere mögliche Erklärung: Mäuse. Ich erinnere mich dran, dass wir als Kinder im Garten des Elternhauses in Schönenberg (700 m.ü.m) auch solche Linien im harten Schnee feststellten. Mir wurde dann mal gesagt, dass Mäuse im Spätwinter/Frühling bereits unter der Schneedecke auf Nahrungssuche unterwegs sind und sich dem Boden nach durch den Schnee arbeiten. So entstehen Pfade, über denen die Schneedecke einsacken kann. Allerdings sieht das bei dir irgendwie anders aus. Aber wer weiss...
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Dävu
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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon Dävu » Sa 22. Apr 2017, 20:04

Habe heute eine kurze Inspizierung auf meiner Terrasse durchgeführt. Trotz Abdeckung hat der Frost seine Spuren an etlichen Pflanzen hinterlassen. Totalschäden sind es nicht, aber wenn ich daran denke, wie die Pflanzen vor 2 Wochen ausgesehen haben und jetzt, dann tut das schon fast ein wenig weh.

Hier z.B. eine Calamondinorange: Eingerollte, z.T. vergammelte Blätter, Früchte matschig, Blütenknospen dahin.
Bild

Auch die Magnolie hat an ihren jungen Blättern teils Schaden genommen.
Bild

Und so haben die Pflanzen "überwintert":
Bild

Die Blätter oder Pflanzenteile, die das Vlies berührt haben, sind oft kaputt. Darunter liegendes Laub scheint noch ok zu sein. Die Vliese bleiben jetzt erst mal noch dran, voraussichtlich bis zum nächsten Wochenende.

Gruess, Dävu
David in 5018 Erlinsbach

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Re: 20.-21.04.2017: Starker Frost

Beitragvon Mike, 4055 Basel » Sa 22. Apr 2017, 20:52

Dävu hat geschrieben:
Die Blätter oder Pflanzenteile, die das Vlies berührt haben, sind oft kaputt. Darunter liegendes Laub scheint noch ok zu sein. Die Vliese bleiben jetzt erst mal noch dran, voraussichtlich bis zum nächsten Wochenende.

Gruess, Dävu

Hallo Davü,

diese billigen und überteuerten Vliese, die nach 2 Jahren in ihre Einzelteile zerfallen, kann man als Pflanzenschutz vergessen. Die bringen nichts. Das kann ich aus langjähriger Erfahrung berichten. Ich schütze meine Pflanzen nur noch mit weissem Teichvlies. Ist zwar dicker und damit schwerer aber isoliert besser, lässt noch gut Licht durch und sind sehr robust. Sind bei mir schon mind. 10 Jahre im Einsatz. Isoliert ausserdem besser als luftdichte Luftpolsterfolie. Die Lufpolsterfolie ist bei der von Uwe beschriebenen atmosphärichen Gegenstrahlung kontraproduktiv. Da ist es dann unter der Lupo häufig kälter als ausserhalb > Kältekäfig. Lichtdurchlässigkeit bedeutet auch "Strahlungskältedurchlässigkeit" Pflanzenblatt kühlt sich auch innerhalb des Lupo-Schutzes unterhalb der Lufttemperatur ab und zieht dadurch die Temperatur innerhalb des Schutzes schnell nach unten. Ist besonders extrem, wenn darunter viel Blattmasse ist.
Da meine Zitronen zu gross zum Einräumen sind, müssen sie das ganze Jahr draussenbleiben. Hat die letzten Jahre immer gut funktioniert.
Ich habe an der Dachrinne ein 4m x 2m grosses Teichvlies befestigt. Das hilft schon einiges gegen Strahlungskälte.
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