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Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

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Gernot
 
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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon Gernot » Sa 13. Jun 2015, 21:15

@Fabienne - danke für den link
den Forscher freuts - da haben wir plötzlich ein neues Experiment Bannwald

flowi
 
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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon flowi » So 14. Jun 2015, 19:04

Und dieser Bereich bildet eine Verbindung zwischen den von Badnerland beschriebenen Schäden oberhalb des Münstertales und dem bekannten track ab Feldberg Passhöhe / Menzenschwander Hütte.

Ein weiteres Mosaiksteinchen also:
Bild

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Badnerland
 
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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon Badnerland » So 14. Jun 2015, 22:17

Hmm, vllt. sollte man sich OSO von der Stelle im Münstertal nochmal umschauen bzw. umhören?
Was mich beim Schadensbild im Münstertal wundert, ist die Anordnung und Fallrichtung. Die Zelle zog nach OSO und die Bäume liegen in nördliche Richtung? Lokaler Effekt aufgrund des Reliefs? Für Fallwinde relativ ungewöhnlich in ~90° zur Zugrichtung aufzutreten. Oder vielleicht doch schon ein kurzer Touchdown des Tornados, der dann am Hang/Grat den Kontakt zur Mutterwolke bzw. -trichter verloren hat (hohe Zuggeschwindigkeit der Zelle) und -aus welchen Gründen auch immer- den Hang entlang die 200m nach Norden gezogen ist, um sich dort aufzulösen? Vllt. hatte sich der RFD auch um die Wallcloud gewickelt und vorderseitig einen sehr kleinräumigen Microburst auf Nordkurs abgeladen. Bietet jedenfalls Raum für Spekulationen...kann sich hier jemand einen Reim darauf machen?

Grüße
meist zwischen Freiburg und Lörrach oder der Umgebung (Schwarzwald, Dreiländereck) unterwegs ;-)

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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon flowi » So 14. Jun 2015, 22:33

Badnerland hat geschrieben:Oder vielleicht doch schon ein kurzer Touchdown des Tornados, der dann am Hang/Grat den Kontakt zur Mutterwolke bzw. -trichter verloren hat (hohe Zuggeschwindigkeit der Zelle)

Solche "Aussetzer" waren ja auch in der Folge zwischen den einzelnen Schadensstellen im Forst zu verzeichnen gewesen. Nach Altglashütten beim Windgfällweiher verliert sich die Spur zum Beispiel vorübergehend. Oder auch der bekannte Unterbruch kurz vor Bonndorf.

Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass es zwischen "Deiner" Stelle, den massiven Schäden im Bannwald "Napf" und den gekappten Fichten bei der Menzenschwader Hütte noch weitere, unentdeckte Schneisen bzw. Hinweise auf weitere "Tochdowns" geben könnte. In diesem Bereich kann man das allerdings überwiegend nur zu Fuß erkunden. Einige kleinflächige Windwürfe dürften zwischenzeitlich jedoch schon aufgearbeitet worden sein (Borkenkäfergefahr). Es dürfte also zusehends schwieriger werden, die Spuren zu dokumentieren.

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Severestorms
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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon Severestorms » So 21. Jun 2015, 01:08

Kaiko (Döttingen) hat geschrieben:Sali zäme

Analyse der Reflektivität (dBZ) von Radarbildern im Zeitraum 20:45Uhr bis 22:15Uhr

Als Grundlage dienten:

- Google Maps Luftbild als Hintergrund 10km Auflösung
http://www.google.ch/maps/@47.8294718,8.103645,88962m/data=!3m1!1e3
- Diverse Bestandesaufnahmen der Zugbahn des Tornados aus diesem Thread.
- Radar HD Bilder von kachelmannwetter.com
http://kachelmannwetter.com/de/regenradar/deutschland/baden-wuerttemberg/waldshut/

Zuerst erstellte ich ein 10km aufgelöstes Googlemaps-Luftbild und blendete den vermuteten Tornadoverlauf mit + Zeichen ein.
Anhand der Radarbilder und den gemeldeten Beobachtungen konnte ich den zeitlichen Ablauf rekonstruieren und bestimmen.
Unter dem Tornadotrack ist die vergangene Zeit in Minuten nach 21:00Uhr MESZ eingetragen. Das schwarze + zeigt den jeweiligen Zeitpunkt, wo das entsprechende Radarbild überblendet wird.
Zusätzlich ist zur Orientierung der Standort des Feldbergradars mit einem Stern markiert.

Das Grundlayout ohne Radarbilder sieht so aus:
Bild

Um 21.00Uhr und 21:05Uhr bewegt sich die Superzelle knapp nördlich
vom Münstertal her auf den Feldberg zu:
Bild
Bild

Um 21.10Uhr zieht die Zelle relativ Nahe am Feldberg-Radar vorbei.
Schön zu sehen ist auch der tote Winkel in Richtung Südosten,
wo ein Gebäude dem Feldberg-Radar im Weg steht und dem Radarstrahl die Sicht nimmt.
Bild

Es ist anzunehmen, dass durch den nahen Vorbeizug die Messresultate
des Feldberg-Radars auch etwas abgeschwächt wurden.
Das Bild um 21:15Uhr zeigt noch keine Besonderheiten:
Bild

Aber mit zunehmender Entfernung der Superzelle vom Radar wurden die Resultate besser,
und es kann im Bild um 21:20Uhr ein interessante Detail beobachtet werden:
Südlich von Lenzkirch ist ein V-förmiger Bereich mit niederer Reflektivität zu erkennen. (Grün, <35dBZ).
Genau an dieser Stelle unter dem V verläuft unsere Tornadozugbahn. Zufall?
Bild

Auch in den folgenen 3 Bildern von 21:25 bis 21:35Uhr ist dieser Bereich
mit niederer Reflektivität gut zu erkennen und ein Indiz für das vorhandensein unseres Tornados.
Bild
Bild
Bild

In den Bildern von 21:40Uhr und 21.45Uhr kann diese Struktur nicht mehr beobachtet werden.
Wobei zum einen die Entfernung zum Feldberg-Radar nun immer grösser, und die Messungen ungenauer,
und zum anderen sich der Vortex der Superzelle nun langsam beginnt aufzulösen.
Bild
Bild

Abschliessend kann der Tornado anhand der Radarbilder zeitlich zu folgenden Regionen zugeordnet werden:
21:20Uhr - Lenzkirch
21:25Uhr - Glashütte (Grosse breite Schneise)
21:30Uhr - Bonndorf
21:35Uhr - Dillendorf
21:40Uhr - Lausheim
21:45Uhr - Fützen

Die Animation der Bildauswertung kann unter folgendem Link abgerufen werden:
http://www.kaikowetter.ch/Sturmarchiv/Radaranimationen/2015_05_13/Waldshut/Zeitraffercam.php

Wie schon früher mit den Blitzdaten von metradar habe ich auch mit den Blitzdaten von Kachelmann. eine Animation erstellt:
http://www.kaikowetter.ch/Sturmarchiv/Radaranimationen/2015_05_13/Waldshut/Zeitrafferblitz.php

Wie schon früher festgestellt, ist auch mit diesen Daten nach der Feldbergpassage ein Sprung der Blitzaktivität nach Norden in die Region Titisee erkennbar.

Weiter Analysen, insbesondere die genaue Auswertung der Doppler-Scans des Feldbergradars, bieten die Möglichkeit für weitere Erkenntnisse für die Tornadoforschung, und die Bestätigung meiner Annahmen und Ausführungen.

Grüsse Kaiko


Hallo Kai

Ich habe mir die Doppler-Scans des Feldbergradars (jetzt ja frei zugänglich via kachelmannwetter.com) angeschaut. Deine Reflektivitätsanalyse bzw. den daraus abgeleiteten zeitlichen Ablauf erscheint mir plausibel.

Analyse der relativen Geschwindigkeit (km/h) anhand von Bildern des Doppler-Radars im Zeitraum 21:15Uhr bis 21:50Uhr

Natürlich habe ich erstmal nach einem Tornado Couplet (Tornado Vortex Signature) Ausschau gehalten, also nach einem Bereich, wo hellgrüne und rosa Pixelbereiche dicht nebeneinander vorkommen. Bin aber – zugegebenermassen etwas überrascht - nicht fündig geworden. Dann ist mir aufgefallen, dass ein Bereich mit grauen Pixeln der Tornadospur entlang wandert.

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Ja klar, dachte ich mir. Das ist der Bereich des Inflows. Dort wo kein Niederschlag gemessen wurde. Fehlender Niederschlag bedeutet auch fehlende Meteore an welchen die Radarstrahlen des Dopplerradars reflektieren könnten. Eigentlich logisch. Aber zwei Dinge sind merkwürdig:
1) Die grauen Pixel sind auch zu den Zeitpunkten vorhanden wo im Reflektivitätsbild keine niederschlagsfreie Bereiche mehr erkennbar sind (z.B. um 21.40 Uhr und um 21.45 Uhr) - siehe Analyse von Kaiko.
2) Warum kann man im Normalfall eine Mesozyklone in Dopplerscans anhand von einem Couplet erkennen und hier nicht?

Meine Vermutung ist, dass wir es hier mit einer nicht ganz alltäglichen Konstellation zu tun hatten. Normalerweise übernimmt der Rear Flank Downdraft (RFD) eine wichtige Rolle bei der Tornadogenese. Dieser Downdraft wickelt sich langsam um die Mesozyklone und reisst damit die Rotation hinab in Bodennähe. Ein solcher Vorgang ist meist durch das berühmt-berüchtigte Hakenecho erkennbar. Ein Hook ist aber in vorliegendem Fall nicht zu sehen.

Wie anhand bisheriger Analysen unschwer zu erkennen ist, war der Schwarzwald-Tornado eingequetscht zwischen zwei Starkniederschlagsbereichen. Man würde aufgrund der Langlebigkeit des Systems und des Wegdriftens nach rechts erstmal von zwei (Super?)zellen ausgehen und vermuten, dass der Bereich mit dem Tornado zum Inflow/Aufwind der östlicheren Zelle gehören würde. Dieser Bereich lag aber nicht lehrbuchmässig im Südosten der Zelle, sondern eher im Westen. Verwunderlich? Nein, denn die mutmasslich zugehörige Zelle zog ja auch nicht von SW nach NE, sondern von NNW nach SSE. Dreht man das Bild um 40 Grad, sieht es schon besser aus. Auch ein für Superzellen charakteristisches V-Shape ist jetzt ansatzweise zu erkennen:

Bild

Und, man erkennt plötzlich auch ein deutliches Hakenecho. Bingo! Aber falsch herum gebogen. Und irgendwie mit der nachfolgenden (westlichen) Zelle verbunden. Hmmmm… War die Rotation vielleicht antizyklonal? Nein, diese Frage kann man klar verneinen, schaut man sich Fallrichtung der Bäume in der Schneise an. Der Tornado scheint tatsächlich zyklonal gedreht zu haben.

Ok, aber mit was hatten wir es denn zu tun? Ein klassischer RFD scheint die östlichere Zelle nicht gehabt zu haben. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Rolle des RFD bei der Entstehung des Tornados von der Forward Flank Downdraft (FFD) der westlichen Zelle übernommen wurde und damit das „Herunterreissen“ der Meso-Rotation überhaupt möglich wurde.

Aber schaut euch nochmal das gedrehte Bild an. Die Signatur sieht doch auch irgendwie vertraut aus, oder nicht? Genau, so ähnlich sieht es nämlich bei einem Rear-inflow jet (RIJ) mit sog. Rear-inflow notch aus:

Bild
Quelle: Wikipedia

Waren es also gar keine zwei eigenständigen Superzellen, sondern war es eine einzige grosse Superzelle, welche derart mächtig war, dass sie sogar einen Rear-inflow jet zu produzieren vermochte, etwas was normalerweise nur ausgewachsene MCS‘e zustande bringen? Oder war es ein Hybrid aus Superzelle und MCS?

Falls der niederschlagsfreie Bereich mit dem vermuteten Tornado tatsächlich einem Rear-inflow jet geschuldet sein sollte, könnte dieser ebenfalls zur Tornadogenese beigetragen haben. Im obigen Beispiel von Wikipedia kam es nämlich auch zu einem Tornado, und zwar genau an der gleichen Stelle wie in unserem Fall:

Bild
Quelle: http://www.srh.noaa.gov/bmx/?n=event_03061996

Was meint ihr dazu? Gibt es weitere Hinweise darauf, dass es einen RIJ gegeben haben könnte?

Bild

Gruss,
Chris
Zuletzt geändert von Severestorms am So 21. Jun 2015, 01:19, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon Willi » So 21. Jun 2015, 08:54

Natürlich habe ich erstmal nach einem Tornado Couplet (Tornado Vortex Signature) Ausschau gehalten, also nach einem Bereich, wo hellgrüne und rosa Pixelbereiche dicht nebeneinander vorkommen. Bin aber – zugegebenermassen etwas überrascht - nicht fündig geworden. Dann ist mir aufgefallen, dass ein Bereich mit grauen Pixeln der Tornadospur entlang wandert.


Der graue Bereich dürfte den unmessbaren Bereich markieren, infolge grosser Geschwindigkeitsdifferenzen und/oder hoher Turbulenz im Radar-Messelement (habe das schon mal in diesem Thread geschrieben, bei einem Kommentar zum Schweizer Dopplerradarbild :-)). Auch die isolierten grünen Pixel im roten Bereich dürften meist Artefakte sein. Das macht die Suche nach der Tornado-Vortex Signatur schwierig bis unmöglich. Der Radar hat halt einfach zuwenig räumliche Auflösung, um Tornado-Wirbel zu erkennen (in der Nähe des Radarstandortes sollte dies noch am ehesten möglich sein).

Aber was man gut erkennen kann ist die Vortex-Signatur der Mesozyklone, welche der Superzelle zugeordnet werden kann. Ich mache die gleiche Interpretation, welche ich auch schon beim Schweizer Dopplerradarbild angewendet habe, siehe untenstehendes Beispiel. Da ist ein Paar minimaler und maximaler Doppler-Geschwindigkeit (in Richtung des Radar-Standortes) mit Pfeilen markiert. Aber Achtung, die Pfeile zeigen die Windbewegung eines Beobachters, welcher sich mit dem Sturm bewegt. Am Südrand der Meso hat dieser Beobachter starken Rückenwind, am Nordrand aber harschen Gegenwind. Dabei habe ich angenommen, dass sich der Sturm selbst mit ca. 60 km/h ostwärts bewegt. Die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Süd- und Nordrand der Meso (100 km/h) ist beeindruckend, aber infolge der schnellen Ostbewegung des Sturms sind beide, Minimum und Maximum, noch im roten Bereich der Geschwindigkeitsskala.

Geht man nach dem gleichen Schema bei den anderen Bildern vor, kann man die Bewegung der Meso gut verfolgen, und so auch als wichtiges Merkmal bei der Interpretation der Reflektivitätsbilder berücksichtigen. Welches ist die Messhöhe dieser Doppler-Bilder? Die Meso ist meist in mittlerer Höhe (5 km oder so) gut ausgeprägt, kann aber auch schon auf niedrigen Höhen sichtbar werden.

Gruss Willi

Quelle: kachelmannwetter.com
Bild
Zuletzt geändert von Willi am So 21. Jun 2015, 09:16, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon Kaiko (Döttingen) » So 21. Jun 2015, 10:55

@Chris

Interessanter Vergleich mit den gedrehten Radarbildern. Da sind sehr viele Ähnlichkeiten vorhanden.

Der Vollständigkeit wegen hier noch die Animation der Dopplerbilder von kachelmannwetter.com
http://www.kaikowetter.ch/Sturmarchiv/R ... oppler.php

Und eine schnelle Variante davon:
http://www.kaikowetter.ch/Sturmarchiv/R ... erfast.php

Gruss Kaiko
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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon Badnerland » So 21. Jun 2015, 12:58

Die Frage wäre ohnehin gewesen, ob das Feldbergradar eine TVS überhaupt "sehen" könnte? In welcher Höhe misst das Radar denn eigentlich bzw. in welchem Winkel/Elongation?
Zwei Zitate aus einer alten Analyse (Tornadoverdachtfall 29.07.2005 im Münstertal) vom altbekannten WZ-Wetterfuchs:
Da das„bodennahe“ PX aus Feldbergsicht aber schon eine Mindesthöhe von 1500 m über dem Rheintalniveau bedeutete, kann auch außerhalb dieses Zeitraums in den unteren Schichten Rotation aufgetreten sein, die sich nur während der genannten Zeitspanne auch höher hinauf erstreckte.

und
Die bei den PX-Bildern angesprochene Problematik der unterschiedlichen Höhelage von Radarstation Feldberg und Rheinebene muß natürlich auch in den PR-Bildern bei der Interpretation der Doppler-Radialwinde beachtet werden.

http://www.wzforum.de/forum2/read.php?2 ... sg-1437911

In unserem Fall ist ja immerhin ein Tornado eindeutig nachzuweisen, damals gingen die Meinungen auseinander. Wobei ich beim Fall von vor zehn Jahren von einem Tornado ausgehe und zum Zehnjährigen nochmal einen Bericht aus Schadensbildern und der ein oder anderen Zeugenaussage, die ich kürzlich bei meinem erneuten Besuch im Münstertal geschildert bekommen habe, zusammenstellen werde.

Die Frage bzgl. einer Schneise (mit Aussetzern) zwischen Münstertal und Feldberg/Schluchsee ist noch nicht geklärt, oder? Die Luftaufnahmen geben hier keinen Aufschluss oder (@Ben, Cyrill und co.)?

Viele Grüße und danke für die weiterhin interessanten Details und Analysen :)
meist zwischen Freiburg und Lörrach oder der Umgebung (Schwarzwald, Dreiländereck) unterwegs ;-)

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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon Ben (BaWü) » So 21. Jun 2015, 17:10

Danke für die interessanten Beiträge!

Bezüglich der Schäden am Feldberg/Münstertal haben wir noch etwas mehr Bildmaterial aus der Luft, da mein Kollege kurz nach unserem Flug die Möglichkeit hatte, das ganze nochmal in Ruhe mit dem Segelflieger zu überschauen. Ich werde mal fragen, ob er das irgendwie hochladen kann.

Was die Radarsignaturen der Zelle angeht, so warte ich noch immer auf eine Rückmeldung des DWD bezüglich eines DX-Radarbildes von 21:40 Uhr, welches ich über den IRAS-Explorer (Skywarn DE) generiert habe. Dort sieht man m.M. nach nicht nur ein schönes V-shape, sondern auch Ansätze eines Hook-Echos bzw. einen Bereich erhöhter Reflektivität exakt dort, wo der Tornado lokalisiert war.
Weiterhin ist der Tornado auf einem weiteren DX-Bild von 21:30 Uhr am Südrand von Bonndorf zu erkennen. Hier ist ein kreisförmiger Bereich mit ca. 500-1000m komplett ohne Reflektivität (!?) erkennbar. Rings herum wurden Reflektivitäten von 30-40 dbz gemessen.
Generell blöd ist, dass das Feldbergradar zeitweise etwas abgeschattet war.

Sofern es überhaupt eine andere, eigenständige Zelle weiter west-südwestlich gab, dann kann ich mir gut vorstellen, dass deren outflow eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Tornadogenese gespielt haben dürfte. Hier fehlen mir aber definitiv fundierte Kenntnisse.
Wie Chris aber schon erwähnt hat, ist die Signatur der SZ('s) tatsächlich etwas seltsam. In diesem Zusammenhang lohnt unbedingt auch ein Blick auf das Radar zu der Zeit, als eben diese Zelle bereits in den Vogesen einen F2 Tornado produziert hat (ca. 19:55-20:05 Uhr):

http://kachelmannwetter.com/de/regenrad ... 1805z.html

Ich habe übrigens anhand der Uhrzeit, des hochaufgelösten IRAS-Radars sowie durch Triangulation herausgefunden, dass ich den Tornado fotografiert habe, als er genau südlich von Blumegg war :)

Bild

LG, Ben
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Re: Tornado Südschwarzwald 13.05.2015

Beitragvon Severestorms » Mo 22. Jun 2015, 17:05

Vielen Dank euch allen für eure Antworten resp. Beiträge!

Willi hat geschrieben:Der graue Bereich dürfte den unmessbaren Bereich markieren, infolge grosser Geschwindigkeitsdifferenzen und/oder hoher Turbulenz im Radar-Messelement (habe das schon mal in diesem Thread geschrieben, bei einem Kommentar zum Schweizer Dopplerradarbild).

Danke für die Korrektur bzw. Anmerkung. Ich habe ganz vergessen, dass Marco ja bereits Dopplerbilder geliefert hat, welche ihr analysiert habt. Und irgendwie habe ich bei meiner Analyse total ausgeblendet, dass der Radarstrahl erst ab einer gewissen Höhe misst und daher die Mesozyklone so oder so sichtbar sein müsste (was sie auch ist), weil sie ja aus mit Wasserdampf gesättigter Luft besteht.

Badnerland hat geschrieben:Die Frage wäre ohnehin gewesen, ob das Feldbergradar eine TVS überhaupt "sehen" könnte?

Stimmt. Allerdings denke ich, dass man in unserem Fall aufgrund der Tornadogrösse, -stärke und -persistenz auch auf eine starke, hochreichende Mesozyklone schliessen darf. Willi hat die vorhandene TVS in den Dopplerbildern jeweils schön aufgezeigt (@Willi: Merci! Ich bin halt nicht mehr so geübt, seit es den ETH Dopplerradar nicht mehr gibt - Seufz!). Ich habe extra nochmals nachgeschlagen: Eine TVS bedeutet entgegen dem Namen eben nicht, dass man den Tornadovortex selbst erkennen kann, sondern die darüberliegende Meso in einer bestimmten Höhe. - Aber wie gesagt, ich habe sowieso auf der falschen Hochzeit gesucht. :lol:
Zuletzt geändert von Severestorms am Mo 22. Jun 2015, 17:07, insgesamt 1-mal geändert.
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