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El Niño, Winter 2009 / 2010

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
URBI
 

Re: El Niño, Winter 2009 / 2010

Beitragvon URBI » So 28. Mär 2010, 14:32

Zitat:
Der Niño-3-Index gibt den Mittelwert über die Temperaturen der Wasseroberfläche in einem bestimmten Gebiet an, eines ziemlich grossen Gebietes vom 5.Breitengrad Nord bis zum 5. Breitengrad im Süden und vom 150. bis zum 90. Grad westlicher Länge. Das ist ein an die 8000 km langes Band um den Äquator. Niño-3 heisst er nur deshalb weil es noch andere Gebiete (Niño 1 und 2 nahe Peru, Niño 4 westlich der Datumsgrenze) gibt, die für manche Messungen als Vergleich herangezogen werden.
http://www.espere.net/Enso/ensofrequencyde.html


Nino 3
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Nino 3.4
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Nino 4
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Nino plumes
ecmwf.int

Voraussage:
ENSO Prediction Plume
iri.columbia.edu

Bleibt Aktuell
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weatherzone.com.au

Grüsse
Urbi

Urbi
 

La Niña, 2010 / 2011

Beitragvon Urbi » Di 23. Nov 2010, 15:04

Das Schwesterchen:

Bild Bild

12 Monate rückwärts:
Meerestemperatur / Anomalie
http://www.pmel.noaa.gov/



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Meeresoberflächentemperatur-Anomalie
http://www.elnino.noaa.gov/

ENSO Voraussage
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http://iri.columbia.edu/climate/ENSO/currentinfo/SST_table.html



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Zitat Neue Zürcher Zeizung

10. November 2010, Neue Zürcher Zeitung

Das kalte «Mädchen» im Pazifik

La Niña bringt Südostasien heftigen Regen und dem Atlantik viele Wirbelstürme



Weil sich im Osten des Pazifiks das Wasser deutlich abkühlt, schlägt das Weltwetter Kapriolen. Die verursachende atmosphärisch-ozeanische Schwingung hat nach neuesten Studien zwei Varianten.

Sven Titz

Der tropische Pazifik ist eine der Brutstätten des Weltwetters, die Meteorologen ständig im Auge behalten. Noch Anfang des Jahres wärmte dort das Phänomen El Niño das Wasser. Jetzt ist zur Abwechslung das kalte Pendant La Niña (spanisch für «das Mädchen») an der Reihe – und es fällt so kräftig aus wie seit Jahren nicht mehr.

Weltweite Auswirkungen

Meteorologische Dienste registrieren in vielen Weltregionen Wetterkapriolen, die mit La Niña in Verbindung stehen dürften. Durch eine veränderte Luftzirkulation im Atlantik waren die Bedingungen für tropische Wirbelstürme dort bisher besonders günstig: 19 Stürme, 9 mehr als im Durchschnitt, machten in diesem Jahr den Ozean unsicher, und die Saison geht noch bis Ende November. In Südostasien ist es nasser als sonst, was laut Medienberichten auch ökonomische Folgen hat: Regenfälle behindern in Indonesien den Abbau von Zinn – damit steigt der Preis für das Metall. Auch Kautschuk, das auf Plantagen in Indonesien, Thailand und Malaysia gewonnen wird, ist wegen des Regens teurer geworden.


Bild
(Bild: NZZ-Infografik / tcf.)


Im Winter werden die Wetterlaunen wohl nicht aufhören: Fachleute rechnen im Nordwesten der USA mit tieferen Temperaturen als sonst und ungewöhnlich viel Regen oder Schnee, im Süden des Landes aber mit Wärme und Trockenheit. Australien erwartet wegen La Niña eine heftige Wirbelsturmsaison. Südafrika muss sich auf einen vergleichsweise feuchten Sommer einstellen. Auch in Europa ist in der Vergangenheit der Einfluss der pazifischen Abkühlung feststellbar gewesen. Bei La-Niña-Bedingungen kann laut dem Klimaforscher Stefan Brönnimann von der ETH Zürich der Spätwinter in Nordosteuropa mild ausfallen. Natürliche Schwankungen der Luftzirkulation auf der Nordhalbkugel seien allerdings weitaus stärker als der entfernte Einfluss des Pazifiks.

«Der Junge» und «Das Mädchen» kehren jeweils alle zwei bis sieben Jahre wieder. Zusammen bilden sie die wichtigste mehrjährige Schwankung von Meerestemperaturen und Grosswetterlagen, die es auf der Erde gibt. Eine entscheidende Rolle bei dem Phänomen spielt – neben der Ozeandynamik – der Wind am Äquator. Generell treibt er das warme Pazifikwasser nahe der Meeresoberfläche gen Westen, in Richtung Indonesien. Die Brise hat aber Launen: Flaut der Wind etwas ab, dann strömt warmes Wasser teilweise nach Osten zurück, und vor der Küste Perus steigt die Temperatur. Das ist El Niño. Weht der Ostwind hingegen stärker als sonst, dann akkumuliert sich im Westen noch mehr warmes Wasser, und vor Peru kühlt sich das Meer stark ab. Das ist La Niña.

Von echten La-Niña-Bedingungen sprechen Fachleute, sobald die Temperatur in einem charakteristischen Kerngebiet im Pazifik mindestens 0,5 Grad Celsius unter den klimatologischen Durchschnittswert sinkt. Das ist derzeit der Fall: In einem Areal von mehreren tausend Kilometern Länge entlang dem Äquator liegen die Temperaturen um ein bis zwei Grad Celsius unter den langjährigen Mittelwerten. Dadurch ist der Luftdruck im Westpazifik gesunken und im Ostpazifik gestiegen. Gemessen am Luftdruckunterschied zwischen Australien und Tahiti im September handelt es sich derzeit um die stärkste La-Niña-Phase seit dem Winter 1973/1974.
Eine neue Variante

El Niño und La Niña treten in zwei Varianten auf, wie Wissenschafter in den letzten Jahren herausgefunden haben. Neben der normalen Variante gibt es eine, die Modoki genannt wird. Modoki ist japanisch und bedeutet so viel wie «ähnlich, aber verschieden». Das klingt ominöser, als es ist. Bei einem El-Niño-Modoki wird die Erwärmung im zentralen tropischen Pazifik beobachtet und nicht vor der südamerikanischen Küste. Bei La-Niña-Modoki ist es entsprechend der zentrale Ozeanbereich, der sich am meisten abkühlt.

Gegenwärtig herrscht ein normaler La-Niña-Fall: Die stärksten negativen Temperaturabweichungen finden sich im Ostpazifik. Gemäss mehreren Studien ist die Modoki-Variante in den letzten Jahrzehnten aber häufiger geworden. Fachleute untersuchen noch, ob diese Entwicklung etwas mit dem menschengemachten Treibhauseffekt zu tun hat oder auf einen natürlichen Zyklus zurückzuführen ist. Das wüsste man schon gerne. Denn die Modoki-Variante hat andere Folgen als die Standardvariante. Normale El-Niño-Verhältnisse bedeuten etwa für die USA ein verringertes Hurrikanrisiko, während El-Niño-Modoki das Sturmrisiko grösser macht.

Die Modoki-Variante wirkt sich auch langfristig aus, beeinflusst also das Klima. Das berichtete ein Team um Emanuele Lorenzo vom Georgia Institute of Technology in Atlanta Mitte Oktober im Magazin «Nature Geoscience». Durch eine atmosphärische Brücke hinterlasse ein Modoki-Ereignis im Nordpazifik eine charakteristische Temperaturveränderung, die im Ozean über Jahre hinweg gespeichert werde. Laut den Forschern erschwert das Prognosen für das Klima im Pazifik in den nächsten Jahrzehnten. Denn schon El Niño und La Niña sind schwer vorhersagbar – erst recht gilt das für ihre Langzeitwirkung.

Eindeutiger ist ein anderer Befund: El Niño lässt die globale Mitteltemperatur um ein paar Zehntelgrad steigen; La Niña bewirkt das Gegenteil. Seit April dieses Jahres wurde eine Abkühlung um ungefähr 0,2 Grad Celsius verzeichnet. Dieser kurzfristige Abwärtstrend kann sich noch ein paar Monate fortsetzen. Er gehört zum natürlichen Auf und Ab der Temperaturen, das längerfristigen Trends – etwa der globalen Erwärmung – überlagert ist.

Gemäss Computerprognosen bleiben die La-Niña-Bedingungen bis mindestens ins nächste Jahr hinein bestehen. Das Phänomen könnte sich diesmal als besonders langlebig erweisen: Berechnungen mit dem Supercomputer «Earth Simulator» am Frontier Research Center for Global Change in Yokohama deuten darauf hin, dass die Pazifikanrainerstaaten mit den Auswirkungen des kalten «Mädchens» bis Anfang 2012 zurechtkommen müssen.

http://www.nzz.ch/nachrichten/wissensch ... 28715.html


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Gruss
Urbi
Zuletzt geändert von Urbi am Di 23. Nov 2010, 16:12, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: El Niño, Winter 2009 / 2010

Beitragvon Cyrill » Do 2. Dez 2010, 05:05

Danke Urbi für Deinen Post.
Meine vage Vermutung diesen Sommer (und entsprechende Aussagen in dieser Richtung) scheint sich bestätigt zu haben. Sie gesellt sich quasi ideal zu meiner Langfristprognose für's 2011, die ich ja auch bereits mit einigen Forumianern besprochen habe. Für verbindliche Aussagen ist es zwar noch etwas früh und ich werde den Verlauf der NAO in den nächsten Wochen ein wenig im Auge behalten; sodann (nach meiner Theorie) ich erst zwischen der 4. Januar- und der 2. Februarwoche 2011 konkreter werden kann.
Meine anfangs dieses Jahr gemachte Vorhersage vorallem für die Gewittersaison und die Sommermonate ist ja zu über 90% eingetreten, was unter anderem Willi, Ralph und Andreas bestätigen können. Für's 2011 vermute ich nun - entsprechend dem 2010 - weit nach Süden ausgreifende Troglagen, mit dem Unterschied, dass sie um einige Grade nach Osten (bzw. Westen, je nach Betrachtung) versetzt ist. D.h. die nach Mitteleuropa versetzte Amplitude führt zu extrem starken Niederschlägen an deren Ostflanke, in dessen Bereich die Schweiz zu liegen kommt. Einfach augedrückt: Was Spanien und das nördliche Marokko, aber auch Osteuropa dieses Jahr niederschlagsmässig erlebte, werden wir im 2011 haben. Ich rechne mit z.T. extremen Niederschlägen, Hochwasser u.ä. (ab 2. Juniwoche bis 3. Augustwoche).

Zudem: In einer Doku, die 2006 ausgestrahlt wurde (und die ich dummerweise nicht auf DVD aufgenommen habe) prophezeite eine Atmosphärenphysikerin für das Jahr 2011 denkwürdige und geschichtsträchtige globale Wetterveränderungen. Sie malte ein Szenario, von dem wir nicht einmal zu träumen getrauen. Natürlich hoffe ich, dass es nicht so kommt, aber im von Urbi geposteten Artikel ist ja schon einiges angedeutet. Interessant finde ich hierbei die +Temperaturanomalie an der Westküste Afrikas (rötlich markierte Zonen). Dort ist ja bekanntlich die Brutstätte der Hurrikane, welche aus den kontinentalen Gewitter-Tiefs über Westafrika entstehen. Das erhöhte Energiepotential in der Hadley-Zelle hat logischweise auch Konsequenzen für die nördlich angrenzenden Gebiete. Je südlicher nun die Troglagen über Europa ausgreifen und sozusagen mit einer postiven NAO korrellieren, desto schmaler wird der "Aktivierungs-Gürtel" von Extremwetterlagen in der südlichen Zone der Ferrel-Zelle. Wenn nun (nach meiner Vorstellung) die Energiepotentiale der Hadley- und Ferrelzelle (wie beschrieben) kulminieren...... ja, dann :shock:
Öfters haben Hurrikane ihre normale Route verlassen und sind entlang der nordafrikanischen Küste nach Norden gedriftet. Einer hat sich erst kurz vor Spanien vor einigen Jahren in ein Sturmtief angeschwächt.
Die erwähnte Atmosphärenphysikerin hat für das Jahr 2011 hingegen den ersten Hurrikan im Mittelmeer vorhergesagt; zwar "nur" Kat 2-3, aber das genügt, um einige Küstenstädte der Mittelmeerländer infolge von Sturmfluten unter Wasser zu setzen. 2011 wird ein sehr spannendes Chasingjahr; das sagt mein Bauchgefühl.

Aber in gewissem Sinne ist das Wetter ja "cholerisch" :mrgreen: - und deshalb gibt es immer wieder Überraschungen!

Allen wünsche ich schöne Festtage
Gruss Cyrill

Seebueb
 
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Re: El Niño, Winter 2009 / 2010

Beitragvon Seebueb » Fr 3. Dez 2010, 11:45

@Cyrill

Du machst mir aber Angst mit deiner Langzeitprognose! Wenn das eintreffen sollte, dann sehe ich eine miserable Segelsaison vor mir mit turbulenten Winden. Zumal ich ja, wie du sicher auch schon gelesen hast, Vertreter einer sogenannten "Periodikatheorie" (von mir so genannt) bin. So wie die Wellen einer Windsee zwar unregelmässig, aber einem bestimmten Muster folgernd sich fortpflanzen, so denke ich, dass auch in der Athmosphäre eine gewisse Rgelmässigkeit abläuft. Das haben wir ja dieses Jahr mit den sich immer wieder folgenden Abtropf-Vorgängen auf immer wieder ähnlichen Zugbahnen gesehen. Du kannst mir ja jetzt vielleicht noch die Erklärung liefern, warum. Ich bin gelehrig.

Aber: Warten wir erst mal die ersten Monate des Jahres ab. Vielleicht kommt es ja noch besser, als wir denken. Manchmal braucht es nur einige Kilometer Versatz.

Gruss aus dem frostigen Nordosten Seebueb
Ich liebe Wind und Wellen!

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Re: El Niño, Winter 2009 / 2010

Beitragvon Cyrill » Sa 18. Dez 2010, 00:01

@ Seebueb

Ich will ja niemandem Angst machen! Aber es wäre ein riesiger Schritt in der Vorhersagepraxis, wenn man in der Wetterküche nicht nur flüchtige Blicke in die "Pfannen und Töpfe" werfen, sondern quasi so ein "Suppen-Rezept" erkennen könnte.
Solche Periodika können - wenn überhaupt - nur nach Langzeitstudien festgestellt werden. So ist es noch zu früh sich festzulegen; aber in der Theorie kann man durchaus Szenarien durchspielen und mit der Realität Vergleiche anstellen. Führt dies zu übereinstimmenden Ergebnissen, kann man versuchen die Herleitung zur Theorie zu erklären.....

Jedenfalls ist der Kaltlufteinbruch und das Tief "Petra" derzeit ein wichtiges Indiz darauf, was hier bisher geschrieben wurde.... Warten wir mal ab, ob dies nur ein Vorspiel war oder nicht.

vgl. "Wetterextreme Nordhemisphäre Winter 2010/2011"
viewtopic.php?f=12&t=7324&start=20

Gruss Cyrill
Zuletzt geändert von Cyrill am Sa 18. Dez 2010, 00:04, insgesamt 2-mal geändert.

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