Werbung

Stürmischer Märzbeginn (Sturmtief Emma am 01.03.2008)

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
Benutzeravatar
Andreas -Winterthur-
Beiträge: 4383
Registriert: Do 19. Jul 2012, 07:38
Hat sich bedankt: 339 Mal
Danksagung erhalten: 598 Mal

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Andreas -Winterthur- » Do 28. Feb 2008, 21:51

Also das GFS Orkantief müsst ihr euch unbedingt anschauen. Ein solch umfangreiches und kräftiges Orkantief (950 hPa) soweit südlich ist wohl ein absolute Seltenheit. Da würden wohl (u.a.) ein paar Bohrinseln in der Nordsee in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber eben, viel mehr als ein Modellausreisser scheint mir das (mindestens soweit im Voraus) nicht zu sein.

Gruss Andreas
“Some people are weather wise, but most are otherwise” Benjamin Franklin

Benutzeravatar
Heiziger
Beiträge: 1419
Registriert: Di 18. Jun 2002, 23:30
Wohnort: 3054 Schüpfen
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 19 Mal
Kontaktdaten:

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Heiziger » Fr 29. Feb 2008, 00:09

Hey Leutz

Bin am Weekend in Stuttgart bei Kumpelz vom Springbreak eingeladen.
Werd euch von dort aus aufm Laufenden halten.
So wies nach GFS aussieht wirds ein recht stürmisches Weekend dort oben geben... :(
Mein Handwindmesser kommt ma auf hundert mit!

greez pat
Wetterstation Schüpfen - Hard: http://www.wetterschuepfen.ch
Wetterstation Camping VD8, Yvonand VD, südlicher Neuenburgersee: http://www.grenouille.ch/Weather

Einmal Gewitter mit viiiel Blitz und Donner bitte :mrgreen: :unschuldig: :-D

Benutzeravatar
Alfred
Beiträge: 10469
Registriert: Mo 21. Jul 2003, 16:23
Geschlecht: männlich
Wohnort: 8037 Zürich
Hat sich bedankt: 49 Mal
Danksagung erhalten: 90 Mal

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Alfred » Fr 29. Feb 2008, 01:47

Hoi mitenand

Am Samstag über Mittag recht beachtliche Mittelwinde ab
der Höhe Uetliberg, aber ob die als Böen herunterkommen?
http://www.sturmforum.ch/forum_uploads/ ... d_frei.png

Grüess, Alfred
[hr]

Benutzeravatar
Tinu (Männedorf)
Beiträge: 3395
Registriert: Fr 29. Jul 2005, 16:35
Geschlecht: männlich
Wohnort: 8708 Männedorf
Hat sich bedankt: 290 Mal
Danksagung erhalten: 809 Mal

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Tinu (Männedorf) » Fr 29. Feb 2008, 10:09

@Alfred

Naja...diese Situation am Samstag ist nicht wirklich kolossal, zumindest bezogen auf das Schweizer Mittelland. So wie es momentan aussieht, wird das eine Warmsektor-Party.

Das Sturmfeld in den höheren Luftschichten ist zwar bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag über Europa sehr ausgeprägt. Der Warmsektor des Tiefs ist aber so markant, dass wir zu dem Zeitpunkt meilenweit entfernt sind von jeglicher Labilität, die ein Heruntermischen ermöglichen könnte.

Bild

Erst im Verlauf des Samstagnachmittages (ich würde sagen so zwischen 12 und 15 Uhr) erreichen uns gemäss GFS die kälteren Luftmassen.

Bild

Das Sturmfeld hat sich zu dem Zeitpunkt aber bereits ostwärts verschoben. In dieser Phase dürfte es im Flachland für Böen zwischen 75 und 90, in exponierten Lagen vielleicht auch 100 km/h reichen.

Bild

Auf dem "Uetzgi" dürften aber logischerweise Böen über 100 km/h drin liegen.

Also ein "normaler" Frühjahrssturm, vor dem man sich nicht fürchten muss, den man aber auch nicht unterschätzen sollte (von wegen im Wald spazieren...)
Tinu (Männedorf ZH, 422 m ü. M)
Gewitter und Sturm = erhöhter Pulsschlag
Föhn-fasziniert

Matt (Thalwil)
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Matt (Thalwil) » Fr 29. Feb 2008, 10:25

Guten Morgen

Habe mir ein paar Gedanken zum Samstag und Sonntag gemacht. Klar sind wir nicht im Brennpunkt des Geschehens. Kraft meines neuen Jobs (Rückversicherung) liegt das Interesse nun nicht nur auf dem eidgenössischen Wetter.

Synoptik
Im Bereich eines sehr kräftigen Jetstreams mit bis 200kt auf 300hPa bildet sich am Freitag 29.02.2008 ein Sturmtief über dem Atlantik. Es verlagert sein Zentrum bis Samstagmittag 01.03.2008 nach Südskandinavien. Den tiefsten Kerndruck von rund 955 hPa erreicht es in der Nacht von Freitag auf Samstag über der Nordsee. Bis Sonntagmittag verlagert sich der Kern des Tiefs mit ost-südöstlicher Zugbahn ins Baltikum. Eingelagert in eine westlich bis nordwestliche Strömung ziehen am Samstag und Sonntag mehrere Fronten und Tröge über Zentraleuropa.

Windspitzen Westen
Über den Britischen Inseln, den Benelux-Staaten und Dänemark werden die höchsten Windspitzen voraussichtlich mit dem Gradientwind am Samstag erreicht: In Schottland, Nordengland und an den Küsten der Nordsee bis 55 bis 65kt, ansonsten 45 bis 55kt. Der Wind nimmt am Sonntag nur langsam ab.

Windspitzen Osten
Weiter im Osten, namentlich in Sachsen, Thüringen, Bayern, Tschechien und Österreich gibt es wahrscheinlich zwei Spitzen der Windgeschwindigkeit, eine am Samstagabend und die andere während des Sonntags. Letztere wird durch ein Randtief des Sturmtiefs Emma ausgelöst. Spitzen von 50 bis 55kt werden verbreitet erreicht werden.
Dazu kommt es in den bodennahen Luftschichten zu Beschleunigungseffekten, wie beispielsweise zwischen den Ostalpen und dem Böhmischen Wald. Am Sonntagmittag beträgt die durchschnittliche Windgeschwindigkeit über Wien 80kt auf 850hPa. Bei guter Durchmischung sind am Boden Windböen in der Grössenordung von 60 bis 70kt möglich. Orkanböen in ähnlicher Grössenordnung sind nicht nur für das Wiener Becken zu erwarten, sondern auch am östlichen Alpensüdhang, von Kärnten über die Steiermark bis ins Burgenland (orographische Effekte). Genauso betroffen sind der Osten Ungarns und Teile Sloweniens.

Windspitzen Schweiz
Die stärksten Winde sind am Samstagmittag/-nachmittag zu erwarten, während dem Druckaufbau über Frankreich und gleichzeitig kräftigem Gradientwind. Über dem Mittelland baut sich ein Druckgradient von 8 bis 11 hPa auf (West-Ost). Die Durchmischung der Luftschichten ist zu diesem Zeitpunkt wegen der Niederschläge eher ungünstig, so dass Spitzen von 50kt im Mittelland wohl nur lokal überschritten werden.

Mat

Benutzeravatar
Tinu (Männedorf)
Beiträge: 3395
Registriert: Fr 29. Jul 2005, 16:35
Geschlecht: männlich
Wohnort: 8708 Männedorf
Hat sich bedankt: 290 Mal
Danksagung erhalten: 809 Mal

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Tinu (Männedorf) » Fr 29. Feb 2008, 10:52

Unsere östlichen Nachbarn bekommen es in diesem Winter wirklich ziemlich deftig ab, was Sturmlagen angeht.

Einen solchen topografisch bedingten "Düseneffekt" hatten wir ja in diesem Winter bereits beim Nordoststurm, der vor allem im Süden Österreichs für schwere Schäden sorgte. So wie es jetzt aussieht, wird es im Donaubecken rund um Wien eben bedingt durch diese Kombination aus Anströmungsrichtung (Nordwest) und Topografie (Kanalisierung zwischen Ostalpen, Böhmerwald und Karpaten) erneut scheppern.

Der scharf nordwestliche Autobahn-Gradient zum Zeitpunkt Sonntag, 12 UTC:

Bild

Gelegt über die Topografie dieser Region:

Bild

Ergibt das:

Bild

Faszinierend. Und ein eindrückliches Beispiel dafür, dass das Wetter eben nicht nur so vom Himmel fällt, sondern durchaus auch vom Boden beeinflusst werden kann.
Tinu (Männedorf ZH, 422 m ü. M)
Gewitter und Sturm = erhöhter Pulsschlag
Föhn-fasziniert

Benutzeravatar
Andreas -Winterthur-
Beiträge: 4383
Registriert: Do 19. Jul 2012, 07:38
Hat sich bedankt: 339 Mal
Danksagung erhalten: 598 Mal

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Andreas -Winterthur- » Fr 29. Feb 2008, 11:10

Angenehmer Nebeneffekt dieser Lage für das Tessin. Ähnlich wie bei Kyrill im Januar 2007 baut sich am Samstag eine Nordwindlage auf. In Lugano wurden damals 24.5°C gemessen. Morgen und auch am Sonntag werden auf 850 hPa 10 bis 12 Grad geboten. Mit der guten Durchmischung sollten 20 Grad plus eigentlich locker drinliegen.

Gruss Andreas
“Some people are weather wise, but most are otherwise” Benjamin Franklin

Martin (Klettgau)
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Martin (Klettgau) » Fr 29. Feb 2008, 11:31

Hallo zusammen,

In der Nachfolge zieht ein weiteres Sturmtief über Mitteleuropa hinweg,

Bild

Dieses Tief sollte man nicht unterschätzen und in den folgenden Läufen weiter beobachten.
Vor allem für den Süden Deutschlands sowie den Norden und Osten Österreichs könnte dieses Tief vielleicht gefährlich werden.

Ja und denn das ding hier,Christian Matthys hatte es ja schon angedeutet.
Für eine spannende Wetterwoche ist ja bestens gesorgt.

Bild

Gruss Martin

Benutzeravatar
Chrigu Riggisberg
Beiträge: 1470
Registriert: Fr 23. Apr 2004, 23:20
Wohnort: 3132 Riggisberg BE
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Chrigu Riggisberg » Fr 29. Feb 2008, 11:48

Noch wegen dem "Ding" von kommendem Mittwoch:
Erstaunlich, wie hartnäckig das GFS diese Variante drin behält. Nach dem ECMWF-Lauf sieht (und sah) es jedenfalls deutlich anders aus:

Bild

Weit und breit ist kein Sturmtief nördlich der CH zu sehen. Ich würde viel darauf verwetten, dass das GFS in den kommenden Läufen stark bremsen wird, was die spannende Wetterentwicklung in der kommenden Woche anbelangt. Überhaupt wird es sich nach dem EZ nur um ein sehr kurzes Winterintermezzo handeln, mit ein paar wenigen Schneeschauern am kommenden Dienstag. Danach sollen die Temperaturen bereits wieder auf normale bis sogar überdurchschnittliche Werte anklettern.

Konzentrieren wir uns besser auf die Kurzfristprognose, welche ja oben ausführlich beschrieben wird.

Gruss Chrigu *skeptisch-bin*
Riggisberg BE (800 m.ü.M.), zwischen Schwarzenburg und Thun am Fusse des Gurnigels gelegen

Stefan im Kandertal
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Stürmischer Märzbeginn

Beitrag von Stefan im Kandertal » Fr 29. Feb 2008, 11:57

Für einen richtigen Sturm fehlt morgen vieles. Die Kaltfront erreicht uns gar nicht erst, die schwenkt kurz vor der CH Grenze einmal mehr nach Osten weg ;-). Ebenso fehlt es an Labilität.

Das Einzige was spektakulär wird ist die Schneeschmelze bis Montag Abend. Die Ostalpen bekommen wenigstens morgen Abend mit der Kaltfront schon einige cm ersetzt, dafür zeichnet sich bei GFS ausnahmsweise ab, dass die Schweiz ab Dienstag gut bedient wird . [:]. Leider hält, wie Chrigu richtig sieht, das ein oder andere Modell dagegen und die GFS ENS gehen dann auch immer weiter auseinander.

Antworten